Grand Canyon Nationalpark - Millionen Besucher bestaunen Jahr für Jahr den Grand Canyon. Zahlreiche Einrichtungen haben das Naturwunder dem Massentourismus erschlossen. Früher war die Reise zu dem Canyon eine beschwerliche Angelegenheit. Zunächst ging es mit der Eisenbahn nach Arizona, dann musste ein Besucher eine 20 Stunden dauernde, holpernde Kutschfahrt hinter sich bringen. Einmal am Canyon angekommen, konnte er in einer Zeltstadt übernachten, die freilich ebenso rustikal wie die Anreise war. Von Bequemlichkeit keine Spur.
Das änderte sich 1905 mit der Eröffnung der El Tovar Lodge. Das im Stil eines Schweizer Chalets gebaute Hotel bot den Besuchern vornehme Salons, feines Abendessen und - damals ein geradezu sensationeller Luxus - fließendes Wasser, Strom und Telefon auf jedem Zimmer. Heute, ein Jahrhundert später, ist das El Tovar immer noch die gefragteste Unterkunftsmöglichkeit im Grand Canyon Nationalpark. Nach einer 4,8 Millionen Dollar (3,8 Millionen Euro) teuren Renovierung erstrahlt das dreistöckige Hotel in neuem, alten Glanz.
"Es war eine riesige Renovierung, ein gigantisches Upgrade sozusagen", erklärt Bruce Brossman, Marketingleiter des Hotelbetreibers Xanterra Parks. Aber all die Veränderungen, die es gab, darunter neue Fenster, ein neues Dach und neu dekorierte Zimmer, wurden auf die Teile des Gebäudes beschränkt, die nicht als historisch gelten. "Die Lobby sieht genau so aus wie 1905", betont Brossman. Dazu zählen auch die Büffel- und Elchköpfe, die seit Menschengedenken die dunkle Lobby schmücken - obwohl es doch rund um den Canyon überhaupt keine Elche gibt.
Dachgarten für Zimmerblumen
Nach heutigem Empfinden sind die Zimmer eher klein. Doch damals hatten die Canyon-Urlauber andere Annehmlichkeiten im Sinn. "Die Besucher verbrachten mehr Zeit in der Lobby, im Speisesaal und den Salons", erläutert Jan Balsom, Kulturchefin des Nationalparks. "Die Zimmer waren nicht der Ort, wo die Leute ihre Zeit verbrachten." Mit dem Bau des El Tovar zog damals ein Hauch von Luxus in den Wilden Westen. Es gab verschiedene Salons für Damen und Herren, ein Billardzimmer und einen Dachgarten, wo Blumen für die Gästezimmer wuchsen. Nebenan entstand das Hopi House, das wie ein indianisches Bauwerk aussehen sollte und in dem indianische Handwerkskunst verkauft wurde.
Weil die Anreise zu dem eindrucksvollen Canyon damals so lang dauerte, blieben die Besucher oft wochenlang im El Tovar, wie Balsom erzählt. Heute wäre es schwierig, eines der 78 Zimmer, darunter sind zwölf Suiten, für einen derart langen Zeitraum zu bekommen. Die Hotelleitung nimmt heute Reservierungswünsche bis zu 23 Monate im Voraus an. Gäste, die flexibel sind, können ein Zimmer sechs bis acht Monate im Voraus buchen. Eine Unterkunftsmöglichkeit für mehrere Nächte in Folge oder an bestimmte Terminen sind nach Worten Brossmans noch schwieriger zu erfüllen.
Im Lauf der Jahre sind zahlreiche Stars und eine Reihe von US-Präsidenten in dem Hotel abgestiegen - angefangen mit Theodore Roosevelt bis zuletzt Bill Clinton. Die größte Attraktion in der Lodge ist heute wie vor hundert Jahren der atemberaubende Blick auf das Naturwunder Grand Canyon. Wer auf einer Schaukel auf der Veranda Platz nimmt und seinen Blick über die braun, pink- und rosafarbenen Wänden des Canyons schweifen lässt, bekommt einen Hauch von Zeitlosigkeit zu spüren. "Ich liebe die Veranden und Schaukeln", erklärt Jan Balsom von der Parkverwaltung. "Man kann sich hinsetzen und vorstellen, wie es einst war, als vor hundert Jahren die ersten Besucher eintrafen."
Von Michelle Roberts, AP
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