Von Marion Frahm und Michael Lindner (Fotos)
Neue Sichtweisen
Größere Anstrengungen und knifflige Manöver sind David nicht anzumerken. Geschickt wendet er das Gefährt, damit auch die Teilnehmer auf den hinteren Plätzen freien Blick haben. "Ballon fahren ist wie Fahrrad fahren, wenn du es einmal kannst, verlernst du es nicht." Die Alpen und das Himalaja-Gebirge könnten den Junggesellen fliegerisch reizen, aber die nächsten zwei bis vier Jahre will er noch in Kenia bleiben.
Vor uns liegt nun die unermessliche Weite der Graslandschaft. Rund 1,4 Millionen Weißbartgnus, 500.000 Zebras und 200.000 Thompsongazellen sowie Elenantilopen, schätzt Jonny Baxendales von der Mara Conservancy, erreichten in diesem Jahr auf ihrer Wanderung von der Serengeti das Masai-Mara-Tierreservat.
Wie unzählige braune Flecken sind sie von dem Ballon aus in der Ferne zu sehen. Immer wieder sammeln sich große Herden, um gemeinsam den Mara-Fluss, die größte Barriere auf ihrer Wanderung nach frischem Grün, zu überwinden. Mehr und mehr Tiere finden sich zusammen, und keines möchte das Erste bei der manchmal tödlichen Flussüberquerung sein. Doch irgendwann fasst sich eines ein Herz, dann preschen die ersten, bald die nächsten Tiere vor.
Mit großem Anlauf stürzen sie sich in den Fluss, wobei die Zebras meist die Anführer sind. In ihrer Hast kommen nicht alle mit dem Leben davon. Knochenbrüche und Ertrinken sind an der Tagesordnung, auch hungrige Krokodile warten schon. Die Migration der Tiere ist ein ergreifendes Schauspiel.
David Acton zeigt uns Termitenhügel, die in Afrika einfach gigantisch sind. Kaum hat David sie erwähnt, scheinen sie aus der Graslandschaft förmlich emporzuwachsen. "Forscher haben herausgefunden, dass sich unter der Masai Mara so viele Termiten befinden, dass sie zusammen mehr wiegen als alle Tiere zusammen, die auf diesem Gebiet leben." Eine unglaubliche Vorstellung.
Von oben sind nun auch die Autos der Helfer zu sehen. Es kann nicht mehr lange bis zur Landung dauern. David gibt Anweisungen, wo sie den Tisch für das Champagnerfrühstück aufbauen sollen.
Pilotin Aly im zweiten Ballon ist derweil etwas vom Weg abgekommen. Ballonfahrer haben keinen Einfluss, wohin sie der Wind trägt. Und auch nicht so richtig auf die Landung, für die David nun Instruktionen gibt: "Dreimal wird der Korb aufsetzen, bitte gut festhalten, dann kommt die Entscheidung: Steht er oder kippt er. Also erst auf mein Okay aussteigen." Eins, zwei, drei ... der Korb steht, das erste Mal in den letzten acht Wochen.
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