Elvis kam als Teenager
Die Auswahl erinnert ein bisschen an "Deutschland sucht den Superstar". Musiker mit Star-Potenzial werden eingeladen, in der Opry aufzutreten. "Wir kriegen Tipps aus der Branche", sagt Fisher. Und das hat für so manchen schon den Startschuss zu einer großen Karriere bedeutet. Darunter war Elvis Presley, der dort 1954 als Teenager zum ersten und einzigen Mal die Hüften schwang. Dolly Parton, Garth Brooks und Alan Jackson gehören zum Inventar.
Für andere war die Verpflichtung, dauernd in der Opry auftreten zu müssen, erdrückend, und sie wandten sich lukrativeren Bühnen zu. Faith Hill und Tim McGraw sind große Namen der Country Charts, aber nicht Teil der ehrwürdigen Opry-Clique. Manchen ist der Laden auch schlichtweg zu konservativ. Gewagte Kostüme werden nicht gern gesehen, und zeitweise war sogar das Schlagzeug verboten. "Aber wir versuchen, mit der Zeit zu gehen", versichert Fisher.
Die Opry-Stars tummeln sich quer durch die USA und Tennessee. Elvis Presley, Memphis und "Graceland" verkörpern den Rock'n'Roll. Nashville ist das Zentrum für Country und "Honky Tonk", und in den Smoky Mountains von Knoxville regiert noch der Bluegrass. All diese musikalischen Geschichten erzählt das Museum der "Country-Music Hall of Fame" in Nashville und überzeugt mit seiner klingenden Ausstellung selbst Besucher, die mit diesem Genre vorher nichts am Hut hatten. "Man kann der Musik hier ja gar nicht entkommen", sagt ein deutscher Tourist. "Das färbt ab, und jetzt gefällt es mir auch".
"In Deutschland kriegt man das ja gar nicht mit"
Dass er gerade vor der Wand mit Memorabilia der vollbusigen Dolly Parton steht und staunt, möge man diesem Besucher aus Aachen verzeihen. Er könnte genauso von dem goldenen Elvis-Cadillac, den Sound-Beispielen der frühen "Mountain-Music", oder den auf Großleinwand ausgestrahlten Interviews mit Ray Charles und Johnny Cash entzückt sein. "Ist nicht eigentlich jeder ein Johnny-Cash-Fan?", fragt Jeff aus Hawaii. Das Grab von Johnny und seiner Ehefrau June Carter Cash kann man etwas außerhalb von Nashville besuchen.
Nun verfolgt die Country Musik den Besucher von "Music City" buchstäblich auf Schritt und Tritt: Im November wird - nach dem Vorbild Hollywoods - die erste Plakette mit Stern und Gitarre auf dem neuen "Country Walk of Fame" in einen der Bürgersteige im Stadtzentrum von Nashville eingelassen.
"In Deutschland kriegt man ja gar nicht richtig mit, was diese amerikanische Volksmusik überhaupt bedeutet", staunt ein Besucher. Dann entdeckt er in der "Country Music Hall of Fame" seinen Liebling aus der Grand Ole Opry. Überlebensgroß erstrahlt da "Little Jimmy Dickens" auf einem Poster. Der frisch gebackene Country-Fan freut sich über das Wiedersehen: "Ist das nicht der Zwerg, den wir gestern in der Opry beklatscht haben?"
Tina Eck, gms
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