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05.10.2006
 

Machu Picchu

Die Gralsburg der Inka

Die Spanier übersahen Machu Picchu bei ihren Eroberungsfeldzügen im 16. Jahrhundert. Das könnte den 250.000 Besuchern, die jährlich zu der geheimnisvollen Inka-Bergfestung in Peru pilgern, nicht passieren. Doch richtig interessant wird es abseits der Touristenströme.

In der kleinen Eisenbahnstation von Aguas Calientes in Peru drängen sich die Touristen wie auf einem Großstadtbahnhof. Dazwischen bemühen sich fliegende Händler um ebenso schnelle wie lukrative Geschäfte. Doch vormittags haben die Fremden nur ein Ziel: Sie wollen so rasch wie möglich per Bus über die Straße mit 13 Haarnadelkurven ins acht Kilometer bergaufwärts gelegene Machu Picchu gebracht werden. Nachmittags streben sie dann zurück zu den Zügen nach Cuzco, die alte Hauptstadt des Inka-Reiches.

Fremdenführer Pedro Carrasco Alvarez sagt "Nennen Sie mich einfach Pedro" und gibt sich alle Mühe, seine Gruppe zusammenzuhalten. "Wer nicht dabei ist, verpasst den Bus und kommt nur nach langer Wartezeit in die Anlage", warnt der Kunststudent aus Lima, der in den Ferien hier jobbt. Organisierte Gruppen kommen in Machu Picchu schneller durch die Eingangspforte, vor der sich oft lange Schlangen bilden.

Machu Picchu, einstige Stadtanlage der Inka in fast 2400 Metern Höhe, gilt als Perus Tourismusmagnet Nummer eins. Schätzungsweise 250.000 Besucher kommen jährlich in die gut erhaltene Ruinenstadt, die über dem Tal des Urubamba-Flusses thront - sehr zum Missfallen internationaler Archäologen, die um den Erhalt des Bauwerks fürchten. Die Weltkulturorganisation Unesco fordert, dass Perus Behörden den Zutritt zur Welterbestätte drastisch beschränken mögen. Doch damit würden auch die Deviseneinnahmen sinken - der Eintritt kostet pro Person umgerechnet 22,50 Euro.

Mumien statt Gold

Die bis heute geheimnisumwitterte Stadt auf einer Fläche von rund fünf Quadratkilometern blieb den spanischen Eroberern verborgen, als sie im 16. Jahrhundert auf ihrer Jagd nach Gold den Niedergang der Inka-Hochkultur einleiteten. Erst der Archäologe Hiram Bingham aus den USA stieß 1911 auf die etwa 1450 gegründete "Gralsburg" der Inka.

Machu Picchu liegt in bester strategischer Position praktisch uneinnehmbar in den Bergen. Forscher fanden heraus, dass sich die Einwohner selbst versorgten. Auf Terrassen betrieben sie Ackerbau und Viehzucht. "Zwischen 1000 und 3000 Menschen haben in den mehr als 200 Steinhäusern hier gelebt", erzählt Pedro. "Es waren Adelige und Priester." Irgendwann muss die Bevölkerung dann heimlich die Stadt verlassen haben. Bingham und andere Archäologen entdeckten weder Gold noch Waffen, nur Gräber mit Mumien. "Diese befinden sich jetzt in Museen in den USA, wir möchten sie aber wieder in Peru haben."

Auf den Spuren der Inka-Kuriere

Die Inka besaßen ein ausgeklügeltes System von Kurierpfaden durch ihr Reich, auch zwischen der Hauptstadt Cuzco und Machu Picchu. Ein Teil dieser Strecke von etwa 40 Kilometern gilt bei Alpinisten heute als Geheimtipp - zum Beispiel bei den Schweizern Beat Schneider und Markus Widmer, die gerade völlig begeistert in Machu Picchu ankommen. Sie hatten sich vier Tage zuvor bei Sonnenaufgang auf den Weg gemacht, begleitet von einem Führer, den die Behörden vorschreiben.

"Man muss sehr frühzeitig buchen, denn die Regierung hat die Zahl der Wanderer beschränkt", sagt Schneider. "Übernachtet wird im Zelt, den Proviant haben die Begleiter dabei", erzählt Widmer. Als Anfänger sollte man die Tour nicht machen, "und man muss schwindelfrei sein", meinen die Bergsteiger. Die Strecke führt bis auf 4200 Meter Höhe. Nachts kann es kalt werden, und tagsüber brennt die Hochlandsonne.

Kokablätter gegen Höhenkoller

Die dünne Höhenluft macht Touristen oft zu schaffen. Gegen die mit Übelkeit verbundene Höhenkrankheit Soroche können sie Tabletten kaufen, in den Hotels servieren dienstbare Geister einen Aufguss aus frischen Kokablättern oder halten Sauerstoffflaschen bereit. Die meisten Besucher bleiben aber nur einen Tag in Machu Picchu. Wenn ihre Züge am Nachmittag die Bahnstation wieder verlassen haben, kehrt Ruhe in der Ruinenstadt ein - die richtige Zeit für Genießer. "Dann erst kann man ein wirkliches Bild bekommen, die Mauern der Häuser sind nicht von Touristen verstellt", erzählt Pedro.

Übernachten können Reisende in Aguas Calientes, wo sie aber keinen besonderen Komfort erwarten dürfen. Ein kleines Luxushotel der Kette "Orient-Express" direkt auf dem Berg verlangt bis zu 750 Euro pro Nacht - und ist dennoch meist ausgebucht.

Horst Heinz Grimm, gms

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