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13.06.2005
 

San Juan Islands

Wal, da springt er!

Suchen, Warten, Hoffen - und doch wieder nur eine Welle. Orcas, auch als Killerwale bekannt, zieren sich mitunter ein bisschen. Doch wenn sie sich dann blicken lassen, vergisst mancher vor Staunen das Knipsen. Aus nächster Nähe können Walfreunde die majestätischen Ozeanriesen bei Bootssafaris beobachten.

Springender Orca: Die Tiere werden bis zu acht Meter lang
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AP

Springender Orca: Die Tiere werden bis zu acht Meter lang

Mit gezückter Kamera stehen die Passagiere auf dem Boot und starren gebannt aufs Wasser. Die Akteure lassen auf sich warten. Plötzlich ein "Ah" und "Oh" wie im Chor. Die Auslöser klicken. Für Sekunden war eine Schwanzflosse zu sehen. Dann enttäuschte Blicke auf die Digitalkameras. "Beim nächsten Mal werden die Ozeanriesen springen", tröstet Kevin.

Tatsächlich hebt sich bald ein ganzer Rumpf aus dem azurblauen Wasser, bevor ihn das Meer wieder total verschlingt. Noch zwei, drei Tiere nebeneinander - eine Familie. Um die 100 Orcas halten sich zwischen April und September an den San Juan Islands auf. Jährlich begeistern sie tausende Besucher des US-Bundesstaates Washington State.

Kevin organisiert Walsafaris. Er weiß viel über die Giganten der Meere. So ist auf der vierstündigen Bootstour, die auch einen Blick auf Vancouver Islands mit Sidney und Victoria ermöglicht, viel über die Orcas zu erfahren. "Sie können über acht Meter lang werden", erklärt er. "Obwohl sie Killerwale genannt werden, gehören sie eigentlich zur Familie der Delfine." Trotz ihrer eindrucksvollen Größe und ihres abschreckenden Namens sind es äußerst friedfertige Zeitgenossen. Angeblich haben sie die Intelligenz eines fünfjährigen Kindes. Sie sind hauptsächlich hier im Nordpazifik zwischen der Oregon-Küste und Alaska anzutreffen.

"In den sechziger Jahren wurden die Wale gejagt und gefangen. Seit 1970 ist es verboten", sagt Kevin. Jetzt werden sie nur noch zur Beobachtung gejagt, von Forschern und Touristen gleichermaßen. Wenn sie von mehreren Booten umkreist werden, fühlen sich die Wale leicht gestresst. Es besteht Verletzungsgefahr. Damit der Stressfaktor für die Tiere im Rahmen bleibt, gibt es Leute wie Kevin.

Riffe, Wiesen und Wildblumen

Seit Jahren schon veranstaltet er diese "Jagden" für Touristen. Notfalls lockt er die Orcas mit einem typischen Walgesang an. Doch er hält sich strikt an die internationalen Richtlinien. Auch private Boote müssen sich den Verhaltensmaßregeln unterordnen, damit die Tiere nicht total irritiert oder verstört werden und ihnen immer ein Ausweg offen bleibt. Auf der Suche nach den Schwanzflossen vergeht die Zeit wie im Flug. Schon ist es nicht mehr weit bis zur kanadischen Grenze.

Touristen auf Foto-Safari: Verletzungsgefahr für gestresste Wale
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DDP

Touristen auf Foto-Safari: Verletzungsgefahr für gestresste Wale

Die faszinierende Inselwelt der San Juans erstreckt sich zwischen der Strait of Georgia im Norden und der Strait of Juan de Fuca im Süden. 172 namentlich benannte Inseln und mehrere hundert unbenannte bilden hier nördlich von Seattle einen Archipel. San Juan ist die vielfältigste der drei Hauptinseln. Im historischen Roche Harbor im Nordwesten der Insel erinnert das idyllische Hotel Haro von 1886, in dem auch US-Präsident Roosevelt zweimal wohnte, an die Blütezeit des Kalksteinabbaus. Meist ist jedoch die Stadt Friday Harbour im Osten der erste Anlaufpunkt für die Besucher. Hier legen die Fähren an und landen die Wasserflugzeuge.

Der rund 45-minütige Flug mit einem Wasserflugzeug von Seattle aus ist ein Erlebnis für sich. Die Vogelperspektive zeigt einen Flickenteppich aus Inseln, Felsen und Riffen mit paradiesischen Landschaften voller Wildblumen und Wiesen. Es wechseln sich Sandstrände und Steinküsten, Steppen und Weideland, Seen und Wälder ab. Neben Restaurants mit Meeresblick und Kunstgalerien gibt es auf der Insel San Juan natürlich auch ein Walmuseum. Mit etwas Glück lassen sich die Orcas sogar von Land aus beobachten, vornehmlich von der Westküste der Insel, wenn sie den riesigen Heringsschwärmen folgen.

Ein sehenswertes Spektakel mit Heringe und fliegenden Fischen gibt es übrigens auch an Land mitten in Seattle, der größten Stadt von Washington State. Um ihre Ware anzupreisen, schleudern auf dem alten Fischmarkt artistisch ambitionierte Fischhändler, von Schaulustigen umringt, riesige Fische in die Luft. Und ab und an landet auch mal einer in der kreischenden Menge.

Cornelia Höhling, ddp

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