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30.12.2004
 

Hawaii-Kreuzfahrt

Aloha steht für Liebe und Kokosnuss-Bikinis

Während Honolulu auf Oahu noch mit Hoteltürmen und Shoppingmalls schockt, bietet Kauai ein urwüchsiges Zauberreich aus Schluchten, Kliffen und tropischem Regenwald und Big Island unvergessliche Wanderung über kaum erkaltete Lava. Eine Hawaii-Kreuzfahrt mit der "Pride of Aloha".

Honolulu - Die hawaiische Sprache besteht aus fünf Vokalen und sieben Konsonanten. Um das Wörtchen "Aloha" zu formen, ist das mehr als ausreichend. Schon auf dem Flughafen von Honolulu leuchtet Ankommenden in Neonlettern die frohe Botschaft entgegen, die viel mehr sein will als Begrüßung oder Verabschiedung. "Aloha" steht für Liebe und Gesundheit und irgendwie auch für alles andere, was das Image des Traumreiseziels bestimmt: bunte Hemden, Blütenkränze, Baströckchen und Kokosnuss-Bikinis.

Begrüßung auf Hawaiisch: Aloha steht für Liebe, aber auch für bunte Hemden und Blütenkränze im Haar
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Begrüßung auf Hawaiisch: Aloha steht für Liebe, aber auch für bunte Hemden und Blütenkränze im Haar

Hawaii ist der "Aloha State", wie es auf den Autokennzeichen heißt, aber zugleich der 50. Bundesstaat der USA. Das hat Auswirkungen: Wer die abgeschiedene Inselgruppe im Pazifik besucht, bleibt stets mit einem Bein auf dem Boden des "american way of life". Das gilt verstärkt, wenn ein Kreuzfahrtschiff als Stützpunkt dient.

"Aloha. How are you today?" Auf der "Pride of Aloha" wird diese Frage lieber einmal zu viel als einmal zu wenig gestellt, schon aus Verpflichtung dem Schiffsnamen gegenüber. Als Antwort genügt ein "fine" oder "mahalo", wie die hawaiische Entsprechung lautet. Gelogen ist das in den seltensten Fällen, denn die Reederei Norwegian Cruise Line (NCL) tut alles, um keine Mangelgefühle aufkommen zu lassen.

Rund 700 Gramm Fleisch pro Tag

Berge von Schinken oder Pfannkuchen stapeln sich auf den Tellern, die in stetem Pendelverkehr zwischen dem Frühstücksbüfett und den Tischen zirkulieren. Die meisten der knapp 2000 Passagiere kommen aus dem Mittleren Westen der USA, wo man die Erde und ihre Früchte noch ehrt und Diätplänen eine herzhafte Absage erteilt. 3500 Kilogramm Rindfleisch, 3200 Kilogramm Schweinefleisch und 3000 Kilogramm Hühnerfleisch werden auf der siebentägigen Kreuzfahrt verzehrt - macht rund 700 Gramm Fleisch pro Kopf und Tag.

"Pride of Aloha":  Das Kreuzfahrtschiff der Norwegian Cruise Line fährt unter amerikanischer Flagge
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"Pride of Aloha": Das Kreuzfahrtschiff der Norwegian Cruise Line fährt unter amerikanischer Flagge

Um Lücken in der Versorgungskette auszuschließen, lässt die Reederei die Bordverpflegung im wöchentlichen Turnus vom Hauptsitz in Florida einfliegen. Genauso wenig wie das Essen hawaiianisch ist die Norwegian Cruise Line norwegisch. Sie gehört seit dem Jahr 2000 zu Star Cruises, dem weltweit drittgrößten Kreuzfahrtunternehmen, das seine Zentrale wiederum in Malaysia hat. Die "Pride of Aloha" wurde 1999 in Bremerhaven als "Norwegian Sky" gebaut und 2004 für den Einsatz im Pazifik umgestaltet. Als erstes Kreuzfahrtschiff seit langem fährt sie unter amerikanischer Flagge.

Eine Kreuzfahrt auf dem NCL-Schiff ist eine bequeme und nicht einmal eine besonders elitäre Art, die Inselwelt Hawaiis zu erkunden. Wenn es eine Außenkabine sein soll, sind pro Person rund 1250 Euro für sieben Übernachtungen auf dem schwimmenden Hotel zu entrichten.

Der Preis umfasst neben Vollpension und abendlichem Showprogramm auch den Transfer zwischen den vier wichtigsten Inseln des Archipels: Oahu, Kauai, Big Island und Maui. Dafür müssten mangels Fährverkehr sonst kostspielige Flüge gebucht werden, weshalb viele Landurlauber auf einer Insel bleiben - oder sich gar auf Honolulu beschränken. Doch wer das tut, hat zwar eine amerikanische Großstadt gesehen, aber kaum das ersehnte Traumreiseziel.

Waikiki Beach, der neben der Copacabana berühmteste Strand der Welt

Honolulu auf Oahu, Ausgangspunkt der Kreuzfahrt, bildet mit seinen fast 900.000 Einwohnern im erweiterten Stadtgebiet die größte Siedlung der Südsee. Solche Menschenmassen, zu denen im Jahreslauf noch einige Millionen Touristen stoßen, lassen sich nicht in paradiesischer Architektur unterbringen.

Waikiki Beach: Türkisblaues Wasser, wagemutige Surfer
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Waikiki Beach: Türkisblaues Wasser, wagemutige Surfer

Gesichtslose Wohnblocks gehen im Badevorort Waikiki in das wenig reizvolle Ensemble von Hoteltürmen und Shoppingmalls über. Heerscharen von Japanern hasten über die Hauptstraßen Kalakaua und Kuhio Avenue, um in den Niederlassungen der internationalen Nobelmarken zollfreie Schnäppchen zu ergattern.

In Waikiki ist Hawaii das, was diplomatische Reiseführer gern als "quirlig" bezeichnen. Aber für die Ansammlung von Menschen und Beton gerade in dieser Gegend gibt es einen Grund: Waikiki Beach, den neben der Copacabana berühmtesten Strand der Welt. Wer sich von der Häuserfront abwendet und den Blick über das türkisblaue Wasser und das lässige Treiben der Surfer schweifen lässt, weiß wieder, warum er nach Hawaii gekommen ist - und schöpft Hoffnung, dass die Häuser im Verlauf der Kreuzfahrt weniger werden, der Strand aber bleibt.

Und genauso ist es: Auf Kauai etwa regelt eine Bauvorschrift, dass kein Haus die Höhe einer Kokospalme übersteigen darf. Aber Häuser sieht man an den 43 Sandstränden der Insel ohnehin kaum, oft nicht einmal Menschen. Einige der Badeplätze sind so abgelegen, dass sie nur mit Fahrzeugen mit Vierradantrieb zu erreichen sind.

Strände sind die Regel

So wie es in Skigebieten blaue, rote und schwarze Pisten gibt, weisen im Surfer-Paradies Hawaii die Strände unterschiedliche Schwierigkeitsgrade auf. Als anspruchsvollstes Revier gilt die Nordküste von Oahu, wo sich die Brecher bis zu 15 Meter hoch aufbäumen - ein Fall für Süchtige, die ihre Leidenschaft über das eigene Leben stellen. Aber Surfen ist in Hawaii kein unsolider Freizeitsport, sondern eine durchaus respektable Art, sein Dasein zuzubringen. Schließlich galt es in früheren Zeiten als Privileg der Könige. Dem Begründer des modernen Surfsports, einem blaublütigen Hawaiianer, hat man am Waikiki Beach ein Denkmal gesetzt.

Surfen ist typisch für Hawaii: Als anspruchsvollstes Revier gilt die Nordküste von Oahu
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Surfen ist typisch für Hawaii: Als anspruchsvollstes Revier gilt die Nordküste von Oahu

Strände sind auf Hawaii die Regel. Was dazwischen liegt, unterscheidet sich erheblich. Zwar verdankt das gesamte Archipel seine Existenz der Tätigkeit unterseeischer Vulkane. Zwischen der Landwerdung liegen aber einige Millionen Jahre. Auf Kauai, der westlichsten und ältesten der Inseln, hatte die Natur genügend Zeit, ein urwüchsiges Zauberreich aus Schluchten, Kliffen und tropischem Regenwald zu formen, was im Begriff "Garteninsel" nur unzureichend zum Ausdruck kommt. Nicht von ungefähr diente die Insel als Kulisse für Filme wie "King Kong" oder "Jurassic Park".

Verglichen mit dem scharf konturierten Kauai wirkt Big Island, die östlichste, jüngste und größte der Inseln, weich und formlos. Die Landmasse scheint eben erst den beiden mächtigen Vulkanen Mauna Kea und Mauna Loa entströmt, und tatsächlich befördert ein Ableger munter weitere Lava aus dem Erdinneren. Wanderungen auf dem kaum erkalteten Gestein, dessen Gestalt zwischen Schokoladenguss und Holzschnitzwerk changiert, werden zu unvergesslichen Erlebnissen - schon weil von Stürzen leicht glasige Splitter in den Handflächen zurückbleiben. Mauna Kea erhebt den Anspruch, mit mehr als 9000 Metern der höchste Berg der Welt zu sein - freilich nur bei Messung vom Meeresgrund.

Maui, das kultivierte Paradies

Die Insel, die mitteleuropäischen Vorstellungen vom kultivierten Paradies am nächsten kommt, ist Maui. In den bunten Geschäften und Galerien des Fischerstädtchens Lahaina lässt sich der Konsumkoller kurieren, der in den Shoppingmalls von Honolulu ausgebrochen sein mag. An der Südwestküste reiht sich ein Luxusresort an das andere, von Sandstränden auf der einen und Golfplätzen auf der anderen Seite begrenzt. Passagiere der "Pride of Aloha" können sich diese Adressen für einen späteren Urlaub vormerken, müssen dann allerdings damit rechnen, für einen einwöchigen Aufenthalt das Doppelte zu bezahlen - und das ohne die Vollversorgung der Schiffsküche.

Hawaii: Der 50. Bundesstaat der USA liegt weit entfernt von der amerikanischen Westküste
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Hawaii: Der 50. Bundesstaat der USA liegt weit entfernt von der amerikanischen Westküste

Wer nach einem der aufpreispflichtigen Landausflüge auf die "Pride of Aloha" zurückkehren will, wird daran erinnert, dass die Welt von paradiesischen Zuständen derzeit weit entfernt ist. Ein dreistufiges Sicherheitssystem samt Leibesvisitation und Durchsuchung des Handgepäcks soll dafür bürgen, dass keine gefährlicheren Gegenstände als Blumenkränze und Muschelketten an Bord gelangen. Hawaii ist eben der 50. Bundesstaat der USA - Aloha hin oder her.

Von Tobias Wiethoff, gms

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