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27.06.2008
 

Tourismus in China

Strich durch die Rechnung

Von Andreas Lorenz, Peking

Kongresse und Messen sind abgesagt, die Visabedingungen hochgeschraubt - China will zu den Olympischen Spielen nur "sichere" Gäste im Land. Diese Politik, aber auch der Tibet-Konflikt und das Erdbeben gehen zu Lasten der Hoteliers im Land: Die Touristen bleiben weg.

Im "Great Wall Sheraton" von Peking herrscht der übliche Betrieb: Im Foyer schwatzen Reisegruppen, vor der Drehtür türmen sich die Koffer. Gleichwohl ist der Empfangsherr nicht zufrieden. "Wir verlieren Gäste", sagt er.

Ihm geht es nicht alleine so. Wenige Wochen vor den Olympischen Spielen ist die Stimmung der Hotelmanager gedämpft, denn die Geschäfte laufen nicht so gut wie erhofft. Ein Grund dafür ist die neue Visapolitik der chinesischen Regierung.

Anders als früher können ausländische Gäste ihre Aufenthaltsgenehmigung nicht mehr einfach im Land verlängern oder sich ohne große Wartezeiten in Hongkong ein neues Visum besorgen. Sie müssen stattdessen in ihr Heimatland zurückfahren, dort zum Konsulat gehen und ein Formular ausfüllen. Die Anträge werden, wie Geschäftsleute berichten, in vielen Visastellen nur sehr widerwillig bearbeitet.

Pekings Regierung will sicherstellen, dass sich nur Ausländer in der Olympiastadt aufhalten, deren persönlichen Hintergrund sie genau kennt – aus "Sicherheitsgründen", wie es heißt. Deshalb wurden in diesem Sommer Seminare, Kongresse, Messen und Großveranstaltungen gestrichen. Und das schmerzt die Hotelbranche.

Hoteliers müssen Preise senken

In vielen Herbergen fehlen Besucher, die Geschäfte laufen schlechter als erwartet, raunen Manager. Im Mai kamen 12, 5 Prozent weniger Ausländer nach Peking als im Vorjahr. Dabei hatten die Wirte im Vorfeld der Olympischen Spiele, die am 8. August beginnen, auf ein glänzendes Geschäft gesetzt.

Das Massenspektakel, so spekulierten sie, würde mehr Touristen als sonst zur Verbotenen Stadt und auf die Große Mauer locken. Experten rechneten mit mindestens acht Prozent mehr Reisenden als im vorigen Jahr. Damals kamen rund vier Millionen in die chinesische Metropole.

Viele neue Gasthäuser entstanden. Insgesamt bietet Peking mittlerweile knapp 5900 Herbergen mit 336.000 Zimmern an.

Doch nun müssen Edelhotels wie Absteigen sogar die Preise senken. Die Zimmerraten in den Vier-, Drei- und Zwei-Sterne-Hotels sind im Vergleich zum April leicht gefallen, errechnete das Pekinger Tourismusamt.

Dies liegt allerdings nicht nur an den veränderten Einreisevorschriften und den abgesagten Veranstaltungen. Offenbar haben auch die Unruhen in Tibet und das Erdbeben in Sichuan die Reiselust gedämpft.

"Juli ist Nebensaison"

So zögern viele Hotels bei einer Stichprobe an einem Vormittag am Donnerstag dieser Woche, Interessenten einen konkreten Preis zu nennen. "Der hängt davon ab, wie viele Zimmer wir gerade vermieten", heißt es stereotyp.

Das "Great Wall Sheraton" jedenfalls verlangt für die erste Woche im Juli 1495 Yuan (rund 139 Euro) für das Standardzimmer pro Tag, inklusive 15 Prozent Steuern.

Im nahen Kempinski-Hotel, in dem das "Deutsche Haus" während der Spiele untergebracht wird, ist das neu renovierte Foyer am Donnerstagmorgen gegen zehn Uhr wie leergefegt. Vor der Tür wird gebaut, Gäste müssen durch einen Seiteneingang. Gewöhnlich ist das Hotel um diese Tageszeit voller Leben.

Hier kostet das Zimmer in der ersten Juli-Woche rund 181 Euro, vielleicht werden es aber auch 209 Euro, inklusive Steuern, sagt die Rezeptionistin. Man sei aber zufrieden mit der Zahl der Gäste, versichert sie. "Juli ist ohnehin Nebensaison."

Das bestätigt Empfangsherr im benachbarten Hilton-Hotel. "Wir haben eine Auslastung von 96 Prozent", sagt er. Gäste müssen hier in dieser Woche 250 Euro für das Standardzimmer hinblättern. In den nächsten Tagen wird es zeitweise um über hundert Euro billiger. Am 4. Juli zum Beispiel kostet ein Zimmer 146 Euro.

Strich durch die Hotelrechnung

Zu den Spielen erwarten die Pekinger neben zwei Millionen Chinesen 450.000 bis 500.000 ausländische Gäste. Unklar ist, ob wirklich so viele kommen werden. Viele Spitzenherbergen sind zwar bis zum Dach ausgebucht, doch oft handelt es sich um Blockreservierungen, hinter denen Behörden und Sponsoren stecken.

"44 Prozent der Zimmer in den Vier-Sterne-Hotels und über 77 Prozent in den Fünf-Sterne-Hotels werden vermietet werden", schätzt Zhang Huiguang, Direktor der Pekinger Tourismusverwaltung.

Wenn es so weitergeht, dürfen die Hoteliers im August nicht so viel Geld kassieren wie erhofft. Um das Zehnfache des normalen Preises wollten manche ursprünglich von den Olympia-Gästen fordern.

Das hübsche Yong-An-Hotel ganz in der Nähe der Beach-Volley-Wettbewerbe im Chaoyang-Park wird nach Auskunft einer Empfangsdame während der Spiele 425 Euro die Nacht verlangen (derzeit sind es um die 76 Euro), das "Great Wall Sheraton" circa 542 Euro (derzeit knapp 140 Euro).

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