Als die Teilnehmer der Friedensmission diesen Morgen erwachen, sind sie bereit, die mehrtägige Wanderung über das Eis in Angriff zu nehmen. Aber die Natur hat sich gegen sie verschworen: Die "Pelagic Australis" ist von Eisbergen und Meereseis eingeschlossen. Mehrere Stunden der Organisation und ein flinkes Betakeln von Seiten des Kapitäns Skip Novak sind nötig, bevor es endlich gelingt, Menschen und Ausrüstung ans Ufer zu transportieren. Auch dann vergehen noch einige Stunden, bis alles zum Aufbruch bereit ist.
Endlich sind sie fertig. Mit Schneeschuhen, Rucksäcken und hinter sich das schwere Gepäck auf Plastikschlitten bricht die Expedition auf. Leiter Doron Erel ordnet an, dass sich die acht Israelis und Palästinenser in zwei Vierergruppen mit Seilen aneinander binden. Wann immer sie sich in den nächsten Tagen in Bewegung befinden, werden sie in der Seilschaft sein - eine Sicherheitsmaßnahme gegen die zahlreichen tiefen Gletscherspalten, die von einer dicken Schneeschicht verdeckt sind. Falls ein Mitglied des Teams in ein Loch fallen sollte, müssen die anderen schnell reagieren und ihn wieder herausziehen. Ohne Seile - und Teamwork - würde sich die Gefahr vervielfachen.
In der Nacht vor dem Aufbruch stritt die Gruppe über den Namen, den sie dem bisher noch unbestiegenen und daher auch unbenannten Berg geben wollen - ein Name, der ihre Sehnsucht nach Frieden symbolisieren soll. Wie üblich verstrickten Avihu und Nasser sich in ihrer Argumentation und waren bei jeder Nuance eines neuen Vorschlags von dem jeweils anderen unterschiedlicher Meinung. Schließlich lag es an Heskel und Ziad, für Ruhe zu sorgen. Und auch wenn sich die Gemüter dann abkühlten, blieb die Diskussion jedoch vorerst ohne Ergebnis.
Das Besondere an dieser Friedensexpedition ist, dass eben Nasser und Avihu, die am Abend noch so zerstritten waren, am nächsten Morgen aneinander gebunden in derselben Seilschaft die ersten Schritte machen, aufeinander angewiesen und sich gegenseitig helfend. Immer wieder zeigen die Teilnehmer der Expedition, dass sie in der Lage sind, gut zusammenzuarbeiten auf einer persönlichen Ebene, unabhängig von ihren politischen Differenzen.
Ihr Glück an diesem Tag ist, dass das außergewöhnlich schöne antarktische Sommerwetter weiterhin anhält. Deshalb tragen die meisten nur ihre Thermounterwäsche - und sparen sich Lagen wärmerer Kleidung für kältere Tage. Alle werden noch mal daran erinnert, sich gut mit Sonnencreme einzureiben, da die Strahlung nicht zu unterschätzen ist.
In dieser Zeit des Jahres wird es hier im Süden nie richtig dunkel. Die Sonne verbirgt sich gerade so hinter dem Horizont, und der Himmel bleibt die Nacht hindurch erleuchtet. Und so können die Teilnehmer, während sie ihr nächstes Camp errichten, die Zelte aufbauen und die Schlafsäcke entrollen, einen phantastischen Blick genießen: links das Meer mit vereinzelten Eisschollen, eingerahmt von den schneebedeckten Bergen im Hintergrund; rechts und viel näher als in den vorherigen Tagen, der Berg - auf den bisher noch kein Mensch einen Fuß gesetzt hat. Ihr Berg.
Die dunkelbraunen Hänge des Berges werden von leuchtend weißem Schnee abgegrenzt - bis hin zum Gipfel. Ihrem Gipfel. Wenn das Wetter so bleibt, werden sie ihn in zwei bis drei Tagen erreichen.
Als sich das Team im Camp niederlässt, beginnen die Kocher zu zischen und bringen zunächst Tee, dann Suppe, dann Nudeln hervor. Ein willkommenes warmes Essen inmitten einer gefrorenen Landschaft.
Colin bringt jedem ein paar Tai-Chi-Übungen bei. Jeder bekommt noch eine weitere Tasse Tee. Dann ziehen sich die beiden Frauen für die Nacht auf dem Eis zurück in ihr gemeinsames Zelt - die arabische Israelin Olfat und die äthiopische Jüdin Yarden.
Bald sind auch die anderen müde genug, ihre Zelte aufzusuchen. Der letzte Kocher wird ausgemacht, und nachdem der letzte Zeltreißverschluss hochgezogen ist, wird es still: Eine der letzten Nächte vor dem Ziel hat begonnen.
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