Astana - "Niemand kennt unser Land. Niemand weiß, was hier los ist", sagte der kasachische Tourismusminister Temirkhan Dosmukhambetov unlängst in der Hauptstadt Astana. Treffender hätte er das kaum formulieren können, denn sonst wäre "Borat" längst als Schwindler entlarvt.
Der Satiriker bietet mit seinem Film zwar möglicherweise mehr Chancen für den kasachischen Fremdenverkehr als alle staatlichen Förderprogramme zusammen. Doch das will man in der Regierung in Astana, wo "Borats" skurriler Humor für Verärgerung sorgt, noch nicht so recht einsehen. "Kasachstan ist nicht Borats Land. Aber wir laden ihn herzlich ein, damit er einen richtigen Eindruck erhält", sagte Kenzhebay Satzhanov, zweithöchster Tourismusbeauftragter des Landes.
Als Reiseziel bietet Kasachstan sehr viele Facetten. Zwar kommen bislang vorwiegend Gäste aus Russland, doch unter Abenteuerbegeisterten und Extremsportlern ist das Land schon lange ein Geheimtipp. Endlose Steppen konkurrieren mit Wüsten, Halbwüsten, unberührten Tälern, wilden Flüssen, tiefen Schluchten und Seen sowie von Schnee bedeckten Gebirgszügen. Auch weite Teile der Seidenstraße verlaufen durch Kasachstan. Der Staat ist dabei vor allem ein Ziel für Leute, die die Stille suchen. Außerhalb der Städte trifft man kaum Menschen. Das riesige, weitgehend unerschlossene Land hat gerade mal 15,2 Millionen Einwohner, weniger als die Niederlande.
Monumentalarchitektur und Apfelbäume
Wer von Europa nach Kasachstan fliegt, kommt zuerst nach Almaty. In der alten Hauptstadt im Südosten schlägt das Herz des Landes. Bis 1994 hieß die Stadt Alma Ata. Das ist kasachisch und bedeutet "Vater der Apfelbäume". Obwohl die Hauptstadt vor neun Jahren nach Astana verlegt wurde, ist Almaty das Kultur- und Wirtschaftszentrum geblieben. Es bietet eine kuriose Mischung aus sowjetischer Monumentalarchitektur, orientalischem und westlichem Flair.
Mit ihren riesigen Gärten, in denen Obst, Weinreben und Tabak gedeihen, schmiegt sich die Stadt an die Ausläufer des Thienshan-Gebirges, dessen Gipfel bis zu 7000 Meter in den Himmel ragen. Dort haben Luchse und der vom Aussterben bedrohte Schneeleopard eine letzte Zuflucht gefunden. Unweit von Almaty liegen auch Medeu mit der höchstgelegenen Eislaufbahn der Welt und das Skigebiet Schymbulak.
Almaty ist ein Schmelztiegel mit mehr als 100 Nationalitäten. Unter Stalin wurden in der Sowjetunion viele Volksgruppen, darunter Deutsche, Türken, Krimtartaren, Koreaner und Kaukasusvölker, hierher umgesiedelt. Sie haben sich mit den ursprünglichen mongolischen Bewohnern vermischt.
Die "Stadt der Apfelbäume" zieht noch heute wie ein Magnet viele Einwanderer an, vor allem aus den Nachbarländern Kirgistan und Usbekistan. Touristen bleiben dagegen in der Regel nicht lange in Almaty, denn zwei Erdbeben zu Beginn des 20. Jahrhunderts haben die meisten historischen Gebäude zerstört. Eines der wenigen, die noch stehen, ist die hölzerne Auferstehungskirche. Sie wurde 1907 für den Bischof von Turkestan erbaut wurde und ist heute einer der schönsten hölzernen Sakralbauten der Welt. Ohne einen einzigen Nagel soll die Kirche mit ihren vielen Kuppeln und Ornamenten entstanden sein.
Für Besucher lohnt sich vor allem das Umland. Im Süden von Almaty liegt der Ile-Alatau-Naturpark. Auf einer Fläche so groß wie Monaco vermittelt das Areal einen perfekten Querschnitt der kasachischen Landschaftsvielfalt, vom tiefblauen Almaty-See und der wilden Turgen-Schlucht bis hin zu alpinen Wiesen und Gletschern. In den Jurten, den typischen kreisrunden Behausungen der Nomaden Zentralasiens, lernt der Besucher hier auch die kasachische Gastfreundschaft kennen.
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