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29.01.2008
 

Sulawesi

Python in Scheiben

Gerösteter Hund gefällig? Oder eine frisch geschnittene Riesenschlange? Auf der indonesischen Insel Sulawesi kommen Urlauber nicht nur mit befremdlich anmutenden Essgewohnheiten in Kontakt. Touristen sind gern gesehene Gäste bei Beerdigungen der Einheimischen.

"Der Schöpfer meint es gut mit uns", sagt Kern Panambunan. Der 25-jährige Student und Reiseführer steht auf einem begrünten Hügel im Tomohon-Hochland auf Sulawesi, gut eine Autostunde von der Küstenstadt Manado landeinwärts gelegen. Er zeigt auf Bohnen und Tomaten, die zwischen den Bananenstauden wachsen. Kohlköpfe gedeihen prächtig zwischen Zimt und Papaya. Im Hintergrund sind Palmenhaine, Reisfelder, Kaffeeanbau und ein paar weidende Wasserbüffel zu sehen.

Das hier lebende Volk der Minahasa kennt sich gut aus in Landwirtschaft und Terrassenanbau. Die Minahasa sind vorwiegend Christen und damit eine Minderheit. In Sulawesi bekennt sich der Großteil der Bewohner zum Islam. Der Markt des Städtchens Tomohon ist nichts für zart Besaitete: Die gerösteten Hunde "stammen nicht von der Straße, sondern von der Zuchtfarm", versichert der Verkäufer. Riesige Papayas und Melonen sprengen die üblichen Größennormen. Kinder kauen Zuckerrohr, eine Oma dreht an der Kurbel und produziert daraus Saft. Ihre Nachbarin raspelt Kokosmark. Auch Kaffee, Tee, Tabak, Vanille und verschiedene Reissorten gehören zum Angebot. Eine Python hängt teils geringelt, teils zerteilt an einem Stand, ein Mann wetzt bereits die Machete. Ein Kilogramm der Riesenschlange kostet umgerechnet zwei Euro.

Beliebtes Ziel für Tauchurlauber

Es sind die Wasserfälle und Höhlen, das angenehme Klima und die freundlichen Menschen, die Reisende ins Hochland locken. Um das Städtchen Tomohon herum sind einige preiswerte Herbergen entstanden, so "The Highland Resort" mit Spa, Restaurant und Lesezimmer für 20 bis 50 US-Dollar (13,30 bis 33,30 Euro pro Nacht) oder "Happy Flower Homestay", wo das Cottage mit Veranda und Vulkanblick ab 25 Dollar (16,70 Euro) zu haben ist. In Gästehäusern ist der Gast auch in der Küche willkommen. Von einer Anhöhe fällt der Blick auf die Bucht von Manado und die Inseln Bunaken, Siladen und Manado Tua, und die Sonne versinkt orangerot im Ozean.

Doch nicht das Tomohon-Hochland, sondern die Tauchgründe haben den Norden Sulawesis bei Urlaubern bekannt gemacht. Eine Pionierin des Geschäfts ist Simone Gerritsen aus Amsterdam, die seit elf Jahren auf Sulawesi lebt. Ihr "Dive Center Thalassa" hat zehn Tauchboote und täglich bis zu 100 Kunden, die die Unterwasserwelt des Bunaken Nationalparks erkunden. Das Tauchzentrum liegt am Hotel "Santika Manado". Die Vier-Sterne-Anlage hat eine Auslastung von knapp 50 Prozent - und das ist schon viel für die besseren Hotels der Insel.

Ein Paar aus Hamburg kommt beim Lunch in der Tauchschule zwischen Palmen und Mangroven ins Schwärmen: "Sichtweite, Tier- und Pflanzenwelt sind so gut wie in der Karibik und auf den Malediven. Hier ist es aber viel preiswerter", sagt er. Und seine Frau ergänzt: "Wo hast Du schon allein 20 Arten dieser possierlichen Seepferdchen?" Zwei Tauchgänge pro Tag, drei Mahlzeiten und Übernachtung in nahen Gästehäusern offeriert die 49-Jährige aus Amsterdam zum Tagespreis ab etwa 60 Euro. In der Region konkurrieren insgesamt 20 Tauchschulen, darunter "Eco Divers" am Hotel "Tasik Ria Resort" bei Manado sowie "Froggies Divers" und "Living Colours Dive" auf Bunaken Island.

Beerdigung als Touristenattraktion

Nicht ums Tauchen, sondern um den Tod dreht sich dagegen das, was Touristen im Dorf Rante Lemo im Toraja-Hochland in Süd-Sulawesi erleben. Mehr als 100 Männer zimmern Tribünen aus Bambusrohr, Schulmädchen in blauen Röcken und hellen Blusen winken ihnen zu. An vielen Häusern wird gewerkelt und ein großer Sarg gezimmert, der mit Schnitzereien versehen ist.

Die Beerdigung ist in einer Woche. Dann müssen die Zuschauertribünen für die bis zu 2000 erwarteten Gäste fertig sein. Die Frau aus dem Dorf starb bereits 2005 im Alter von 65 Jahren. "Sie ruht bis zu den viertägigen Feierlichkeiten einbalsamiert im Haus des Witwers", erläutert Muhammad Haris, Reiseführer einer Agentur, die auch deutsche Veranstaltergäste betreut. Die Familie sei wohlhabend. Es würden daher etwa 30 Wasserbüffel und 200 Schweine geopfert, schätzt Haris. Je mehr Tiere mit dem Beerdigten "in den Himmel fahren" und je mehr Touristen bei der Zeremonie zuschauen, desto größer die Ehre für Hinterbliebenen und Seelenheil des Toten.

Ein paar Ältere probieren bereits den frischen Palmwein, über Holzkohle wird ein schwarzes Schwein gedreht. Eine Frauengruppe bereitet Fisch und Gemüse vor. Schwein im Bambusrohr mit Paranüssen geröstet mundet den Christen hier im Toraja-Hochland. Die Muslime bevorzugen Fisch mit vielen Gewürzen in Bambus. Das Fleisch, das die Trauergemeinde nicht verspeist, erhalten Bedürftige.

Beerdigungszeremonie und Totenkult der Toraja locken schon seit Jahrzehnten Touristen aus aller Welt. Auch wegen der Entlegenheit ihrer Bergregion hat sich das Volk alte Sitten bewahrt, auch wenn die meisten Menschen hier heute offiziell Christen sind. Sichtbar wird der Ahnenkult auch an den geschmückten Gräbern in Höhlen, Felskammern und Haus-Mausoleen.

Tau-Tau-Puppen tragen Seelen der Toten

Die Bergwelt bietet schroffe Kalksteinfelsen und fruchtbare Ebenen. Senkrecht fällt eine graue Felswand ins Tal, wo Brotfrucht, Yucca, Kakao, Paranüsse und Süßkartoffeln wachsen - ein Kunststück, wie die Toraja hier Totenkammern in den Fels gemeißelt haben. Vor den Gräbern stehen geschnitzte Tau-Tau-Puppen, die die Seele des Verstorbenen tragen. Hier bei den Felsgräbern von Lemo nahe des Städtchens Rantepao stehen auch alte Tongkonan-Häuser. Ein paar Souvenirshops verkaufen traditionelle Kleidung und Tau-Tau-Puppen. "Vor zehn Jahren hatten wir mehr Touristen", sagt Saul Angi, der Chef des im traditionellen Stil in den Bergen gebauten Ferienhotels "Toraja Heritage". Höchstens ein Viertel der 120 Zimmer ist belegt.

Wer ganz auf eigene Faust reisen will, braucht viele Wochen, um die Höhepunkte von Sulawesi zu erkunden. Die Fahrt auf dem beschwerlichen "Highway" von Nord nach Süd zum Beispiel ist 2000 Kilometer lang. Ordentliche Unterkünfte gibt es auf der weit verzweigten, gebirgigen Insel in allen größeren Orten. Überlandbusse fahren jedes Dorf an.

Sinnvoll ist auch für Individualreisende ein persönlicher Reiseführer, der am Tag etwa zehn Euro kostet. Die meisten Urlauber bleiben aber eher 14 bis 21 Tage auf Sulawesi und fliegen von Manado aus in den Süden. Auch dort wird kräftig gehämmert und gezimmert: Nahe der Stadt Makassar, die früher Ujung Pandang hieß, entsteht ein massiger Holzschoner, der oben 50 und unten gut 30 Meter lang ist. Die Konstruktion ist "wie zu der Zeit meiner Vorfahren", sagt Mister Samula im Dorf Werange, der zum Volk der Bugis gehört. Die Planken des Lastschiffs bestehen aus Teakholz, andere Teile aus Mahagoni. Der 44-Jährige kennt weder Computer noch Zeichnung. "Ich habe alles hier", sagt er und tippt an seine Stirn. Auf Sulawesi scheint eben manchmal die Zeit stehen geblieben zu sein.

Von Bernd Kubisch, dpa

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