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12.01.2004
 

Breaking the Ice

Über Gletscherspalten zum ersten Gipfel

Die Teilnehmer der Extremexpedition ins antarktische Eis starten zu ihrem ersten Übungstrek. Der Gipfelsieg soll ein erstes Signal an die Welt sein: Israelis und Palästinenser können gemeinsame Erfolge feiern, wenn sie nur zusammenarbeiten.

Freitag, 9. Januar

Für die Israelis und Palästinenser an Bord hat sich eine angenehme Routine eingestellt: Tagsüber segeln, bei nahezu tagheller Nacht ankern, dazwischen Essen zubereiten und auf Deck die Atmosphäre des antarktischen Sommers genießen. Die Landschaft um uns herum ist wunderschön, und in diesen Küstengebieten ist das Segeln einfach.

"Pelagic Australis" vor der antarktischen Küste: An bord hat sich ein angenehme Routine eingestellt
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"Pelagic Australis" vor der antarktischen Küste: An bord hat sich ein angenehme Routine eingestellt

Es gibt viel Zeit für Unterhaltungen und auch keinen Mangel daran. Die Inhalte der Gespräche reichen von Politik zu Familienthemen - Kindern, Berufe, Gesundheit, Lebensstile. "Weißt du", sagt der Palästinenser Suleiman al-Khatib, "wir sind nicht so unterschiedlich voneinander. Wir haben alle die gleichen Probleme, und wir teilen die gleichen Sehnsüchte und Bedürfnisse. Deshalb denke ich, dass wir lernen können zusammenzuleben - Seite an Seite."

Olfat Haider heilt noch ihre schlimme Prellung aus, die sie sich bei einem Fall auf dem Boot beim Sturm zuzog. Nachdem die Prellung etwas abgeschwollen ist, konnte der Arzt Entwarnung geben: schmerzhaft, aber zumindest kein Bruch. " "Es tut noch immer weh", sagt Olfat, "aber ich glaube, dass ich es schaffe. Ich will es - und es ist wichtig, dass wir alle den Gipfel gemeinsam erreichen."

Aufbruch zum Übungstrek

Heute Morgen liegt Aufregung in der Luft. Auf Hovgaard Island wird die Crew ihren ersten Berg erklimmen. Die Trainingsaktion ist bitter nötig, um den geplanten Trek zu einem bisher nicht bestiegenen Gipfel auf dem Festland der antarktischen Halbinsel zu üben.

Zuerst muss die Ausrüstung vorbereitet werden: Plastikkletterschuhe, Schneeschuhe, Skistöcke, Eisäxte, Kletterschnüre, Karabinerhaken, Seile, Thermosflaschen und Rucksäcke. Dann muss die entsprechende Kleidung angezogen werden: Thermalunterwäsche, Fleece-Jacken, Mützen, Handschuhe, windfeste Hosen und Jacken, Sonnenbrillen.

Als Abschluss sind große Mengen Sonnencreme gefragt. Das gilt auch für die Teilnehmer mit dem dunkelsten Teint, wie die in Äthiopien geborene Yarden Fanta oder Nasser Quass, dessen Vater aus dem Tschad nach Jerusalem kam.

Es dauert eine Weile, bis alle mit allem fertig sind und überprüft haben, ob auch nichts vergessen wurde. Gute Vorbereitung ist unerlässlich für den Erfolg und die Sicherheit des Unternehmens und braucht seine Zeit.

Während am Himmel hier und da ein blauer Flecken auftaucht, wird die Ausrüstung in Schlauchboote gepackt, um an Land zu fahren. Es ist sonnig, als das Team die Ufersteine und den Schnee am Ufer erklimmt. Einige Teilnehmer entledigen sich schnell ihren äußeren Kleidungsschicht, die sie gerade angezogen haben.

Wasserpfeifenritual an Deck: Nahost in der Antarktis
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Wasserpfeifenritual an Deck: Nahost in der Antarktis

"Ich begreife das nicht", sagt Ziad, "Ich weiß nie, was ich anziehen soll. Ich fühl mich jetzt wie in einer Sauna." Bevor sie sich auf den Weg zum Gipfel machen, teilt sich das Team in drei Gruppen - jede mit einem erfahrenen Bergführer, angeseilt in einem Abstand von circa vier Metern zwischen ihnen. "Ich möchte, dass ihr alle die Seile fast straff zwischen euch haltet", gibt Expeditionsleiter Doron die Anweisungen. "Dies ist zu eurer eigenen Sicherheit. Der Schnee sieht harmlos aus, aber er versteckt Gletscherspalten, die mehrere Meter breit und zig Meter tief sein können. Wenn einer von uns in so eine Spalte fällt, hängt es von uns anderen ab, unseren Fall zu stoppen. Was ihr dann machen müsst, ist, euch mit euren Skistöcken und Eishacken fest im Schnee zu verankern. Danach erst überlegen wir, wie wir das Problem lösen können."Bei dieser Warnung geht ein respektvoller Angstschauer durch die Gruppe.

"Ich habe nie etwas Vergleichbares gesehen"

Während die Bergführer den heutigen Trek als Spaziergang titulieren, ist das Erreichen des Gipfels des 380 Meter hohen, kegelförmigen Berges für die anderen ein wichtiger Test. Es ist nicht nur eine Probe der physischen Fähigkeiten. Es geht auch ums Prinzip. Den Gipfel zu erreichen ist dazu da, eine Botschaft in die Welt zu senden - zu zeigen, das Israelis und Palästinenser ihre Ziele erreichen können, wenn sie nur zusammenarbeiten.

Die Gruppe bewegt sich langsam aber stetig voran, nur für eine kurze Pause und einen Schluck Tee, Kaffe oder Wasser hält sie an. Dann geht es weiter, die Steigung hinauf, Schneeschuhe und Skistöcke lassen die gefrorene Oberfläche knirschen. Als sie oben sind, raub ihnen die Weite der gefrorenen Welt den Atem -- einer Welt der Berge, des Meers und der Eisberge. "Ich komme einfach nicht darüber hinweg, wie wunderschön es hier ist", sagt Avihu. "Ich habe nie etwas Vergleichbares gesehen, und ich möchte jeden einzelnen Moment erinnern. Aber ich befürchte, dass es mir nie möglich sein wird, irgend jemandem verständlich zu machen, wie schön dies alles hier ist."

Circa zwei Stunden nach ihrem Aufbruch erreichen die Mitglieder der "Breaking the Ice"-Expedition ihren ersten Gipfel. Sie reißen die Arme vor Begeisterung hoch und wünschen sich in Hebräisch, Ägyptisch und Französisch: "Glückwunsch zum Gipfel!" Skip Novak belohnt die Bergsteiger mit Schokolade, während Nasser Quass sich hinkniet und im frischen Schnee zu Allah betet.

Aus Sicht der Bergführer war es nicht mehr als ein Hügel. Aber für diese Neulinge in der Welt des alpinen Sports ist es ein richtiger Berg. Hier zusammen zu stehen erfüllt sie mit Stolz - und es ist ein wichtiger Schritt, um den "richtigen" Berg zu besteigen. In wenigen Tagen ist es so weit.

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