Von Andreas Spaeth
Wie ein Halbmond windet sich die sieben Kilometer lange Uferstraße Corniche rund um die Bucht von Doha, in der das türkisfarbene Wasser des Persischen Golfs zu dieser Jahreszeit fast so heiß ist wie in Europa eine Badewannenfüllung. Entlang der achtspurigen Vorzeigemeile der Hauptstadt des winzigen Emirats Katar schießen die Wolkenkratzer derzeit nur so in die Höhe, Prunkbauten aus Stahl, Beton und Glas versuchen sich bereits in der Bauphase gegenseitig den Rang abzulaufen. Der auffälligste und mit 90 Stockwerken auch höchste heißt – ausgerechnet - Dubai Tower. Dabei ist man hier in Doha, 45 Flugminuten westlich der als Touristenziel längst etablierten Glitzermetropole.
"Wir bauen hier gerade 70 Hochhäuser, bis 2010 sollen insgesamt 150 in den Himmel ragen", erklärt Mohammad stolz. Er stammt aus Nepal und hat hier als Fremdenführer verdingt. In Dubai entstehen derzeit 500 Hochhäuser höher als 120 Meter, aber das ist auch etwas anderes, findet Mohammad. "Doha ist so etwas wie Dubais kleiner Bruder", scherzt er.
Viel zu tun hat Mohammad nicht, denn bislang verirren sich nur wenige Touristen nach Katar. Aber das kleine Land mit einer geringeren Fläche als Schleswig-Holstein, das wie ein sandiger Daumen in den Persischen Golf ragt und eine 60 Kilometer lange Grenze zu Saudi-Arabien aufweist, will jetzt endlich Anschluss finden an das Tourismus-Wunder des großen Nachbarn.
Mehr Einkommen als in Dubai
Nicht dass das wirklich nötig wäre: Anders als Dubai, dessen Ölvorräte zu Ende gehen, sitzt Katar auf den drittgrößten Erdgasreserven der Welt, 25 Trillionen Kubikmeter des wertvollen Rohstoffs warten tief unter Dünen und Meerwasser darauf, erschlossen zu werden, der Vorrat reicht für mehrere hundert Jahre. Das Pro-Kopf-Einkommen der 907.000 Einwohner, davon nur 20 Prozent Kataris, liegt mit 60.000 US-Dollar wesentlich höher als in allen Nachbarstaaten inklusive Dubai und ist eines der höchsten der Welt. Seit 2001 hat sich das Bruttosozialprodukt mehr als verdreifacht.
Daher kann man es sich leisten, sich auf kleine feine Nischenmärkte zu konzentrieren: "Doha hat eine andere Vision im Tourismus als Dubai, denen Konkurrenz zu machen hat sowieso keinen Sinn", sagt die Italienerin Daniela Grendene, Marketingchefin der katarischen Tourismusbehörde. "Wir wollen authentischer, arabischer sein und uns als Stopover-Ziel vielleicht in Kombination mit dem Oman etablieren", erklärt sie.
Doch womit sollen eigentlich Touristen gelockt werden? Strände, Sanddünen und Wolkenkratzer-Baustellen gibt es auch anderswo zur Genüge. "Doha hat nicht viele Sehenswürdigkeiten", befindet sogar die lokale Ausgabe des Stadtmagazins "Time Out" und fährt fort: "Entwicklung und Business waren über die Jahre wichtiger als die Erhaltung historischer Stätten, und dabei ging viel des alten verschlafenen Charmes der Stadt verloren zugunsten des modernen Lebens." Und schließlich befinden die Autoren: "Dohas Charme liegt eher in seinen Menschen, in der gastfreundlichen und offenen Natur der Kataris."
Authentischer als Bahrain oder Abu Dhabi
Die trifft man am ehesten im Souk Waqif. Zum Sonnenuntergang kommen die Männer in die engen gewundenen Gassen und weißgetünchten niedrigen Läden voller Gewürze, Schuhe und Stoffe. Sie sitzen in der nachlassenden Hitze auf Bänken, umgeben von flackernden Laternen und Geschäften mit alten Schiffsmodellen, historischen Fotos und antiken Möbeln und rauchen ihre Shisha. Fremde werden freundlich begrüßt, die Männer in ihren Dishdashas lassen sich gern mit Touristen fotografieren und sind meist zu Small Talk auf Englisch aufgelegt.
Auch wenn der Souk erst kürzlich von der Regierung gründlich renoviert wurde, was zu viel Kritik führte, so ist die Atmosphäre doch um ein vielfaches authentischer als irgendwo in Dubai, Bahrain oder Abu Dhabi. Hier kann man auch günstig arabische Produkte einkaufen – Körbe aus Palmenzweigen, Schals aus Syrien oder Honig aus dem Jemen, dazu itschig-dekoratives wie Gewehrholster, Schnupftabakdosen oder verspielte Parfüm-Flakons. Aber auch das allein ist ebenso wie die einzige Natur-Attraktion, die sogenannte "Inland Sea", wo das Meer in der Wüste direkt auf die Sanddünen trifft, noch nicht Grund für eine Reise nach Katar.
Doch künftig will Doha mit Renommierprojekten glänzen, die das Kommen lohnen sollen. Für 15 Milliarden US-Dollar lässt die Regierung jetzt eine Reihe spektakulärer Museen errichten, nachdem katarische Abgesandte seit Jahren auf den wichtigen Auktionen in aller Welt in großem Stil Artefakte aller Art aufkauften, die jetzt in klimatisierten Lagerhallen in der Wüste auf die Fertigstellung der geplanten Museumsbauten warten.
Eins steht schon: das Museum für Islamische Kunst. Für den Entwurf des Gebäudes mit 5000 Quadratmeter Austellungsfläche wurde eigens I.M. Pei, der 88-jährige chinesisch-amerikanische Star-Architekt, aus dem Ruhestand geholt. Auf einer 12.000 Quadratmeter großen künstlichen Insel an der Corniche ist ein Prachtbau im arabischem Stil entstanden, der im März 2008 eröffnet wird. Gezeigt wird die größte Sammlung islamischer Kunst weltweit, darunter die umfangreichste Kollektion an Antiquitäten. Ein Fotografie-Museum und die Nationalbibliothek, entworfen von Santiago Calatrava, werden hinzukommen – genauso wie viele neue Hotelprojekte.
Statt der heute 7000 soll es bereits 2010 insgesamt 17.000 Hotelbetten geben. "Dann erwarten wir 1,5 Millionen Besucher, davon etwa 30 Prozent Urlauber, heute sind es 960.000 Besucher und nur zehn Prozent Touristen", sagt Daniela Grendene. Die können dann sogar in richtigen Urlaubs-Resorts wohnen, wie sie etwa die Four-Seasons-Gruppe, heute bereits mit einer Edelherberge in der Stadt vertreten, in der Mitte der künstlichen Insellandschaft "The Pearl" errichten will. "Da kommen sicher noch mehr deutsche Familien, die wir jetzt schon zum Jahreswechsel und zu Ostern viel hier haben", hofft Hala Beisha, Sprecherin der Hotelkette.
Dort werden sie aber möglicherweise eine von Dohas neuesten Attraktionen verpassen: die 30 Kilometer lange und sieben Meter breite Fahrradroute entlang der Corniche, die 2008 fertiggestellt werden soll. Damit die Kataris und ihre Besucher auch in den extrem heißen und feuchten Sommermonaten genug Bewegung bekommen, wird die gesamte Strecke ein schattenspendendes Dach erhalten und – Weltpremiere – auf gesamter Länge ständig mit feinem Wassernebel aus gekühltem Grundwasser besprüht. Geld ist ja genug da.
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Der einzige Fakt, der mir aus einer Reportage, in der gezeigt wurde, wie zwei argentinische Polopferde mit dem Flugzeug von Argentinien nach Dubai transportiert wurden, im Gedächtnis haften blieb, ist, dass die Pferde, als sie [...] mehr...
Dicker, höher, teurer - mehr. Man lade einen Journalisten ein, fliege ihn Erster Klasse in die Wüste, bette ihn unter 5 Sternen - und er ist von allen noch so hirnrissigen Plänen restlos begeistert. So begeistert, dass er gleich [...] mehr...
Dazu hätte ich gerne mal eine wissenschaftliche Studie gesehen. Im allgemeinen ist es nämlich so, dass man durch solche Aktionen langfristig genau das Gegenteil erreicht. Zum einen führt die erhöhte Verdunstung zwar vielleicht [...] mehr...
ist blöd. fahrrad rostet. lieber im keller lassen. werde mir kamel zulegen. dann gut. mehr...
Ein Gutes hat die Anlage aber doch – sie trägt zur Änderung des Mikroklimas bei, denn die künstlichen Bewässerungsanlagen sollen dazu geführt haben, dass es dort öfter als sonst regnet. Vielleicht wird man, da sich ein [...] mehr...
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