Seattle - "Bitte, Mr. President, wir Kinder brauchen Ihre Hilfe. Schenken Sie uns unseren Olympic National Park", stand auf einem großen Plakat, mit dem 3000 Schulkinder den US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt begrüßten, als er 1937 die Olympic-Halbinsel im Nordwesten des Landes besuchte. Ein Jahr später war das Tauziehen zwischen Naturschützern und Holzindustrie entschieden. Seither steht das grüne Herz der Halbinsel unter Naturschutz, und die weitgehend unberührte Natur fasziniert die Besucher des Olympic National Parks.
Im Bundesstaat Washington gelegen und nur 60 Kilometer von Seattle entfernt, bietet der Park mit seinem Regenwald, den zerklüfteten Ozeanküsten und einem Hochgebirge mit 60 Gletschern gleich drei Ökosysteme. Er breitet sich auf einer Halbinsel aus, die von drei Seiten vom Wasser umgeben ist: im Norden von der Juan-de-Fuca-Straße, im Osten vom Meeresarm Puget Sound mit unzähligen kleinen Inseln und im Westen vom Pazifik. Das fast 2500 Meter hohe Olympic-Gebirgsmassiv zwingt die vom Meer heranziehenden schweren Regenwolken, sich an seinen Hängen zu erleichtern. Rund 5000 Milliliter Niederschlag fallen im Jahr - mehr als sechsmal so viel wie in Hamburg.
Von Epiphyten bedeckte Baumgiganten
Diese Feuchtigkeit hat eine grüne Zauberwelt hervorgebracht. Bis zu 90 Meter hoch ragen Douglasien, Sitka-Fichten, Hemlock und Zedern in den Himmel. Sie sind von Moosen und Epiphyten überwuchert, am Boden bilden Farne und Sträucher eine dichte Vegetation. In größeren Höhen fällt der Niederschlag als Schnee und speist mit bis zu zwölf Meter Schnee pro Jahr die Gletscher rund um den Mount Olympus.
"Einige Tage Zeit müssen Sie sich für den Besuch des Nationalparks schon nehmen", empfiehlt Lori Lynn Gray vom örtlichen Tourismusbüro. "Die Schönheiten der Landschaft erschließen sich nur auf den etwa 1000 Kilometer langen Wanderwegen." Vom Highway 101, der den Park fast umrundet, gehen Stichstraßen ab in die Wälder und zu den Küsten.
Wer von Süden kommt, erreicht mit dem Quinault Lake einen ersten Höhepunkt. Umgeben von Wäldern, ist der See ideal für Wassersportler. Weiter westlich tauchen bei Kalaloch die ersten Küstenabschnitte auf. Zum Baden ist das Wasser zu kalt und die Strömung zu gefährlich. Sich hoch auftürmendes Treibholz zeugt von der Kraft des Meeres. Schön zum Wandern ist der Ruby Beach, benannt nach dem granatfarbenen Sand.
Eine der wichtigsten Attraktionen des Parks ist der Hoh-Regenwald. Vom Hoh Rain Forest Visitor Center, das über die Fauna und Flora der Region informiert, führen drei leichte Rundwege in den üppig grünen Dschungel. Das Center ist auch Ausgangspunkt für ambitionierte Wanderer, die bis zum ewigen Eis der Gletscher aufsteigen können. Auch durch Trekking mit Lamas und Floßfahrten auf dem Hoh River lassen sich die Schönheiten der Natur an diesem Ort erkunden.
Alter Leuchtturm am Cape Flattery
"Touristen sollten auf jeden Fall auch einen Tag für einen Ausflug zum Cape Flattery einplanen", rät Lori. Der Highway 112 schlängelt sich an der Küste der Juan-de-Fuca-Straße entlang bis zum ganz im Nordwesten gelegenen Makah-Indianerreservat. Ein Pfad führt in einer halben Stunde bis zum Kap mit dem Tatoosh Island Leuchtturm. Der 1857 erbaute Turm ist einer der ältesten noch in Betrieb befindlichen Leuchttürme an der US-Westküste.
Zurück auf dem Weg nach Osten wird mit dem Lake Crescent ein weiterer Gletschersee erreicht, der zum Schwimmen, aber auch zum Bootfahren und Angeln einlädt. Am Ufer des 19 Kilometer langen und bis zu 200 Meter tiefen Sees gibt es mehrere Unterkünfte in verschiedenen Preisklassen, so dass sich die Region gut als Standquartier für Ausflüge eignet.
Die Hurricane Ridge Road zum Beispiel führt hinauf in die Berge. Belohnt werden die Wanderer dort mit Aussichten auf die Gletscher und schneebedeckten Gipfel der Olympic Mountains und einem Panoramablick auf die Meeresstraße von Juan de Fuca. Wer sich lieber in einem Thermalbad entspannen möchte, entscheidet sich für die Sol Duc Hot Springs. Vom Westufer des Sees führt ein Weg zum "Land des sprudelnden Wassers", wie die Quileute-Indianer die Quellen nannten.
Von Detlef Berg, gms
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