Vergorene Stutenmilch für Unerschrockene
Das Ritual ist immer das gleiche: Frauen oder Mädchen servieren Tee, dazu werden frittiertes Gebäck, Süßigkeiten und getrocknete Früchte gereicht. Danach erst beginnt das eigentliche Festmahl. Ein typisches Gericht ist Besbarmak, gekochtes Pferde- oder Lammfleisch auf Nudelteig. Dabei darf das Nationalgetränk, die so genannte Kymis, nicht fehlen. In großen Tassen wird die vergorene Stutenmilch angeboten, sie ist allerdings eher für robuste Mägen empfehlenswert. Zum Runterspülen eignet sich dann ein kräftiger Schluck Wodka.
Einen krassen Gegensatz zu Almaty und seinem Hinterland bildet Astana. Inmitten endloser Steppen lässt der autoritär herrschende Präsident Nursultan Nasarbajew eine Stadt mit Repräsentationsbauten nach chinesischem Vorbild aus dem Boden stampfen. Finanziert wird die Bauwut mit den sprudelnden Öleinnahmen aus dem Kaspischen Meer.
Internationale Stararchitekten wie der Japaner Kisho Kurokava haben den Masterplan für die Stadt entworfen, die bis zum Jahr 2010 eine Million Einwohner haben soll. Momentan sind es schon mehr als 600 000. Vom protzigen Präsidentenpalast aus führt eine futuristische Achse am modernen Wahrzeichen der Hauptstadt, dem Aussichts- und Funkturm Baiterek, vorbei zum Hauptsitz des Energiekonzerns KasachOil.
Auf der kilometerlangen Allee würden mühelos alle "Borat"-Fans der Welt Platz finden. Die Kritik, das Ganze sei vielleicht etwas seelenlos, lassen die Bewohner von Astana nicht gelten. "Ich liebe diese Stadt, sie steht für Mut und Neubeginn" sagt Kulpash Konyrova, eine Journalistin und allein erziehende Mutter. "Nirgendwo sonst in Kasachstan gibt es so viel Dynamik wie hier." Hinterwäldlerisch, wie im "Borat"-Film dargestellt, ist Kasachstan hier auf keinen Fall.
Von Ute Müller, gms
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