Xidi/Hongcun - Sie ist die Wiege der chinesischen Porzellanmalerei: Chinas Ostprovinz Anhui. Die Künstler ließen sich bei der Malerei nicht nur von dem legendären Huangshan-Gebirge inspirieren, das neben der chinesischen Mauer und dem Gelben Fluss zu den zehn wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Landes zählt, sondern auch von den Jahrhunderte alten Anhui-Dörfern. In der Tat versetzen Orte wie Xidi oder Hongcun, von den Chinesen liebevoll als Land der Pfirsichblüte bezeichnet, den Reisenden in eine andere Zeit.
Im Jahr 2000 wurden die Dörfer in das Unesco-Weltkulturerbe aufgenommen. Sie gelten als einzigartiges Beispiel für die Zivilarchitektur vor 500 Jahren und verdanken ihren Wert dem glücklichen Umstand, die chinesische Kulturrevolution unbeschadet überstanden zu haben. So wie die Verbotene Stadt in Peking mit ihren prächtigen Palästen das Leben der Kaiser der Ming- und Qing-Dynastien (1368 bis 1644 und 1644 bis 1911) widerspiegelt, stehen Xidi und Hongcun für den Alltag der einfachen Leute in dieser Zeit. "Wir haben eine Art lebendes Schaufenster der Geschichte vor uns, chinesische Modelldörfer aus der Vergangenheit", sagt der Tourismusexperte Wan Zi Jing von der Fachzeitschrift "China Tourism Weekly".
Hongcun - das Dorf auf den Porzellantellern
Schon von weitem beeindruckt das an der Südwestseite des Huangshan-Gebirge gelegene Hongcun - ein malerisches Dorf mit weißen Häusern, deren geschwungene Dächer und mit Steinmetzarbeiten verzierte Fassaden hervorstechen. Hongcun, das "Dorf, das auf der chinesischen Porzellanmalerei abgebildet ist", gilt mit seiner bizarren Straßenführung und seinem ausgeklügelten Bewässerungssystem als einzigartiges kunsthistorisches Erbe Südostchinas.
Das Dorf ist nur über eine schmale Brücke, die über einen Seerosenteich führt, zugänglich. Das schönste Haus in Hongcun, die Behesta-Inheriting Hall mit ihren üppig verzierten Räumen, wurde von einem reichen Salzhändler gegen Ende der Qing-Dynastie erbaut. Mit wertvollen Holzschnitzereien an den Türen und in den Innenhöfen gilt es als das am besten erhaltene Herrenhaus in der gesamten Region.
In der Dorfmitte bietet sich ein eigenartiges Bild: Um den kleinen See herum sitzen Dutzende junger Chinesen und malen das Dorfidyll. Die Malerei ist offenbar ein lohnendes Geschäft, seitdem immer mehr Touristen in die Anhui-Region kommen.
Nicht weniger spektakulär als Hongcun ist Xidi, an dessen Dorfeingang das imposante, etwa zehn Meter hohe Hu Wenguang-Tor steht. In der Ortsmitte herrscht auch zu später Stunde noch geschäftiges Treiben. Bauern verkaufen frisch geschnittene Zuckerrohrstangen, wild gestikulierende Händler bieten in Jutesäcken unzählige Arten von Grüntee, Kräutern und Gewürzen feil.
Imposant und prächtig
Trotz der schönen Orte beeindruckt in der ostchinesischen Region vor allem das sagenumwobene Huangshan-Gebirge, was übersetzt "gelbe Berge" bedeutet. Es sind die höchsten Berge Ostchinas. "Wer Huangshan gesehen hat, braucht keine anderen Berge mehr", urteilte der chinesische Geograf Xu Xiake vor 500 Jahren. Zwar sind die höchsten der 77 Gipfel des Huangshan-Gebirges nicht einmal 1800 Meter hoch, doch die Gebirgsketten, die oftmals im Wolkenmeer versinken, wirken imposant und prächtig. Kuriose Felsformationen, aus denen knorrige Kiefern treiben, ziehen den Betrachter in ihren Bann.
Auf dem 154 Quadratkilometer großen Areal, das sich dem Wanderer durch liebevoll angelegte Fußwege erschließt, gedeiht auch eine Vielzahl seltener Pflanzen. Und ganz unten im Tal brodeln heiße Quellen, in denen gebadet werden kann. Das Huangshan-Gebirge ist aufgrund seiner mystischen Anziehungskraft zum Ziel für frisch Verheiratete geworden. In Scharen pilgern sie hierher und hängen dicke Schlösser auf, um ihrer Ehe symbolisch Dauer zu verleihen.
Der Höhepunkt des Huangshan-Gebirges ist der 1716 Meter hohe Jadewandgipfel, eingebettet zwischen den so genannten Himmelsstadt- und den Lotusblütengipfel. Seine Abgründe dienten als Kulisse für den Actionfilm "Tiger & Dragon", der aufgrund seiner waghalsigen akrobatischen Darbietungen den Golden Globe gewann.
Von Ute Müller, gms
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