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16.01.2004
 

Breaking the Ice

Eine Botschaft nach Hause

Es ist geschafft: Die israelisch-palästinensische Friedensmission hat "ihren Berg" erreicht und ihm einen Namen gegeben. Tränen fließen und eine Champagnerflasche wird geköpft.

Donnerstag, 15. Januar

15 Tage nachdem die Yacht "Pelagic Australis" in Puerto Williams in See stach und nach einem Tag Verspätung durch dasa schlechte Wetter haben die Mitglieder der israelisch-palästinensischen Antarktisexpedition "Breaking the Ice" heute ihr Ziel erreicht: den Gipfel des bisher unbestiegenen Berges nahe Prospect Point auf der antarktischen Halbinsel, und sie widmen ihren Erfolg dem Frieden.

"Berg der israelisch-palästinensischen Freundschaft"
Zur Großansicht
www.breaking-the-ice.de

"Berg der israelisch-palästinensischen Freundschaft"

Starke Winde und Schnee begrüßen die Teammitglieder am Donnerstag, als sie am Morgen des anvisierten Gipfeltages aufwachen. Der israelische Expeditionsleiter Doron Erel und der Bergführer aus Chamonix, Denis Ducroz, diskutieren, ob es sinnvoll ist, die geplante Route zum Gipfel zu nehmen, die die im Eis unerfahrenen Israelis und Palästinenser über gähnende Gletscherspalten führen würde. Nach einer Stunde geben sie dennoch grünes Licht. Das Team wird sich zum Gipfel aufmachen.

Mit Harscheisen und Eispickel ausgerüstet, steigen die Teammitglieder langsam über den Gletscher, der zur felsigen Teil des Berges führt. In zwei Seilschaften à vier Personen sind sie nicht nur symbolisch aneinander gebunden: Diese Israelis und Palästinenser übernehmen Verantwortung für das Leben der anderen in der Kette.

Die Wolken erschweren es, den Gipfel zu finden. Doch schließlich, um 16 Uhr, nach viereinhalb Stunden Kletterei, am vierten Tag des Aufstiegs und mehr als 13.000 Kilometer entfernt von ihrem Zuhause in Nahost stehen sie auf einem Fleck circa 1000 Meter über dem Meeresspiegel, wo noch nie zuvor ein Mensch gewesen ist.

Auf dem Gipfel verliest der Organisator der Expedition, Heskel Nathaniel, eine von der gesamten Expedition verfasste Erklärung. Sie drückt den Glauben der acht aus, dass Israelis und Palästinenser ihre großen Differenzen ohne Gewalt lösen können. Heskel verkündet dann die Entscheidung des Teams, die nach Tagen der heißesten Diskussionen gefallen ist: den Berg auf "Berg der israelisch-palästinensischen Freundschaft" zu taufen.

Der Name scheint wenig spektakulär, aber er spiegelt die gemeinsame Erfahrung der Teammitglieder wider. Die Israelis und Palästinenser waren vor diesen 15 Tagen einander noch total fremd und haben gelernt, zusammen zu leben, zu arbeiten und sogar zu lachen. Sie haben beschlossen, die vergebliche Suche nach einer Einigung zum Frieden auf politischer Ebene zu Gunsten einer Annäherung auf persönlicher Ebene aufzugeben.

Die Feier auf dem Gipfel ist unförmlich und etwas unterschiedlich: Die drei palästinensischen Männer knien nieder zum muslimischen Gebet. Die Israelis köpfen eine Flasche Champagner für alle. Der Palästinenser Ziad Darwish ist zu Tränen gerührt: "Dieser Moment ist so wunderschön: zu sehen, dass Israelis und Palästinenser dieses gemeinsam geschafft haben. Und zu Hause tun wir uns gegenseitig all diese schrecklichen Dinge an."

Der israelische Bergführer Doron Erel ist erleichtert: "Die Israelis und Palästinenser haben etwas Einzigartiges zusammen gemacht, etwas, was eine derartige Zusammenarbeit und ein derartiges Engagement benötigt, das du - wenn überhaupt - selten bei uns findest. Ich kann nicht sagen, wie froh ich bin, wie gut wir miteinander ausgekommen sind und wie gut jeder Einzelne sich verhielt. Keiner glaubt, dass wir durch Bergsteigen Frieden bringen. Doch jeder sollte wissen, was Israelis und Palästinenser schaffen, wenn sie es nur wollen. Ich hoffe, dass das die Leute zu Hause denken, wenn sie hören, was wir geschafft haben."

Und dieses Signal will die Friedensmission ins Eis an ihre Völker zu Hause schicken: Wie das Bergsteigen benötigt auch Frieden ein großes Engagement. Diese Israelis und Palästinenser haben sich aufgemacht in die Antarktis, um diese Botschaft nach Hause zu schicken.

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