Tauch-Trend: Schnorcheltour zum Weißspitzen-Hai

Von Linus Geschke

Bizarre Rochen, massige Dugongs, singende Buckelwale: Schnorchel-Touristen suchen den Kick ohne jede Hightech-Ausrüstung. Nur mit Flossen und Brille ausgerüstet, nähern sie sich sogar Riffhaien. SPIEGEL ONLINE zeigt die besten Reviere.

Tropische Gewässer, dazu ein Riff, prächtig bewachsen und umgeben von einem prallen Fischleben - so sehen die Traumziele für viele Schnorchler aus. In den oberen Riffregionen, die am intensivsten von der Sonne durchflutet werden, ist das Leben am buntesten: Oftmals bekommen Schnorchler an der Oberfläche sogar mehr zu sehen als Taucher, die 30 Meter unter ihnen durch die Tiefe schweben. Auch dann, wenn es um die größten Lebewesen unseres Planeten geht.

Eines der besten Schnorchelreviere weltweit liegt vor der Haustür des Barakuda Diving Centers in der Lahami Bay, tief im Süden Ägyptens. In der flachen und von Seegras durchzogenen Bucht am Roten Meer leben Exoten wie der Geigenrochen, eine fossil wirkende Mischung aus Hai und Rochen, der sich von Weichtieren, Krebsen und am Boden lebenden Fischen ernährt.

Die Stars der Bucht sind jedoch die zur Ordnung der Seekühe gehörenden Dugongs, sanftmütige Riesen von rund drei Metern Länge und gut 400 Kilogramm Gewicht, die sich ausschließlich von Pflanzen ernähren. In früheren Zeiten hat man sie oft mit Meerjungfrauen verwechselt - was trotz ihres knuffigen Aussehens aber eher durch Rum-Konsum des Betrachters erklärbar sein dürfte. "Taucher bekommen sie kaum zu Gesicht", sagt der Baseninhaber Mahmoud Abd Hady. "Die scheuen Tiere fliehen meist vor den Atemgeräuschen der Lungenautomaten: Hier sind Schnorchler klar im Vorteil."

Mehr als 60 Spots vor Curaçao

Schnorcheln gilt schon lange nicht mehr als "Tauchen light", dem keine besondere Beachtung geschenkt wird: Heute bieten Hersteller von Tauchequipment spezielle Masken, Schnorchel und Flossen als Einstiegssets an. Tauchbasen offerieren geführte Schnorcheltrips zu besonders interessanten Riffen, und im Buchhandel erscheinen regelmäßig neue Titel, die sich mit dem Thema beschäftigen. Schnorcheln liegt im Trend - und auch die Tauchreiseveranstalter haben den Markt für sich entdeckt.

Ein paar tausend Kilometer entfernt, im südlichen Teil der Karibik, liegen Bonaire und Curaçao - zwei Inseln, die wie geschaffen für Schnorchelausflüge sind. Um beide Eilande herum zieht sich fast durchgängig ein vorgelagertes Saumriff. Alleine Curaçao hat mehr als 60 Spots für Schnorchler zu bieten, die von der Küste aus erreicht werden können.

Besonders beliebt ist das "Tugboat" im Südosten der Insel: ein kleines Wrack, welches wenige Meter vom Ufer entfernt in nur fünf Metern Wassertiefe liegt. Dicht an dicht wachsen Hirnkorallen und Röhrenschwämme in Rot, Grün und Gelb, zwischen denen sich Muränen, Trompetenfische und Fahnenbarsche tummeln. Ein Unterwasserparadies, umschlossen vom 27 Grad warmen Wasser der karibischen See.

"Gerade bei Kindern oder dem nicht tauchenden Teil eines Elternpaares ist Schnorcheln groß in Mode gekommen", sagt Bianca Schaff vom Fremdenverkehrsamt Curaçao. "Diesbezügliche Anfragen nehmen von Jahr zu Jahr zu, Schnorchler sind zu einem wichtigen Tourismusfaktor geworden."

Die großen Drei: Hai, Manta und Wal

Haie und Mantas haben für den Taucher und Schnorchler den gleichen Stellenwert wie Löwe und Nashorn für den Safaritouristen: Man muss sie einmal gesehen haben! Besonders gut sind die Chancen darauf im Inselparadies schlechthin, auf den Malediven. Genauer gesagt: im Ari-Atoll. Noch genauer: auf Angaga, verrät Marketingleiterin Andrea Jasper vom Münchner Tauchreisespezialisten Sub-Aqua: "In der Lagune tummeln sich oftmals Babyhaie, am Hausriff trifft man auf bis zu zwei Meter große Weißspitzen-Riffhaie. Wer ein wenig Glück hat, sieht hier auch Mantas majestätisch am Abhang entlanggleiten."

Mit Haien im Wasser - ist das nicht gefährlich? "Nein, nein", winkt Jasper lachend ab, "wir veranstalten jetzt seit 37 Jahren Tauchreisen und hatten noch nicht einen Kunden, der von einem Hai angegriffen wurde. Von Riffhaien schon mal gar nicht: Die haben mehr Angst vor uns als wir vor denen."

Übertreffen kann man das Ganze nur noch, wenn man sich zu den größten Bewohnern des Planeten ins Wasser begibt: Exkursionen hin zu Walen, denen man sich nur mit Maske, Schnorchel und Flossen bewaffnet vorsichtig nähert. Ob in Mexiko, Französisch-Polynesien, den Azoren oder der Dominikanischen Republik: Taucher bleiben hier meist außen vor, ihre Atemgeräusche würden die ebenso großen wie scheuen Säugetiere zu oft vertreiben.

Selbst Meeresforscher unterstützen den "sanften Waltourismus": Wer sie einmal aus der Nähe gesehen hat, der versteht, wie schützenswert diese imposanten Lebewesen sind.

Bei den Touristen besonders beliebt sind Buckelwale, deren feine Gesänge man schon lange hört, bevor sie ins Blickfeld der Schnorchler kommen. Wird eine Gruppe gesichtet, fährt das Boot in die Richtung voraus, in die die Schule zieht, und lässt sich mit ausgeschaltetem Motor treiben.

Sollten die Wale den Kurs beibehalten, gleiten die Schnorchler vorsichtig ins Wasser: Wie ein U-Boot schält sich der knapp 30 Tonnen wiegende Wal aus dem tiefen Blau, die übergroßen Brustflossen, Flipper genannt, leicht nach unten geneigt. Bei vielen Begegnungen weiß man nicht, auf welcher Seite die Neugierde größer ist - beim Menschen oder beim Wal? Wie auch immer: Übrig bleiben Eindrücke, die man wohl nie vergisst.

Mit Adrenalin den Bach herunter

Wer weitere Schnorcheltrips mit Adrenalingarantie sucht, der muss dafür nicht in die Ferne schweifen, da genügt ein Ausflug in die Schweiz: Wie ein scharf geschnittenes V zieht sich im Kanton Tessin, unweit des Örtchens Vogorno, das Tal durch ein gewaltiges Bergmassiv. In dessen Mitte: der Gebirgsfluss Verzasca. Riesige Steine schaffen Stromschnellen, tosend und Gischt versprühend, die sich mit ruhigen Becken abwechseln - eine Unterwasserlandschaft, wie von Meisterhand aus Granit gehauen. Das Wasser schimmert glasklar, unter Vorsprüngen lauern silbrig glänzende Bachforellen auf Beute.

"Schnorcheln in tropischen Gewässern, das kann doch jeder", sagt die Bonnerin Regine Webling, die mit ihrem Mann Guido jedes Jahr dort ist. "Aber hier, bei der Strömung und dem maximal zehn Grad warmen Wasser, da ist das eine ganz andere Nummer." Spricht's und springt wieder in das kühle Nass zurück - immer den Bach hinunter.

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  • Datum: Dienstag 31.03.2009 | 06:30 Uhr
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