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25.08.2006
 

Besuch im Reservat

Keine Fotos im Hopi-Land

Tsebii'nidzisgai, das "Tal zwischen den Felsen" nennen die Navajo ein Naturschauspiel, was der Rest der Welt als "Monument Valley" kennt. Seine unbekannten Seiten erfahren Touristen nur mit einheimischen Führern – die auch in den Reservaten der Zuni und Hopi alles leichter machen.

Zuni Pueblo - "Pasó por Aqui" beginnt die Inschrift, die übersetzt in etwa so lautet: "Don Juan de Onate kam hier vorbei, auf dem Rückweg vom südlichen Meer, am 16. April 1605." Konquistadoren, Missionare, Siedler und Soldaten, alle kamen hier durch. Mehr als 2000 Namenszüge zieren heute die 90 Meter hohen Wände von El Morro, dem Felsenklotz in der wüstenartigen Nordwestecke von New Mexico.

Die unweit lebenden Zuni sind Besucher also gewohnt. Doch viele Gäste kamen ungebeten. Daher bestehen die Ureinwohner heute auf der Respektierung ihrer Sitten und Gebräuche. Zuni Pueblo, eine Stunde südlich von Gallup, ist das Zentrum des etwa 11.000 Menschen zählenden Stammes, ein auf den ersten Blick trostloses Ensemble aus braunen Steinhäusern und rostenden Autowracks.

Das größte Schild im Ort ist ein Verbotsschild. Das Fotografieren und Filmen religiöser Zeremonien ist nicht gestattet. "Ihr würdet es auch nicht mögen, wenn wir euch in euren Kirchen beim Beten knipsen würden", sagt Lena Tsethlikia, die Zuni-Fremdenführerin vom Visitor Center. Mit Lena geht alles leichter. Kupferfarbene Gesichter lächeln plötzlich, Menschen grüßen freundlich. Gemeinsam wird in Wohnzimmern über herrliche Einlegearbeiten aus Silber und Türkis verhandelt - 80 Prozent der erwachsenen Bevölkerung fertigen Schmuck an.

Mit Lena schlendert man durch den ältesten Teil des Dorfes, wo die alten Lehmhäuser stehen und auf den staubigen Plazas die heiligen Maskentänze stattfinden. Und in der Old Zuni Mission, dem 1629 erbauten Schmuckstück des Dorfes, beeindrucken große Wandgemälde. Sie stellen Kachinas dar, Geister und Vorfahren die Botschaften aus dem Jenseits übermitteln. Für Lena, eine gläubige Katholikin, kein Widerspruch. "Die Kachinas in der Kirche hauchen unserer Kultur neues Leben ein."

Canyon de Chelley – von Raum und Zeit losgelöste Welt

Indian Country - die Heimat der Ureinwohner im Südwesten der USA - liegt auf dem 2200 Meter hohen Colorado Plateau, zum Teil in New Mexico, größtenteils in Arizona. Dort befindet sich die Navajo Indian Reservation: Mit 70.000 Quadratkilometer so groß wie Bayern, ist sie ein furioses Stück Wüste aus Sand, Geröll und geborstenem Fels.

Zu sehen gibt es mehr als genug. Nördlich von Window Rock zum Beispiel, der Hauptstadt des Reservats. Vor der Kulisse kolossaler Felsentische und -burgen verwandeln sich Risse neben der Straße in Canyons. Der größte ist der 41 Kilometer lange Canyon de Chelley, eine 300 Meter tiefe Schlucht, die den Navajos im Winter 1863/1864 zum Verhängnis wurde, als die US-Kavallerie sie hier aushungerte und die Überlebenden nach Fort Sumner in New Mexico trieb.

Wer heute in den Canyon hinabsteigt, betritt eine von Raum und Zeit losgelöste Welt. Kein Laut dringt in die Schlucht. Unter einigen Felsenüberhängen kleben Ruinen. Niemand weiß, wer die verfallenen Häuser und Türme über dem Talboden gebaut hat, auch die Navajos nicht. Sie nennen die unbekannten Baumeister Anasazi, was schlicht "die vorher da waren" bedeutet.

Tsebii'nidzisgai, das "Tal zwischen den Felsen" nennen die Navajo ein Naturschauspiel, das der Rest der Welt als "Monument Valley" kennt. Mit den Navajos lernt man den nur ihnen zugänglichen Teil des Tals kennen und hört die alten Geschichten. Die von Chief Hoskinini zum Beispiel, der die Überlebenden von Canyon de Chelley hierher führte, wo sich der heute 200.000 Menschen zählende Stamm von dem Völkermord erholte. Und natürlich die von Hollywood, das hier ab 1938 Western am Fließband produzierte und den Stamm unsanft in die Gegenwart schubste.

Keine Fotos im Hopi-Land

Heute üben die Navajos in ihrem Land den Balanceakt zwischen Tradition und Moderne. Im gelbfahlen Herzen des Landes der Navajo-Nation lebt indes ein Stamm, der sich dem Schutz seiner Kultur verschrieben hat wie kein anderer in den USA: die Hopis.

In den siebziger Jahren wegen ihrer Philosophie vom Leben im Gleichgewicht mit der Natur von Touristen überrannt, verhängten die Hopis ein totales Fotografierverbot über ihr Reservat. Seitdem dürfen in der Hopi Indian Reservation weder Menschen noch Tänze, Häuser und Dörfer fotografiert werden. Wer diesen Wunsch respektiert, wird jedoch willkommen geheißen in einer Welt, die auf einem anderen Planeten zu liegen scheint. Ihre uralten Festungsdörfer auf den bis 180 Meter hohen Felsentischen werden vom Highway SR-264 leicht übersehen.

Die schönste ist Walpi auf der First Mesa, ein nur noch von ein paar alten Frauen bewohntes, 800 Jahre altes Adlernest ohne Strom und fließend Wasser. Nur eine knapp fünf Meter breite Engstelle verbindet es mit dem nur wenig jüngeren Dorf Sichomovi. Die sandfarbenen, im Laufe der Zeit übereinander gewachsenen Steinhäuser scheinen organisch aus dem Felsen zu sprießen. Stiegen führen auf Dächer, wo Leitern Kiwas, die traditionellen Zeremonialräume, signalisieren.

"Keine Fotos, zusammen bleiben", knurrt die Hopi-Führerin. Den vielleicht interessantesten Ort im Südwesten der USA kann man nur in einer geführten Gruppe besichtigen, die in Sichomovi zusammengestellt wird.

Von Ole Helmhausen, gms

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