Elvis lebt. Er hat sich dorthin zurückgezogen, wo Amerika fast Karibik ist und wo erlaubt ist, was in den meisten US-Staaten nicht gefällt. Und so fährt er in einem rosaroten Cadillac-Cabriolet durch Key West. Der eine oder andere guckt verwundert, aber Elvis fällt kaum auf unter all den Verrückten, Schrillen, Künstlern und ganz normalen Wahnsinnigen, die es das Jahr über zu Hunderttausenden auf die Insel am Ende Amerikas zieht.
Über 42 Brücken muss man fahren, um zum letzten ins Meer getröpfelten Anhängsel von Florida zu kommen. Dann ist man dort, wo die Sonne nicht nur laut Werbeprospekten am schönsten versinkt. Zum allabendlichen Untergang versammeln sich Verliebte und andere Genießer in den Cafés am Mallory Dock. Kameras klicken, Pärchen halten sich im Arm, Cocktails haben Hochkonjunktur und Entertainer auch. Straßenkünstler feiern die "Sunset Celebration" mit Seiltanz, Jonglieren und Musik. Wenn die Sonne endgültig untergegangen ist, fängt das Leben in Key West richtig an.
In "Sloppy Joe's" Bar gehen die Cocktails genauso schnell weg wie die Hamburger. Fast jeder Tourist landet hier irgendwann, um einen Cocktail zu trinken, so wie seinerzeit Hemingway. Der war hier Stammgast, und deshalb hat der Betreiber von "Sloppy Joe's" für den Rest seiner Tage ausgesorgt.
Im Gegensatz zu den meisten amerikanischen Städten geht man hier, im historischen Stadtkern, zu Fuß oder leiht sich ein Fahrrad. Zwar sind die meisten Souvenirs hier teurer als anderswo. Aber anderswo gibt es keine so spektakulären Schaufensterdekorationen oder Läden wie den "Environment al Circus", wo nach dem Motto "Back to the Sixties" Jim Morrison-Shirts, Räucherstäbchen und Guatemala-Gürtel angeboten werden. Gleich nebenan werden Zigarren verkauft. Kubanische sind es zwar nicht, aber geraucht werden sie in Key West fast überall. Vom amerikanischen Nichtraucherwahn ist auf Key West nicht viel zu spüren. Am südlichsten Punkt des Landes wird alles nicht so verbissen gesehen.
Essen gehen ist ebenfalls ein Vergnügen. Vor allem im "Blue Heaven", einem Biergarten mit Hippie-Atmosphäre und wohlschmeckenden Gerichten. Empfehlenswert: Grouper oder Mahi-Mahi, Florida-Fische, die mit Süßkartoffeln und Kochbananen serviert werden. Live-Musik gibt es allabendlich gratis dazu.
"Es war immer mein Traum, hier zu leben", sagt Jack, der aus Minneapolis hergezogen ist und seinen Lebensunterhalt damit verdient, sein Segelboot fürs Hochseefischen zu verchartern. "Sicher, es ist teuer hier. Aber wo sonst in den USA werden Aussteiger und Homosexuelle so akzeptiert?" Und wo sonst gibt es einen komplett erhaltenen Stadtkern mit alten Holzhäusern, die nach Schneckenhäusern benannt sind und "Conch Houses" (sprich: "konk") heißen? Wo in den USA scheint das ganze Jahr über die Sonne auf Badestrände mit Karibik-Ambiente? Nur auf den Keys. Das hat auch Elvis gemerkt. Aus welchem Grund sollte er sonst hier untergetaucht sein?
Info Key West: Essen: Frühstück oder Abendessen im Blue Heaven, Petronia Street, Ecke Thomas Street
Übernachten: Jedes zweite historische Holzhaus in Key West bietet Bed & Breakfast an. Besonders geschmackvoll eingerichtet ist das "Treetop Inn" im 100 Jahre alten Conch House mit Veranda und Frühstück am Swimmingpool. Nur drei Zimmer (ab ca. 150 Mark pro Nacht pro Zimmer inklusive Frühstück), deshalb reservieren: Tree Top Inn, 806 Truman Avenue, Key West, Fl 33040, Tel. 001/ 30 52 93 07 12, Fax: 001/30 52 94 36 68. Günstiger, aber auch ein bisschen außerhalb des Stadtkerns wohnt man in Motels (ab ca. 80 Mark pro Zimmer und Nacht)
Tip: Für alle, die von Miami mit dem Mietwagen fahren: Stopover auf dem Weg nach Key West im State Parc auf der Insel Bahia Honda - hier versteckt sich der schönste Strand der Keys.
Anreise: Flug nach Miami (um 800 Mark), von dort entweder per Mietwagen oder per Bus nach Key West Bloß nicht: Die teuren Stadtrundfahrten mit den "Conch Trains" kann man sich sparen. Wer zu Fuß durch die Stadt bummelt, hat genauso viel gesehen. Der Strand City Beach ist klein und unspektakulär, "Monroe County Beach" nebenan ist eher das, was man sich unter einem Karibik-Strand vorstellt.
Auskunft: Key West Tourist Development Council, P.O Box 866, Key West, FL 33041, Tel. 001/30 52 96 15 52.
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