Hotel-Flaute in strömendem Regen
Trotz unserer Bedenken finden wir uns am nächsten Tag mit acht anderen Reisenden in dem vollklimatisierten Minibus für Touristen wieder. Wir werden vom Hotel abgeholt und zur Unterkunft unserer Wahl gebracht. Während der ganzen Fahrt, die an Mangobäumen, Reisfeldern und Ananas-Plantagen vorbei führt, regnet es in Strömen.
Als wir abends in Montezuma ankommen, bereuen wir, keine Reservierung zu haben. Wir sind offenbar die einzigen, die um diese Zeit noch einen Schlafplatz suchen. Durch den heftigen Regen stapfen wir die Stufen hoch zum Guesthouse Luna Llena. Ohne Vorbestellung geht hier gar nichts. Im Dunkeln sehen wir uns verschiedene Hotels an - alles nicht nach unserem Geschmack. Schließlich laufen wir durch knöcheltiefes Wasser zum Hotel Los Mangos. Dort treffen wir fast die komplette Besatzung aus unserem Bus wieder, alle hatten sich vorab um ein Zimmer gekümmert. Für eine Nacht ergattern wir auch noch eins. Ab dem nächsten Tag sind jedoch schon alle Betten reserviert.
Wir denken nach. Wieso ist das Reisen plötzlich so kompliziert? Als wir vor sieben Jahren in Vietnam waren, dachte kaum ein Rucksack-Tourist an Vorab-Buchungen. Stattdessen diskutierten die Reisenden abendfüllend darüber, wer wo das beste und billigste Zimmer ergattert hatte und wo man unbedingt hinmusste. Ein paar Jahre später änderte sich das schon. Auf den Philippinen erzählte uns ein genervter Schweizer, er habe zum ersten Mal keinen Bungalow in dem Ressort bekommen, das er seit zwanzig Jahren besuche. Viele Touristen hätten vorab reserviert, über das Internet, und er musste in ein wenig attraktives Zimmer ausweichen.
Reservierungs-Streber buchen dreifach
Heute scheuen viele Individualreisende offenbar keine Kosten und lassen sich mit viel zu teuren Shuttle-Bussen bequem von Hotel zu Hotel kutschieren. Internet, Handy und die Reisefibel Lonely Planet machen es möglich, dass man kaum noch Neuankömmlinge sieht, die ratlos in einem Ort stehen und überlegen, wo sie denn nun noch ein Bett bekommen könnten.
Diese Reservierungswut geht zum Teil auch zu Lasten der Hotelbesitzer. Einige besonders gewiefte Touristen blockieren gleich mehrere Zimmer in einem Ort – um auch wirklich das beste Billig-Bett zu ergattern. Die Besitzer lassen andere Touristen warten, bis klar ist, wer denn nun seine Reservierung in Anspruch nimmt.
Andere resignieren auch. Wie Juan, der in dem Bergort Monteverde im Norden des Landes ein kleines Hostel betreibt. Er vergibt nur selten alle Zimmer – obwohl er könnte. "Viele Touristen denken nur an ihre eigenen Interessen", erzählt er uns, "und kümmern sich nicht um uns." Dabei liebt er den Kontakt zu den Reisenden und nimmt sich bei der Ankunft Zeit für ein ausführliches Gespräch über die besten Touristenattraktionen vor Ort. Seine Frau und die Kinder verbringen oft den ganzen Tag in der Pension. Viele Gäste rauschen auf dem Weg zum Gemeinschaftsbad oder in die Küche jedoch grußlos an ihnen vorbei und sprechen sie nur an, wenn sie zahlen wollen. Ein Verhalten, das Juan ärgert und traurig macht. Deshalb ist er auch froh über sein kleines Busunternehmen, mit dem er hauptsächlich den Lebensunterhalt verdient.
Wir fühlen uns nun ein bisschen besser und haben langsam das Gefühl, das Reisen doch nicht verlernt zu haben. Als wir in Richtung Karibisches Meer aufbrechen, nehmen wir wieder den öffentlichen Bus. Auch wenn wir dafür eine Nacht in der Hauptstadt in Kauf nehmen müssen. Unser Zimmer im karibischen Cahuita suchen wir vor Ort. Wir bekommen einen hellen Raum mit vier Betten und einem Balkon mit Schaukelstühlen. Zum Strand sind es nur zwei Minuten. Es ist der schönste der ganzen Reise.
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