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25.01.2003
 

Karnakata

Das vergessene indische Imperium

Hinter den Hängen der Westghats beginnt eine andere Welt: Nur 250 Kilometer Luftlinie trennen die Traumstrände Goas vom "Goldenen Dreieck" Karnatakas mit den einstigen Hauptstädten des alten Indiens.

Hubli im Bundesstaat Karnataka: Hier findet das Leben auf der Straße statt
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Hilke Maunder

Hubli im Bundesstaat Karnataka: Hier findet das Leben auf der Straße statt

Karnataka - Karnataka ist ein Land verlorener und wieder entdeckter Kulturen. Unter den Dynastien der Kdambas, Chalukyas und Hoysalas war der südindische Bundesstaat Nabel der zivilisierten Welt. Mit dem Ende des Vijayanagar-Reiches aber wurde es still um das Land. Die Spurensuche wird zur Zeitreise in die Vergangenheit.

Aihole, heute ein kleines Dorf, war die erste Hauptstadt der Chalukyan-Könige. Sie herrschten vom 4. bis zum 8. Jahrhundert nahezu über das gesamte Hochland von Dekkhan. Mehr als 100 Tempel erzählen Stein für Stein die Baugeschichte des Hinduismus: vom frühen Ladkan-Tempel bis zum fein ausgearbeiteten, späten Kunligudi-Tempel. Völlig aus dem Rahmen fällt der Durga-Tempel: Nicht eckig, sondern rund und mit Torturm versehen, wurde er zum Vorbild für viele Tempel im Bundesstaat Tamil Nadu.

Außerhalb des Ortes ist es den Archäologen gelungen, ihre Ausgrabungen zu schützen - im Ort hat der Alltag die Oberhand behalten. Hier wohnt eine Familie in einem historischen Heiligtum, dort dienen die alten Gebäude als Ställe.

Virupaksha-Tempel in Hampi, der alten Haupstadt der Vijayanagar-Könige
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Hilke Maunder

Virupaksha-Tempel in Hampi, der alten Haupstadt der Vijayanagar-Könige

Drei Stunden Schlagloch und Schotter sind es bis nach Badami. Die Kleinstadt war von 540 bis 757 nach Christus Hauptstadt der Chalukyan-Dynastie. Laute, rhythmische Schläge beenden die Nachtruhe. In der Kühle des Morgens schlagen hunderte Frauen ihre Wäsche unablässig auf die Steintreppen, die als breite Ghats zum künstlich angelegten Wasserbecken führen. Als sich die Sonne hinter den Felsen zeigt, gehen die Frauen im Sari bekleidet in den See und begrüßen den Tag. Dann klemmen sie sich die Wäsche unter den Arm, gehen zu den Tempeln, die das Ufer säumen, legen ein paar Blüten in die Opferschale, erneuern ihr Tikka über der Stirn und verschwinden in quadratischen Hütten aus Lehm.

Hubli: In Indien gibt es alle Arten von Forbewegungsmitteln
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Hilke Maunder

Hubli: In Indien gibt es alle Arten von Forbewegungsmitteln

Minuten später beherrschen Männer die Szenerie an den Treppen. Sie baden und waschen sich im See. Hinter ihnen führt ein schmaler Pfad den steilen Felsen hinauf zu Badamis berühmtem Erbe. Kultstätten des Hinduismus, des Buddhismus und des Jainismus sind hier dicht beieinander in fünf verschiedenen Höhlen zu besuchen. In Höhle eins tanzt ein 18-armiger Shiva, Höhle zwei und drei sind Vishnu geweiht. Die vierte Höhle ist ein Verehrungsort der Jains und Höhle fünf ist eine Kultstätte der Buddhisten. Der Blick von Badamis schönstem Balkon reicht weit über den Ort und die Landschaft ringsum. Während sich der Abend über das Land senkt, leuchtet die Erde tiefschwarz. Im 7. und 8. Jahrhundert erlebte die Chalukyan-Dynastie ihre Blütezeit. Schauplatz aller Krönungsfeierlichkeiten waren die zehn prunkvollen Tempel von Pattadakal, heute als Unesco-Weltkulturerbe geschützt.

140 Kilometer weiter auf dem National Highway, den sich Autofahrer, Ochsenkarren, Radfahrer und Fußgänger teilen, liegt Hospet, eine staubige Kleinstadt am Tungabhadra-Damm. Der größte Staudamm der Welt schuf inmitten einer trockenen, bizarren Felslandschaft einen 370 Quadratkilometer großen See. Er ist Strom- und Wasserlieferant für den Bundesstaat und seine Nachbarn. In der Stadt erleuchten Neonröhren die einfachen Restaurants. Die Speisekarten preisen "Thali" an, eine Mischung aus Reis, vegetarischen Currys, Chapati und Joghurt.

Virupaksha-Tempel in Pattadakal
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Hilke Maunder

Virupaksha-Tempel in Pattadakal

Hospet wäre ein unbekanntes Kaff im Hinterland von Karnataka - läge es nicht in der Nähe von Hampi, der alten Hauptstadt der Vijayanagar-Könige. Vom 14. bis 16. Jahrhundert beherrschten sie nahezu den gesamten südindischen Subkontinent. Die Notgemeinschaft mit unabhängigen Hindufürsten entstand aus dem gemeinsamen Kampf gegen die islamischen Eroberer aus dem Norden. Wie mächtig und prächtig die "Stadt des Sieges" war, bezeugen heute noch die Ruinen von Tempeln und Festungen, Siegestoren und Stallungen, Pavillons, Palästen und Aquädukten. 26 Quadratkilometer meisterhafte Baukunst sind eingebettet in eine unwirkliche Landschaft, übersät mit riesigen Felsbrocken.

Der 52 Meter hohe Virupaksha-Tempel ist bis heute Zentrum des religiösen Lebens. An die leuchtend weiße Kultstätte schließt sich eine der vier Marktstraßen an. Breit, schnurgerade und gesäumt von vollständig erhaltenen Marktständen, führt sie zu einer Ganesha-Statue, gemeißelt in einen fast fünf Meter hohen Monolith aus Granit.

In der Nähe vom Tungabhadra-Fluss liegt der Vittala-Tempel. Seine 56 Säulen sind reich mit Steinmetzarbeiten geschmückt, die Decken zieren Blumenschmuck und geometrische Muster.

Auch in Hampi funktioniert der Alltag zwischen den Ausgrabungen: In den Ruinen bestellen Bauern Felder mit Getreide und Zuckerrohr. In den einstigen Elefantenställen der Königin liegen Ziegen im Heu. Wer heute Herrscher von Vijayanagar ist, verrät die große Thronplattform. Über einem Relieffries, der Elefanten, Kamele, Pferde und andere Lasttiere zeigt, tummeln sich unzählige Affen.

Von Hilke Maunder

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