Sonntag, 22. November 2009

Reise



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22.01.2008
 

Solartaxi in Neuseeland

Rassige Runde auf der Rennstrecke

Das Solartaxi erkundet das gastfreundliche Neuseeland. Vom dampfenden Erdwärme-Kraftwerk bis zur A1-Grand-Prix-Autorennstrecke - überall werden die Tore schnell für Louis Palmer und sein Gefährt geöffnet, eine Runde auf der Rennstrecke inklusive.

Schon von weitem sehe ich die Dampffahnen des Erdwärme-Kraftwerks von Wairakei. Spontan habe ich die Idee, hier meine Batterien mit umweltfreundlichem Strom zu betanken. Ich halte an der Schranke, überall ist Stacheldraht. "Willkommen im zweitältesten geothermischen Kraftwerk der Welt!", steht auf einem Schild, und blitzartig geht die Schranke auf. In Begleitung von Jim und mit einem weißen Bauarbeiter-Helm auf dem Kopf werde ich im Solartaxi in die sogenannten thermischen Felder geführt: Überall strömt Dampf aus der Erde, und Kilometer lange Leitungen transportieren den Dampf zu mächtigen Turbinen. Die Szenerie mit den vielen Röhren und Leitungen wirkt surreal, wie eine riesige Fabrik oder ein Freiluftlabor. Doch die Funktionsweise ist ganz simpel: Statt Wärme von der weit entfernten Sonne oder aus Kohle zu nehmen, zapft man den Boden an. Aus dieser Wärme produziert die Anlage schon seit über 50 Jahren Strom mit einer Leistung von gut 160 Megawatt, das ist etwa ein Sechstel eines Atomkraftwerks. Die Technik bewährt sich, und in zwei Jahren, so erfahre ich, soll ein weiteres, neues, moderneres Kraftwerk unweit von hier gebaut werden.

Solartaxi macht auf Rennschüssel

Als Nächstes zieht es mich nach Taupo zur Autorennstrecke, wo soeben alles für den internationalen A1-Grand Prix aufgebaut wird. Klimaschutz ist wohl ein Fremdwort hier, denke ich mir, und deshalb muss ich unbedingt hin. Von Weitem dröhnt bereits ohrenbetäubender Lärm von der Teststrecke. Am Empfang liest mir eine nette Dame meinen Wunsch von den Augen ab: Zehn Minuten später, als die Pause beginnt, geht zu meinem Erstaunen die nächste Schranke auf, diesmal die zum Rundkurs, und ich drehe mit John, dem Webmaster des Grand Prix, eine rassige Runde.

Aus Sicherheitsgründen hatte mich die Dame gebeten, nicht schneller als 50 km/h zu fahren. Schade! Trotzdem können wir beide es kaum fassen, wie unkompliziert Neuseeland ist. Zur heutigen Bestzeit reicht es leider nicht ganz. Wenig später sitzt Neel Jani vom Schweizer Team, der die Meisterschaft im Moment anführt, auf meinem Fahrersitz. "Weisch," meint er mit breitem Berner Dialekt, "wir brauchen umweltfreundliche Autos. Und auch wir mit unseren Rennfahrzeugen passen uns an. Jetzt am Wochenende werden wir erstmals in der Geschichte des Grand-Prix-Automobilrennsports Biodiesel tanken!"

Ich fühle mich nach meinen Ausflug zum Grand Prix nun wie ein Rennfahrer und rase vom tiefblauen Lake Taupo aus mit Vollgas bergauf, über den kaum befahrenen Desert Highway, bis in über 1000 Meter Höhe. Surre neben einem verschneiten Gipfel sowie ein Vulkankegel vorbei, und obwohl die Sonne unbarmherzig sticht, bleibt es auch am Mittag unbarmherzig kalt. Die Landschaft ist phänomenal, die Welt zeigt hier ihre schönsten Seiten. Stundenlang sehe ich kein Haus, nur ein paar verstreut liegende Solaranlagen, die die paar Mobilfunkantennen speisen.

Am Überrollbügel festgeklammert

Eines Abends bekomme ich dann eine E-Mail von einer Katja. Sie habe auf SPIEGEL ONLINE von meiner Tour gelesen, und wann ich denn nach Picton komme, sie warte auf mich. Ich schreibe hastig zurück "morgen um 12 Uhr!" und fahre mit dem Solartaxi zum Eingangstor der Feuerwehr von Wellington. Auch dieses Tor geht schnell hoch, und das Solartaxi erhält zwischen den "Fire Trucks" einen sicheren Einstellplatz für die Nacht.

Am nächsten Morgen früh folgt die vielleicht schönste Fahrt mit einer Fähre, die es auf der Welt gibt: von Wellington über den schäumenden Pazifik in den Malborough Sound, ins Dörfchen Picton. Ganz aufgeregt steht Studentin Katja aus Frankfurt an der Pier. Sie sei mit dem Rucksack unterwegs und mache gerade zwei Wochen Halt in Picton. Für zwei Stunden Arbeit pro Tag in einem Backpacker-Hostel könne sie kostenlos übernachten.

Ich nehme sie einen Kilometer weit mit. Mehr liegt leider nicht drin, denn mein Beifahrersitz ist mit der Werkzeugkiste besetzt, da unser Begleitfahrzeug in Sydney auf uns wartet. Und so klammert sie sich seitlich ans Solartaxi und hält sich am Überrollbügel fest.

Willkommen auf der Südinsel!

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