Colombo - Die Imbissbude besteht aus einigen Holzstangen und einem Dach aus geflochtenen Palmblättern. Die Ladenbesitzerin Dassanayaka schneidet eine gelbe Kokosnuss von einem Ast und schlägt mit dem Messer ein Loch in die Spitze. Dann zieht sie einen Strohhalm aus einer Tüte und reicht die Nuss ihrem Kunden. Die Flüssigkeit ist klar und ein wenig dicker als Wasser. Dazu gibt es rote Bananen, klein und köstlich. "Hier halten kaum Ausländer", sagt Dassanayaka, deren Imbiss an der Straße von Sri Lankas Hauptstadt Colombo nach Kandy steht. "Das macht 30 Rupien" (30 Cent), sagt sie zu dem Gast, der eine Kokosnuss ausgetrunken und zwei Bananen verspeist hat.
In Sri Lanka lassen sich Strandurlaub und Entdeckungsreisen gut verbinden, zumal nach fast 20 Jahren Krieg zwischen der Regierung und den Rebellen der "Befreiungstiger von Tamil Eelam" (LTTE) seit Februar 2002 ein Waffenstillstand gilt. Das Auswärtige Amt in Berlin rät in seinen Sicherheitshinweisen zwar weiterhin von touristischen Reisen in den Norden und Osten ab. Der Westen, die Mitte und der Süden der Insel gelten aber als sicher, und alle Menschen im Lande hoffen, dass Sri Lanka seinen Ruf als Paradies im Indischen Ozean zurückgewinnt. Schon jetzt steigt die Zahl der Touristen wieder, und viele nutzen auch die Chance, etwas mehr vom Land zu sehen als nur die traumhaften Strände.
Wer ganz nah dran sein möchte am Leben der Sri Lanker, kann preiswert mit öffentlichen Bussen reisen. Touristen, die nicht ganz so tief in den Alltag eintauchen und außerdem den Luxus genießen wollen, jederzeit anhalten und aussteigen zu können, brauchen ein Auto mit Fahrer. Auch das ist erschwinglich: Die 500 Kilometer lange Fahrt von Colombo über Kandy nach Anuradhapura und zurück kostet umgerechnet etwa 110 Euro. Das Auswärtige Amt gibt aber zu bedenken: "Organisierte Gruppenreisen sind unter Sicherheitsaspekten Einzelreisen vorzuziehen".
Auf dem Weg von Colombo nach Kandy ist ein Stopp in Pinnewala ein Muss. Dort liegt ein Elefantenwaisenhaus - 56 Dickhäuter, die als Babys allein im Dschungel gefunden wurden, sind hier zu Hause. Das größte Spektakel bieten sie, wenn die ganze Herde morgens und nachmittags mitten durch das Dorf zum Fluss zieht, um zu baden.
Wer Kandy genießen will, braucht ein paar Stunden Zeit. Die Stadt liegt im Hügelland im Zentrum der Insel. 300 Jahre lang hielten die Singhalesen-Könige hier den Portugiesen und den Holländern stand, bis die Briten 1815 auch diese Hochburg besetzten. Berühmt ist Kandy für den "Tempel des Zahns": Ein Zahn des Buddha soll hier als Reliquie aufbewahrt werden. Am Eingang ziehen Besucher ihre Schuhe aus und können ein paar Blüten als Geschenk für den Buddha kaufen. Der Ort strahlt Ruhe und Frieden aus - dabei erinnert sich jeder Sri Lanker auch hier an die Kriegsjahre. 1998 zündete die LTTE eine Bombe an dem Heiligtum.
Die ersten deutschen Touristen schlagen schon die Warnungen in den Wind, die das Auswärtige Amt mit Blick auf die Ostküste ausspricht. Die Armut in den Dörfern um Trincomalee sehen sie wohl nicht, aber auf dem Weg zum Hotel von Nilaveli passieren sie ein Flüchtlingslager. Rund um das Hotel gibt es kaum Restaurants und Andenkenläden. Die Strände sind noch leer, der Hoteleigentümer hofft auf den Frieden. "Vor dem Krieg waren wir dauernd ausgebucht", sagt einer der Manager.
An die Strände im Südwesten kamen Pauschaltouristen auch während des Krieges. Palmen, die sich zum Meer hin neigen, Luxushotels und Strandrestaurants, Masken und Batiken als Andenken - das alleine ist vielen schon eine Reise wert. Aber auch von den Stränden um Aluthgama und Bentota aus lässt sich der Urlaub durch Ausflüge bereichern - zum Beispiel zum sagenumwoben Adam's Peak. Er heißt so, weil Adam auf dem 2224 Meter hohen Berg seinen Fußabdruck hinterlassen haben soll, als er beim Abstieg aus dem Paradies die Erde betrat. Aber auch Buddha oder dem Hindugott Shiva wird der Abdruck zugeschrieben.
Nicht zuletzt ist die Hauptstadt Colombo einen Besuch wert - und sei es nur, um auf dem Weg zum Flughafen einen Tee auf der Veranda des ehrwürdigen "Galle Face Hotels" zu trinken oder um einzukaufen. Viele kommen nur, um sich in den Läden umzusehen - und sind später froh, dass ihnen ein Angestellter einen Korb bringt, um die ausgesuchten Blusen, Tischdecken und Holzspielzeuge besser tragen zu können.
Von Jürgen Hein, gms
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