Gobabis/Namibia - Die ganz Geschichte begann mit ein paar Cent und einem Stückchen Brot. Für diesen Preis kaufte Marieta van der Merwe einem Mann am Rande einer staubigen Landstraße irgendwo in Namibia einen ausgemergelten kleinen Affen ab, den er an einem Strick mit sich führte. Das ist jetzt 28 Jahre her und war die Geburtsstunde für eine der größten Farmen für die Hege verwaister oder verwundeter Wildtiere im südlichen Afrika.
Die Harnas Wildlife Foundation, 300 Kilometer östlich der namibischen Hauptstadt Windhuk, ist inzwischen Heimat für 310 in Not geratene Tiere. Sie bietet Gästen die seltene Gelegenheit, ganz nah an Löwen, Geparden und Leoparden heranzukommen und manche sogar zu berühren.
Pavianbabys dürfen im Bett schlafen
Die meisten vierbeinigen Farmbewohner wurden als Jungtiere gerettet und großgezogen. Alle haben Namen und werden von Marieta van der Merwe wie Familienmitglieder behandelt. Immer wieder teilt die Frau ihr Bett mit in Windeln gewickelten Pavianbabys.
Van der Merwe und ihr 2001 verstorbener Ehemann hatten sich über die Jahre im ganzen Land einen Namen als Tierfreunde gemacht. Immer wieder erhielten sie Anrufe, wenn beispielsweise ein Zoo schloss und nicht wusste, wohin mit den Löwen. Oder wenn Jäger die Mütter von Jungtieren getötet hatten oder Tiere in Fallen geraten waren.
Die Pflege erfordert inzwischen einen solchen Aufwand, dass die Tierfreundin ein Teil ihres Farmgrundstücks verkauft hat, um das Reservat finanzieren zu können. Außerdem helfen die Touristen, die hierher kommen, das Projekt am Leben zu erhalten.
Die Hauptlodge befindet sich inmitten eines 10.000 Hektar großen Graslandes, auf dem Antilopenherden, Kudus und Springböcke umherziehen. Ein Heer freiwilliger Helfer, meistens junge Frauen aus dem Ausland, unterstützt van der Merwe. Hinter dem Haus befindet sich eine Aufzuchtstation, in der gerade eine spindeldürre Meerkatze aufgepäppelt wird. Auf der Krankenstation ist derzeit ein Pavian mit epileptischen Anfällen untergebracht sowie ein blinder Affe und der Falke "Nelson", der nur einen Flügel hat.
Filmstar im Gehege
Gerne begleiten die Touristen van der Merwe auf der morgendlichen Fütterungstour und beobachten dabei, wie sich die Leopardin "Missy Jo", die Löwin "Sher Khan" und die einäugige "Savannah" über die Fleischbrocken hermachen, die die Farmchefin in die weiträumigen Wildgehege geworfen hat. Zu den Lieblingen der Gäste und schon längst ein Stück Inventar ist der Gepard "Goeters": Die 27 Jahre alte, zahme Raubkatze ist in Namibia eine Art Berühmtheit, war Star in Filmen und Werbespots.
Die Harnas Wildlife Foundation hat eine berühmte Schirmherrin: Angelina Jolie. Der Hollywoodstar lernte die Farm vor ein paar Jahren bei Dreharbeiten kennen und hat inzwischen umgerechnet 200.000 Euro für die Arbeit dort gespendet. Seit ihrem ersten Aufenthalt hat Jolie die Farm immer wieder besucht, im vergangenen Jahr brachte sie auch ihren Lebensgefährten Brad Pitt mit.
Van der Merwe und ihre Tochter Marlice van Vuuren sind sich bewusst, dass ihre Arbeit von einigen Tierschützern misstrauisch verfolgt wird. Die meinen, dass wilde Tiere nicht in Gehegen - auch nicht in großen Gehegen - gehalten werden sollten. "Dem kann ich nicht einmal widersprechen", räumt van Vuuren ein. "Aber 90 bis 95 Prozent der Tiere hier sind da, weil ihre Mütter erschossen wurden oder weil sie wie Haustiere großgezogen und dann wie Müll entsorgt wurden, nachdem es Probleme gab."
Celean Jacobson, AP
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