Angkor Wat sehen und abreisen: Meist bleiben Touristen nur wenige Tage in Kambodscha. Erst seit einigen Jahren, nach dem Ende des jahrzehntelangen Bürgerkriegs, fliegen sie aus aller Welt in das südostasiatische Land, um den Khmer-Tempelkomplex im Dschungel zu erleben.
Nun überlegt die Regierung, eine neue Attraktion für die zahlenden Besucher zu schaffen, und prüft den Antrag des spanischen Unternehmens NSOK Safaris. Der Safariveranstalter mit Sitz in Madrid will seinen Kunden die Jagd in einem Gebiet von mehr als 100.000 Hektar in den Provinzen Ratanakiri und Mondulkiri, im Nordosten des Landes, anbieten. Für die Jäger aus dem Westen will er ein Fünf-Sterne-Dschungelcamp errichten.
"Dies ist erstklassiger Ökotourismus", sagte Dany Chheang vom Landwirtschaftsministerium der Nachrichtenagentur AFP, geplant sei, VIP-Gäste zu beherbergen. "Nach dem Besuch von Angkor Wat können Touristen an den Strand fahren, dann den Dschungel ansehen und jagen gehen." Experten erwägen, die Jagd auf rund 30 Arten von Säugetieren, Vögeln und Reptilien freizugeben, darunter wilde Schweine sowie Hirsche und Guars, eine asiatische Rinderart. Ausländern die Jagd zu erlauben sei wesentlich besser für den Schutz der Tiere als die illegale Wilderei, sagt Dany.
Wilderei, Minen und Abholzung bedrohen die Tierwelt
Tatsächlich ist Wilderei in den Wäldern Südostasiens ein großes Problem. Die Erlöse durch Wilderei und Handeln mit exotischen Tierarten sind eine große Verlockung für die arme Landbevölkerung. So fanden sich lange Zeit Tigerfelle und -zähne, Elfenbein, Affen- und Schildkrötenköpfe auf Märkten in Vietnam und Thailand wieder. "Illegale Jäger verbrennen jeden Tag Dollar", sagt Dany Chheang, "wir haben bisher die Möglichkeiten unserer Ressourcen nicht ausgeschöpft. Jetzt ist die Zeit gekommen." Die Einrichtung eines Jagdreservats sei eine Möglichkeit, die Wilderei zu stoppen.
Die Fauna in Kambodscha ist allerdings zusätzlich stark durch die ungezügelte, illegale Abholzung der Wälder bedroht, die den Lebensraum der Tiere vernichten. Und durch die Millionen an tödlichen Landminen, die nach Jahren des Bürgerkrieges noch immer in vielen Regionen des Landes vergraben sind. Dazu, inwieweit Minen auch eine Gefahr für die westlichen Jagdtouristen darstellen können, haben sich Veranstalter und Behörden nicht geäußert.
Über Tierpopulation ist wenig bekannt
Tierschutzverbände wie der World Wildlife Fund (WWF) sind besorgt über die Pläne der Regierung. Bisher sei wenig bekannt über die Tierpopulation in den beiden Provinzen, sagte Programmmanager Bas van Helvoort, und eine Erlaubnis der Jagd könnte sich fatal auswirken.
"Tierarten zur Jagd freizugeben wird nicht dazu beitragen, sie zu bewahren", sagte van Helvoort der Agentur Reuters. "Dies ist in Afrika gemacht worden, allerdings wird dort sehr vorsichtig ausgewählt und sehr kontrolliert eingegriffen." In der kambodschanischen Region, die als eine der letzten unberührten Wildnisse Südasiens gilt, leben allerdings nicht nur seltene Tiere wie wilde Elefanten und Tiger. Sie ist auch die Heimat zurückgezogen lebender Bergstämme.
Bisher zeigt sich die Regierung den Plänen des Safariveranstalters sehr aufgeschlossen. "Das sind unsere Naturressourcen", sagt Dany Chheang, "zur Nutzung benötigen wir nicht die Erlaubnis von Artenschutz-Experten." Finanz- und Landwirtschaftsministerien arbeiteten noch an den Details, wie Trophäen und Gebühren.
abl
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