Mittwoch, 10. Februar 2010

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20.04.2009
 

Deutsche in Namibia

Königsberger Klopse am Wüstenrand

Doppelkorn in der Bacchus-Taverne, Fassbier im Brauhaus: In Namibia sorgen deutsche Unternehmer dafür, dass sich ihre Landsleute ein bisschen wie zu Hause fühlen können. Zumindest so lange, bis sie Warzenschweinen und Kudu-Antilopen begegnen - oder die Slums am Stadtrand besuchen.

Windhuk - Der Lastwagen mit lärmenden Schulkindern auf der Ladefläche lässt eine Staubwolke hinter sich. Eine Gruppe Paviane hüpft blitzschnell über die breite Sandpiste. Uwe Schulze Neuhoff muss nicht bremsen. Der Ingenieur aus Nordrhein-Westfalen, der heute in Namibia zwischen Wüste und Naukluft-Massiv eine Farm so groß wie die Fläche von München hat, sagt: "Die Affen sind flink und intelligent. Denen passiert nichts."

Warzenschwein, Oryx, Kudu und andere Antilopen rennen eher mal ins Auto. Touristen sollten deshalb sehr vorsichtig fahren, vor allen Dingen nachts. Der Deutsche ist ein besonders versierter Pisten- und Wüstenlenker. Deshalb gehören zu seinen Fahrschülern auch Mitarbeiter der Deutschen Botschaft im vier Autostunden entfernten Windhuk. Geübt wird auf schwierigen Strecken der riesigen Ranch.

Auf der Veranda der "Ababis"-Farm wird Abendessen serviert. Mehr als ein Dutzend Urlauber aus Deutschland, der Schweiz und Südafrika sitzen an dem langen Tisch. Gastgeber Uwe und Ehefrau Kathrin, die aus dem Raum Dortmund stammen, gesellen sich dazu. Köchin Hulda vom sprachbegabten Volk der Nama hat Kürbissuppe, Königsberger Klopse vom Kudu und Feigen zubereitet. Sie spricht gut Deutsch. "Das habe ich gern gelernt, einfach so, war nicht schwer", sagt sie und lächelt.

Streit um eine Jungantilope

Die Kinder spielen draußen. Nun drängeln sie. Alle wollen dem Springböckchen Susi den Nuckel mit der Milchflasche ins Maul schieben. "Immer langsam", sagt die Ehefrau des Farmers. Dann erzählt sie von dem possierlichen Tier, das sich auch mit den beiden stämmigen Haushunden angefreundet hat. "Wir fanden Susi kraftlos an einem unserer Zäune." Die kleine Antilope wurde ohne leibliche Mutter groß, ist inzwischen ausgewachsen und guter Dinge.

Zahlreiche Deutsche haben in den vergangenen Jahren in Namibia eine neue Heimat gefunden. Sie folgten ihren Landsleuten, die sich vor hundert und mehr Jahren zu Kaisers Zeiten in der Region niederließen, als diese noch Kolonie war und Deutsch-Südwestafrika hieß. Danach stand die Region unter der Verwaltung des Nachbarn Südafrika, bevor Namibia 1990 unabhängig wurde.

Urlaub auf einer Touristenranch oder Jagdfarm im Lande wird immer beliebter, auch die ZDF-Doku-Soap "Unsere Farm in Afrika" dürfte das Interesse verstärkt haben. Die Mischung aus Entspannung, Einsamkeit ohne Entbehrung sowie Abenteuer abseits großer Nationalparks und Luxus-Camps hat ihre besonderen Reize. Fast jeder Viehfarmer in Namibia hat inzwischen den Fremdenverkehr als zweites Standbein entdeckt. Viele Gäste faulenzen zwischen Palmen und blühendem Hibiskus am Swimmingpool. Ausritte, Wanderungen zu Höhlen, Tierpirsch und Wüstenfahrten gehören zu den Aktivitäten.

"Namibia ist ideal für Afrika-Einsteiger", sagt Ernst Sauber, ein Nachbar der Schulze Neuhoffs. "Das Land ist stabil und relativ sicher. Straßen, Hotels und Lodges sind für afrikanische Verhältnisse gut, Landschaften und Tierwelt vielfältig und attraktiv." Der Chef der 40 Kilometer entfernten Nachbarfarm "BüllsPort" lebt hier in dritter Generation. Sein Großvater stammt aus Schleswig-Holstein.

Viel Platz für Naturfreunde

"BüllsPort" ist eine der ältesten Farmen in Namibia und besonders bei Wanderern und Reitern beliebt. Namibia hatte in den vergangenen Jahren einen kräftigen Touristenzuwachs. Aber es gibt noch reichlich Platz. Das Land ist mehr als zweimal so groß wie Deutschland, hat aber nur gut zwei Millionen Einwohner.

Sauber ist Hauptinitiator einer kleinen Farmergruppe am Naukluft, die nachhaltigen Tourismus fördert und Einheimische ausbildet, zum Beispiel als Berg- und Naturführer. "Naukluft Experience" heißt die Initiative, in der auch Familie Schulze Neuhoff engagiert ist. Auf Nabasib, wo die Kinder zur Schule gehen, ist vor wenigen Wochen eine Solaranlage installiert worden. Schüler der Heinrich-Hertz-Schule in Hamburg haben dafür Geld gesammelt. Durch die Solaranlage kann die Schule nun auch die gespendeten Computer benutzen.

Gut zwei Autostunden sind es von Ababis bis zur nächsten Asphaltstraße, insgesamt drei nach Swakopmund am Atlantik. Mancher Farmer donnert mit Tempo 130 auf geraden Abschnitten über die breite Sandpiste. Wer langsam fährt, kann besser Oryx, Kudu, Schakal und Großtrappe beobachten. Am Berghang sind ein paar gestreifte Flecken zu sehen: Bergzebras, wie der Blick durchs Fernglas zeigt.

Trotz eher karger Landschaft ist die Fauna recht üppig im zentralen Namibia - weit entfernt vom Estosha Park im Norden, der zu den tierreichsten Afrikas zählt. Weit und breit kein anderes Fahrzeug im Sand, aber ein einsames Straßenschild mahnt: Höchstgeschwindigkeit 100!

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