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24.11.2006
 

Kreuzfahrten ab Dubai

Wüstensand statt Karibikstrand

Häfen wie Madeira, Miami oder Montego Bay auf Jamaika sind traditionelle Ziele für Kreuzfahrtschiffe im Winter. Jetzt holt die ähnlich sonnenverwöhnte Golfregion auf: Immer mehr Schiffe wählen die Baustellenmetropole Dubai als Basishafen.

Rostock/Frankfurt/Main - In dieser Saison werden sich viele Kreuzfahrt-Gäste an bisher ungewohnte Namen gewöhnen: Bahrein, Abu Dhabi und Maskat. Mit Aida Cruises und Costa Crociere stationieren gleich zwei große Kreuzfahrtenanbieter Schiffe in Dubai am Persischen Golf. Für beide Reedereien bedeutet das eine Premiere - ebenso wie für das Emirat. Der Erfolg ist aber bereits da - viele Reisen waren schon einen Monat vor Weihnachten ausgebucht. Für den Tourismus in Dubai bedeute diese Entwicklung "einen weiteren Meilenstein", sagt Mara Kaselitz, Leiterin der Dubai-Tourismusvertretung DCTM in Frankfurt.

Auch in der Vergangenheit haben immer wieder Kreuzfahrtschiffe das boomende Reiseziel Dubai besucht. Im Jahr 2006 waren es zum Beispiel 28, allein im ersten Halbjahr 2007 werden 40 erwartet. Seit 2001 hat Dubai ein eigenes Kreuzfahrtterminal, "das Einzige der arabischen Welt", wie Kaselitz betont. Bisher war es aber so, dass das Emirat nur für ein oder zwei Nächte auf dem Programm stand, wenn die Schiffe zwischen Europa und Asien unterwegs waren. Mit Dubai als Basishafen für die "Aidacara" und die "Costa Classica" ändert sich das nun: Vor allem Kreuzfahrtgäste aus Deutschland werden zu Dauergästen in Dubai.

Die 193 Meter lange "Aidacara" mit Platz für knapp 1200 Passagiere kommt vom 22. Dezember bis 9. Februar für sieben einwöchige Touren an den Golf. "Wir sind ausgebucht. Es gibt nur noch Restplätze, wenn in Reisebüros Optionen zurückgegeben werden oder Stornos eintreffen", sagt Hansjörg Kunze, Sprecher von Aida Cruises in Rostock.

Bessere Chancen haben Buchungswillige dagegen noch bei Costa. Die "Classica" ist mit Platz für 1680 Gäste nicht nur größer als das Aida-Clubschiff, sondern sie bleibt auch bis in den April in Dubai, also gut zwei Monate länger. "Neujahr ist ausgebucht, Ostern stark angebucht. Dazwischen sind aber noch Plätze an Bord zu haben", sagt Costa-Sprecher Werner Claasen. Mehr als die Hälfte der Kabinen werde durch deutsche Passagiere belegt sein. In anderen wichtigen Märkten der italienischen Reederei, etwa in Spanien, den Benelux-Ländern und Frankreich, seien die Dubai-Buchungen dagegen zögerlicher gestartet.

Kultur-Lektionen statt Bikini-Landgang

Die Routen von "Aidacara" und "Costa Classica" sind identisch: Beide Schiffe steuern neben Dubai noch Maskat im Oman, die Emirate Fujairah und Abu Dhabi sowie Bahrain an. Landausflüge führen in die Wüste, zum Einkaufen und zu Oasenstädten. Eine vierstündige Tour mit Geländewagen in Abu Dhabi etwa kostet bei Costa 104 Euro pro Person. Dass die Ausflüge etwas anders ablaufen als in der Karibik, liegt auf der Hand - im Bikini von Bord zu gehen, würde in der arabischen Welt sicher nicht gerne gesehen. "Wir haben Lektoren dabei, die den Gästen die speziellen kulturellen Hintergründe nahe bringen", erklärt Kunze.

Doch warum gerade Dubai? "Wir wollen unseren vielen Stammgästen immer wieder neue Ziele bieten", sagt der Aida-Sprecher. "Und Dubai ist als Destination superinteressant." Auch Costa habe Alternativen zu der im Winter "wahnsinnig überbesetzten" Karibik gesucht und am Golf gefunden, erklärt Claasen. "Dubai vereint die Vorlieben der Gäste mit den Zwängen der Reedereien", formuliert es DCTM-Leiterin Kaselitz. Die Passagiere freuten sich über die Sonne und ein interessantes Ziel, die Anbieter über eine gute Infrastruktur, ein als stabil und sicher geltendes Ziel sowie die kurze Anreise zum Einschiffungshafen. Wieder einmal mache sich damit die "strategische Lage" zwischen Europa und Asien für Dubai bezahlt, meint Kaselitz.

Volle Hotels trotz Baustellen-Flair

Für die Idee, Dubai und seine Nachbarn per Schiff zu entdecken, spricht vielleicht auch etwas anderes: Obwohl das Emirat die größte Baustelle der Welt ist und ständig neue Hotels fertig werden, sind Zimmer an Land nicht immer leicht zu bekommen. "Die Auslastung liegt bei mehr als 90 Prozent, und immer mehr andere internationale Märkte drängen nach Dubai", sagt Mara Kaselitz. Mit anderen Worten: Chinesen und Inder spielen immer mehr mit beim Einkauf der Hotelkapazitäten und konkurrieren mit den Europäern um freie Gästebetten. Dass es für Aida und Costa auch im Winter 2007/08 nach Dubai geht, ist heute - ein Jahr vorher - dagegen schon klar. Ob die "Aidacara" dann länger als sieben Wochen bleibt, sei aber noch nicht entschieden, so Kunze.

Wer im Winter bei einer Kreuzfahrt arabisches Flair erleben will, hat aber noch mehr Möglichkeiten. Der Reiseveranstalter FTI hat zum ersten Mal die "MS Sapphire" der Reederei Louis Cruise Lines komplett gechartert: Vom 17. Dezember bis 15. April ist das 149-Meter-Schiff mit 288 Kabinen für die FTI-Marke Air-Maritime auf dem Roten Meer unterwegs. Zu den Zielen gehören Akaba in Jordanien, Sharm el Sheikh auf dem Sinai, Suez und Hurghada. Landausflüge führen unter anderem zu den Pyramiden, nach Kairo und zur Felsenstadt Petra in Jordanien.

Diese Tour sei völlig anders als bei Aida und Costa, sagt FTI-Chef Dietmar Gunz: "Das Schiff ist viel kleiner, und nach Petra und Kairo kommen Kreuzfahrtpassagiere sonst gar nicht." Auch auf der "Sapphire" sind 75 Prozent der Kabinen bereits vergeben. Die Sehnsucht nach Wärme und Erholung sorgt im Winter eben nicht nur in Miami und Madeira für Sonnenschein in den Buchungslisten der Reedereien.

Von Christian Röwekamp, gms

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