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16.07.2005
 

Georgia

Südstaatenromantik und Sommerliebe

Kaum ein anderer Schmöker prägte das Südstaatenbild so wie "Vom Winde verweht" von Mitchell. In den gut erhaltenen Herrenhäusern und weiten Plantagen von Georgia könnten Scarlett und Rhett heute noch zu Hause sein, hier lebt es sich gemütlich und langsam.

Atlanta - Wer eine Reise nach Georgia plant, bekommt von allen Seiten garantiert eins zu hören: "Georgia on my mind". Auch durchs Flugzeug säuselt das Lied, sobald die Räder das Rollfeld des Flughafens von Georgias Hauptstadt Atlanta berühren. Stuart Gorell und Hoagy Carmichael haben sich die Ballade 1930 ausgedacht; seit 1979 ist sie die offizielle Hymne des Staates Georgia. Unzählige Musiker haben es in ihr Repertoire aufgenommen, darunter Louis Armstrong, Ray Charles und James Brown. Das Lied vereint Südstaatenromantik, Fernweh und Sommerliebe, und nicht nur deswegen wirbt auch das Fremdenverkehrsamt von Georgia mit dieser Zeile.

Skyline von Atlanta:  Die Olympischen Sommerspiele 1996 machten Georgias Hauptstadt berühmt
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Die Ankunft in Atlanta steht in merkwürdigem Gegensatz zum elegischen Grundton des Georgia-Songs. Der Hartsfield International Airport von Atlanta ist mit 80 Millionen Passagieren im Jahr der verkehrsreichste Flughafen der Welt. Mit ihren 430.000 Einwohnern, das Einzugsgebiet umfasst drei Millionen Menschen, ist Atlanta, wo zu jeder Stunde der Verkehr rauscht, eine typisch amerikanische Großstadt: Hochhäuser reihen sich zu einer bemerkenswerten Skyline zusammen, und im Zentrum kann man schon einmal vergessen, in welcher Stadt man sich nun gerade befindet.

Atlantas Exportschlager: CNN und Coca Cola

Zwei auf der ganzen Welt berühmte Unternehmen haben ihren Sitz in der Südstaaten-Metropole: CNN und Coca Cola. Vor 25 Jahren gründete Ted Turner seinen Nachrichtensender CNN (Cable News Network), der mit dem ersten Golfkrieg weit über die Vereinigten Staaten hinaus bekannt wurde. In 45-minütigen Studiotouren kann man nicht nur selbst ausprobieren, vom Teleprompter abzulesen, sondern sich auch die Tricks der Wetterkarte vorführen lassen. Coca Cola feiert sich mit seinem Museum selbst. "The World of Coca Cola" ist eine der Hauptattraktionen von Atlanta.

"The World of Coca Cola": Von Atlanta in die Welt
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"The World of Coca Cola": Von Atlanta in die Welt

Das Museum liegt am Martin Luther King Drive. Der 1968 ermordete Bürgerrechtler ist zweifellos einer der berühmtesten Söhne der Stadt. 1929 wurde er in der Auburn Avenue in Atlanta geboren. Sein Geburtshaus ist heute noch zu besichtigen. Es liegt im Schwarzenviertel "Sweet Auburn". Die Stadt wartet aber noch mit einem anderen Friedensnobelpreisträger auf: Jimmy Carter, der 39. Präsident der Vereinigten Staaten, der erste seit langem aus den Südstaaten, wurde zwar in Plains, Georgia, geboren, aber in Atlanta erinnern eine Bibliothek und ein Museum an seine Amtszeit.

Die berühmteste Frau der Stadt ist ohne Frage Margaret Mitchell. Mit ihrem Liebesschmöker "Vom Winde verweht" hat sie das Südstaatenbild von vielen geprägt. Das Haus, in dem sie ihren Weltbestseller schrieb, kann man ebenso besuchen wie ihr Grab. Nicht nur die Exportschlager und das quirlige Zentrum Atlantas, vor allem die vielen ganz unterschiedlichen Viertel drumherum nehmen für die Stadt ein. Nur einen Straßenzug von der Innenstadt entfernt strecken sich schicke Wohngegenden, aber auch charmant studentische Viertel aus.

Schaukelstuhl-Gemütlichkeit

Das ganz andere Georgia erlebt, wer sich ins Auto setzt und Richtung Norden in die Berge fährt: Im Nacoochee Village etwa scheint die Zeit schon lange stehen geblieben. In der Mühle Nora Mills wird noch gemahlen wie zu Urgroßmutters Zeiten. Der Chatahoochee River, der sich hier durch Bergdörfer schlängelt, treibt die Mühle an. Gleich gegenüber kann man das Habersham Weingut besichtigen, das beachtliche Weißweine offeriert.

Goldwaschen: Für Kinder ist das Schürfen ein Spaß - auch wenn kaum Gold in der Pfanne bleibt
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Goldwaschen: Für Kinder ist das Schürfen ein Spaß - auch wenn kaum Gold in der Pfanne bleibt

Überall in der bergigen Gegend herrscht eine dörflich nette Atmosphäre. Jeder kennt jeden, und Besucher sind herzlich willkommen. Die Hektik von Atlanta ist hier so weit entfernt wie die Naturschönheiten nah sind: Wasserfälle, Wälder und Wiesen. Dazu verstreuen sich von Säulen umrahmte Häuser mit großen einladenden Veranden an den Vorderseiten in der weiten Landschaft. Und überall stehen Schaukelstühle bereit, die den Rhythmus des Südens vorgeben: Gemütlich und langsam lebt es sich hier.

Das war wohl auch einmal in dem Örtchen Dahlonega so, bis eines Tages im Jahr 1828 ein Jäger zufällig auf einen Stein stieß, an dessen Unterseite Gold schimmerte. Da der Mann seinen Mund nicht halten konnte, wurde die Gegend bald von Gold- und Glückssuchern überrannt. Der größte Goldrausch östlich des Mississippi brach aus, dem die grausame Vertreibung Tausender der dort ansässigen Cherokee-Indianer folgte. Auch heute noch dreht sich in Dahlonega vieles ums Gold, zumindest das touristische Angebot: Besucher können das Goldmuseum und die Goldminen besichtigen und sich im Goldschürfen versuchen.

Georgia im Sinn

Spaß verstehen sollte, wer ins Bergdorf Helen kommt. Das Dorf ist ganz auf Bayern getrimmt. Weizenbier und Sauerkraut findet man auf den Karten ebenso wie Lüftlmalerei und Fachwerk an den Häusern. Es gibt eine Edelweißstraße und jede Menge Schaulustige. Kurz: Man muss das nicht gesehen haben. Da empfiehlt sich eher ein Abstecher nach Madison. Nur eine Autostunde von Atlanta entfernt liegt der Ort mit seinem gut erhaltenen historischen Viertel mit herrlichen Antebellum-Häusern. Im Bürgerkrieg zwischen Nord- und Südstaaten (1861 bis 1865) wurde Madison nicht zerstört. Unionsgeneral Sherman verschonte die Stadt aufgrund der Fürsprache eines Senators. So wurde Madison zu "The Town Sherman refused to burn".

Nordgeorgia: Umgeben von Tennessee, South Carolina und Alabama - Atlanta ist die größte Stadt in Georgia
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Zum Glück, denken die Besucher, denn einige der Herrenhäuser sind als Museum hergerichtet, in anderen kann auch übernachtet werden. Dann kommt man in den Genuss, abends auf einer fürstlichen Terrasse zu sitzen. Die amerikanische Flagge hängt träge über der Haustür, die Besitzer servieren gekühlten Weißwein, der Schaukelstuhl knarzt friedlich vor sich hin, während eine Katze über die Dielen schleicht. Wieder einmal scheint die Zeit still zu stehen. Aus der Ferne ertönt die bekannte Melodie. Und die Besucher haben jetzt wirklich nur noch eins im Sinn: Georgia.

Von Shirin Sojitrawalla, gms

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