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23.10.2007
 

Mit dem Rucksack durch Costa Rica

Tschüss Abenteuer

Individualreisen im Wandel: Dank Internet und Reisefibel planen viele Rucksack-Touristen ihren Urlaub schon Wochen vorher bis ins kleinste Detail. Britta Mersch wollte in Costa Rica dem Zufall eine Chance geben und stellte fest: Wer spontan reist, ist selber schuld.

Auch wir haben es getan: Kurz vor der Abreise nach Costa Rica haben wir im Internet ein Zimmer gebucht. Weil wir dem Gewusel am Flughafen entgehen wollten und uns nicht von einem Schlepper in ein viel zu teures Hotel fahren lassen wollten. Weil wir der Reiseliteratur Glauben schenkten, nach der es am Flughafen von Betrügern wimmelt, die ahnungslose Touristen abzocken. Und weil wir nach 24 Stunden Reise doch ziemlich müde sein würden.

Also marschieren wir am Flughafen in Costa Rica an den öffentlichen Taxis vorbei und steigen in den Shuttle-Bus des Hostels Pangea - laut Reiseführer eines der angesagtesten Billig-Hotels der Stadt. Für den Shuttle zahlen wir 14 US-Dollar. Selbst die Taxifahrt zu einem überteuerten Preis wäre wohl deutlich günstiger gewesen. Unser Zimmer ist winzig und hat kein Fenster. Es liegt direkt neben der Rezeption, hinter dem Billardtisch und den Internetplätzen. 25 Dollar pro Nacht, garantiert keine Ruhe. Wozu haben wir überhaupt reserviert?

Schluss mit dem Planungs-Spießertum

Eigentlich hatten wir es ja geahnt. Vorab-Reservierungen sind was für Reisende mit wenig Erfahrung, nichts für alte Hasen wie wir es sind. Das Zimmer ist zu laut, wir finden kaum Schlaf. Hätten wir vielleicht doch, wie es sich für einen ordentlichen Rucksackreisenden gehört, lieber vor Ort ein paar Hotels abklappern sollen?

Es wird uns ziemlich bald egal. Trotz des miesen Zimmers freuen uns auf unseren Costa Rica-Urlaub. Malen uns aus, wie aufregend die Busfahrten und Touren sein werden. Freuen uns auf Regenwald, Vulkane und Traumstrände. Und nehmen uns vor, dass private Shuttle-Dienste und Vorab-Reservierungen ab heute tabu sind. Viel zu teuer und vor allem: spießig.

Abenteuerlustig machen wir uns am nächsten Tag auf den Weg zum öffentlichen Busbahnhof. Wir sind gespannt, welche verrückten Geschichten wir dieses Mal erleben. Wir erinnern uns an Indien, wo Einheimische mit Hühnern und Schweinen im Gepäck Bus fahren. Und denken an die Nachtfahrt in Vietnam, bei der in einem total verdreckten Zugabteil die Kakerlaken neben uns über die Liege huschten.

Am Busbahnhof herrscht eine überraschende Ordnung. Brav stehen die Ticos und Ticas in der Schlange – das erwartete Durcheinander bleibt aus. Als wir an der Reihe sind und unser Ticket für den Pazifik-Strandort Sámara kaufen wollen, blicken wir in ungläubige Augen. "Wir haben schon seit Stunden keine Tickets mehr", sagt der Schalterbeamte, "darum hättet ihr euch gestern kümmern müssen. Und überhaupt: Warum nehmt ihr nicht den privaten Touristen-Bus? Ist doch viel bequemer."

Endlich: Abenteuer!

Wir sind irritiert. "Nun ja, wir wollen ja auch sehen, wie das Leben hier funktioniert", entgegnen wir. Mit einem Schulterzucken klickt sich der Ticketverkäufer durch den Computer. "Ihr könnt heute den Bus nach Nicoya nehmen", sagt er, "von dort aus gibt es auch einen Bus nach Sámara." Wir nehmen das Angebot an. Da ist es, unser erstes Abenteuer!

Denken wir zumindest. Die Fahrt verläuft reibungslos. Außer den zwei Ticas, die keinen Platz mehr erwischt haben und nun auf dem Boden sitzen, gibt es keine besonderen Vorkommnisse. Das Umsteigen in Nicoya verläuft ohne Probleme, der Bus startet pünktlich. In Sámara bietet uns der Busfahrer sogar an, direkt vor unserem Hotel zu halten. Aber wir haben doch extra nicht reserviert! Wir blättern schnell im Reiseführer und entscheiden uns für die "Posada Matilori", ein Haus mit Gemeinschaftsküche, das von einem Italiener und einer Tica geführt wird.

Der Besitzer empfängt uns freudestrahlend und stellt die obligatorische Frage. "Habt ihr eine Reservierung?" Um dann lachend zu ergänzen: "Wenn ja, muss ich euch enttäuschen. Wir haben eine neue Telefonnummer – und der Witzbold, der nun unsere Nummer hat, nimmt manchmal Reservierungen für uns an." Wir sind erleichtert: "Nein, wir wollten nicht reservieren. Wir sind lieber spontan." Und haben Glück. Ein Zimmer ist noch frei.

Fünf Tage planen wir für den Strandort auf der Halbinsel Nicoya ein. Eine gute Entscheidung. Die Wellen sind hoch, mit Body-Boards sausen wir meterweit durch das Meer. Nachmittags gönnen wir uns eine Kokosnuss, abends hängen wir in einer Cocktailbar am Strand ab. Allmählich planen wir unsere weitere Route. Montezuma, ein weiterer Ort auf der Halbinsel Nicoya, würde uns interessieren. Der Haken ist nur: Wenn man den öffentlichen Bus nimmt, muss man kompliziert über mehrere Orte fahren. Ein privater Shuttle-Bus bringt die Touristen direkt in den Ort. Allerdings kostet der Service 38 US-Dollar pro Person. Für die Fahrt mit dem öffentlichen Bus hat jeder von uns gerade mal zwei Dollar bezahlt.

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