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22.04.2003
 

Nepals Nationalheldin Pasang Lhamu

Dem Mount Everest verfallen

Ihre größte Sehnsucht war es, den Gipfel des Mount Everest als erste Nepalesin zu erreichen: Immer wieder nahm Pasang Lhamu Sherpa die Quälerei des Aufstiegs in die sauerstoffarmen Höhen in Angriff. Erst ihr vierter Versuch vor genau zehn Jahren war erfolgreich, den Abstieg überlebte die Sherpani jedoch nicht.

Pasang Lhamu und der Everest: Das Bild der Nationalheldin Nepals ist allgegenwärtig
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Oliver Häussler

Pasang Lhamu und der Everest: Das Bild der Nationalheldin Nepals ist allgegenwärtig

In Camp 3 traf sie die Entscheidung: "Wir haben zu Hause drei Kinder. Der Everest ist gefährlich. Einer von uns muss zurück." Die 33-jährige Pasang Lhamu schickte ihren Ehemann zurück. Sonam Sherpa, Inhaber der Trekking-Agentur Thamserku, hörte auf seine Frau und stieg ab ins Basislager. Wenige Tage später erfror Pasang Lhamu auf dem Südgipfel des Mount Everest in einem Sturm.

Pasang Lhamu Sherpa hat Bergsteigergeschichte geschrieben: Getrieben von dem Wunsch, als erste Frau des kleinen Königreichs Nepal den höchsten Berg der Welt zu erklimmen, stand sie am 22. April 1993 auf dem Gipfel des Mount Everest. Heute ziert ihr Bild Briefmarken und Kalender, ihren Name kennt jedes Kind des Landes, obwohl sie von dem Berg nie zurückkehrte.

Pasang Lhamu war der Chomolungma, der Göttinmutter, wie der Everest bei den Sherpa genannt wird, verfallen: 1990 stand sie zum ersten Mal auf dem Südsattel, auf 8000 Meter Höhe. Sie hatte sich einer französischen Expedition angeschlossen. "Am Südsattel verweigerte ihr der Expeditionsleiter Marc Batard den Sauerstoff für den Gipfel", erzählt ihr Neffe Pasang Rinji heute. Der Sherpa betreut in diesem Jahr als Basislager-Manager vier Gruppen, für die sein Onkel Sonam Sherpa eine Everest-Expedition organisiert. Statt der Nepalesin gab Batard der französischen Bergsteigerin Christine Janin den notwendigen Sauerstoff mit auf den Weg zum Gipfel. Janin bestieg als erste Französin den Mount Everest, Pasang Lhamu musste wieder absteigen.

"National Hero": In Katmandu wacht eine lebensgroße Statue von Pasang Lhamu über das Volk
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Oliver Häussler

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Im Jahr darauf erreichte die couragierte Nepalesin bei ihrem zweiten Versuch eine Höhe von 8500 Metern. 1992 organisierte Pasang Lhamu zusammen mit ihrem Mann eine eigene Expedition, wieder ohne Gipfelerfolg. Am 22. April 1993 sollte sich ihr Traum erfüllen. Zusammen mit vier Sherpa-Bergsteigern, die sie engagiert hatte, erreichte sie den Gipfel des Everest. Ihren Triumph konnte Pasang Lhamu nicht feiern. Das Wetter schlug um, und im Abstieg starb sie auf dem Südgipfel den Erschöpfungstod.

Ngawang Thiele, der Sherpa-Chef der deutsch-schweizerischen Mount-Everest-Jubiläumsexpedition, war eng mit Pasang Lhamu verbunden. Als treuer Mitarbeiter von Thamserku hat er jeden Gipfelversuch des Unternehmens begleitet. Am 22. April 1993 stand er, sein Bruder Sonam Tshering, Pasang Lhamu und zwei weitere Sherpa auf dem Gipfel. Sein Bruder begleitete die Sherpani beim Abstieg - und mit in den Tod am Südgipfel. Die Leiche von Pasang Lhamu konnte erst nach 19 Tagen geborgen werden. Ngawang Thieles Bruder hat der Everest bis heute bei sich behalten.

Ngawang Thiele spricht nicht gerne über die Ereignisse von damals. Der Sherpa weigerte sich zwei Jahre lang, an den Everest zurückzukehren. Erst 1996 schloss er sich der Nachmonsun-Expedition von Ralf Dujmovits an. Seitdem hat der Sherpa den Chomolungma, den Berg seiner Heimat, noch zweimal bestiegen.

Nach ihrem tragischen Gipfeltod wurde Pasang Lhamu Sherpa zu Nationalheldin. Jedes Kind im Königreich Nepal kennt die Sherpani aus dem Solu-Khumbu-Gebiet. Auf Druck der nationalen Presse schuf die nepalesische Regierung die Gipfelgebühr für einheimische Bergsteiger ab. Pasang Lhamu bezahlte noch die horrende Summe von 10.000 US-Dollar für ein Gipfelpermit.

Pasang Lhamu Mountaineering Foundation: Die Stiftung unterstützt die nepalesischen Frauen
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Oliver Häussler

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Nach ihrem Tod ehrte der nepalesische König Pasang Lhamu Sherpa mit dem "Nepali Star", der höchsten Auszeichnung des Landes. Der Bürgermeister der Stadt Katmandu errichtete eine lebensgroße Statue für die Sherpani. Pasang Lhamu wurde eine Sondermarke der königlichen Post gewidmet. Eine Überlandstraße, ein 7135 Meter hoher Gipfel und ein spezielles Weizenkorn aus der Zucht des Landwirtschaftsministeriums wurde nach Pasang Lhamu Sherpa benannt. Vor drei Jahren wurde die Pasang Lhamu Mountaineering Foundation gegründet, eine Stiftung mit dem Ziel, nepalesischen Frauen den Einstieg ins Bergsteigen zu erleichtern.

Erst sieben Jahre nach Pasang Lhamu gelang es einer Nepalesin, der damals 26-jährigen Lhakpa Sherpa, nach dem Gipfelsturm am 18. Mai 2000 heil ins Basislager zurückzukehren.

Von Oliver Häußler, Nepal

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