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14.03.2007
 

Costa Rica

Picknick unter Schwefeldämpfen

In nächster Nähe des Vulkans Arenal in Costa Rica buhlen Hotels wie das "Erupciones Inn" um Gäste. Auch wenn Touristen starben, die sich zu nah an den Vulkan trauten: Vor einem Ausbruch fürchten sich hier die wenigsten – die Hotelbetreiber vertrauen auf Frühwarnsysteme.

Die glühenden Lavasteine sind in Asche und Staub gehüllt. Tagsüber poltern sie den Hang hinab, nachts leuchten ihre rot-gelben Schweife unter den Sternen. Rund um die Uhr spuckt der Vulkan Arenal heiße Brocken aus seinem Krater. An diesem späten Nachmittag reißt die Wolkendecke ganz auf. So gut ist die Sicht nicht jeden Tag. Urlauber stoppen ihre Mietwagen, packen Fernglas und Picknickkorb aus. In Hotels mit Namen wie "Volcano Lodge" und "Erupciones Inn" sitzen die Gäste auf der Terrasse mit Vulkanblick. Auch im Städtchen La Fortuna wenden sich viele Köpfe zum 1633 Meter hohen Arenal, der durch seine Aktivität jedes Jahr ein paar Zentimeter wächst.

Auf der Überlandstraße ist Otto Chavez auf der Suche nach einem Parkplatz mit Vulkanblick. Der 31-Jährige aus San José bremst. Ein Nasenbär läuft aus dem Unterholz auf den Asphalt, verharrt auf dem gelben Doppelstreifen, beschnüffelt das Auto und verschwindet dann im Gebüsch Richtung Vulkan. Die schnelle Reaktion des Reiseleiters hat tags zuvor schon einer großen Schlange das Leben gerettet.

Die Sonne versinkt gold-orange. Ricardo Araya nippt an seinem Rotwein. "Jeden Tag schaue ich mir dieses Wunder Gottes an", sagt der Eigentümer des Luxushotels "Arenal Kioro" und zeigt auf den Vulkan, wo mit der Dunkelheit helle Funkenbahnen das Grau überlagern. Das Poltern der Lavageschosse ist deutlich zu hören.

Leichtsinn kann tödlich sein

Der 65-Jährige begrüßt jeden Gast und Mitarbeiter mit Handschlag. Zu den Gefahren eines Ausbruchs sagt Don Ricardo: "Wir haben heute gute Warnsysteme, eine Evakuierung ist schnell möglich." Ein Vulkanausbruch hatte 1968 zwei Dörfer zerstört und 87 Menschen getötet. Später gab es noch mehrere Opfer, als sich Wanderer leichtsinnig den heißen Gasen näherten.

Das Arenal-Gebiet im Nordwesten gehört zu den touristisch am besten entwickelten Regionen Costa Ricas. Das Straßen- und Busnetz im Land ist dicht und gut. Hotels, Gästehäuser, Restaurants und Märkte sind preiswert. Das Land mit 3,6 Millionen Einwohnern wird von Bergketten mit bis zu 3839 Metern Höhe durchzogen. Am Pazifik im Westen und an der Karibik im Osten locken viele Strände.

Die "Schweiz Lateinamerikas" zieht schon lange Einwanderer aus Europa an. "Die Menschen sind freundlich, Politik und Demokratie stabil, Wetter und Investitionsklima gut", sagt Franz Ulrich aus Luzern. Der 65-Jährige war früher Kaffee-Manager. Dann hat er seine "Kleine Schweiz", "Pequena Helvecia", am Arenal-See gebaut. Zwei Restaurants, ein familiäres Hotel, Bahnhof und Schmalspurbahn, gepflegte Kuhställe und blühende Gärten sind gut besucht.

Wenige Kilometer weiter leben ebenfalls zufriedene Einwanderer: Thomas Perner, 38, aus Waltenhofen bei Kempten im Allgäu und Ellen Baron, 42, aus Waiblingen bei Stuttgart betreiben die Caféteria und Bäckerei "German Bakery" sowie das "Center of Indigenous" mit Kunsthandwerk von Ureinwohnern.

Brüllaffen und komische Vögel

Auf dem Weg in den Bergort Monteverde tritt Otto - ein üblicher Name in Costa Rica - wieder auf die Bremse, diesmal sanft. Kein Tier springt auf die Straße, aber eine Horde Brüllaffen auf die nächsten Äste. Bis auf gut fünf Meter dürfen sich die großen Zweibeiner mit ihrer Kamera nähern. Dann hüpfen die Affen weiter.

Im nahen "Selvatura Park" mit Hängebrücken für Wanderer ist an ruhigen Tagen auch der scheue Quetzal zu sehen. Ein kurzer Blick auf den Vogel mit dem langen Schwanz ist auch ein Traum vieler Einheimischer. "Ich habe das Tier in fünf Jahren etwa 50 Mal gesehen", sagt José Darió Sonano, Juniorchef des Selvatura Park. "Immer bin ich ergriffen und habe eine Gänsehaut."

Wer nicht durch Flora und Fauna laufen will, nimmt ein Boot oder schläft in einer Herberge im oder am Urwald. Den Ort Puerto Viejo auf halbem Weg zwischen San José und La Fortuna haben noch nicht viele Ausländer entdeckt. "Iguanas und Tukane können Sie bei uns von Ihrem Dschungel-Balkon sehen", sagt Allen Gonzalez, Eigentümer des Hotels "El Bambú". Von der Herberge zum Bootssteg am Sarapiquí sind es zehn Fußminuten.

Eine Zwei-Stunden-Fahrt an diesem heißen Vormittag brachte folgende Bilanz: zehn Brüllaffen, sechs armlange Iguanas, ein Dutzend Schildkröten, drei Schlangenhalsvögel und ein Kaiman. "Bei uns sehen Sie so viele Tiere und Pflanzen, weil wir die Natur achten", sagt Dennis Guerrero Ramirez. Der Ökofarmer aus Puerto Viejo hegt umweltschonend auch die braunen Fladen seiner Rinder. "Aus dem Kompost machen wir Gas", erklärt der 51-Jährige.

Bernd Kubisch, gms

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