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20.04.2009
 

Deutsche in Namibia

Königsberger Klopse am Wüstenrand

2. Teil: Deutsche Gemütlichkeit in Swakopmund

Wer für ein paar Tage Zeugnisse deutsch-afrikanischer Geschichte erleben will und dazu echt deutsche Gemütlichkeit, der ist im nahen Swakopmund gut aufgehoben. Die Stadt hat heute etwa 40.000 Einwohner und war früher wichtiger Hafen für Einwanderer aus Deutschland und die Kolonialverwaltung. Die See ist rau, der Wind peitscht Wellen und Gischt. Saubere Straßen und schmucke Häuser, viele im Kolonialstil, prägen den Stadtkern. Die Wüste beginnt am Stadtrand.

Bratwurst, Geräuchertes und Sauerkraut munden Einheimischen und Touristen in der "Swakopmunder Fleischerei" des deutsch-namibischen Paares Katja und Gero Düvel. Die beiden Metzgermeister sprechen mit ihren Kunden Afrikaans, Englisch und Deutsch. Sie stammt aus Meerane in Sachsen und hat ihren Gero in Bayern kennengelernt. Der hat deutsche Wurzeln, ist auf der elterlichen Farm bei Windhuk aufgewachsen und hat auch schon in Düsseldorf gearbeitet.

Der Laden liegt in guter Nachbarschaft im historischen Zentrum der Stadt. In der Nähe finden sich die "Adler Apotheke", der "Supermarket Ankerplatz" und das Haus "Stadtmitte" in schmuck renovierten Gebäuden. Im nahen "Swakopmund Brauhaus" munden Fassbier und Kräuterlikör.

Die Kudu- und Rindersteaks sind saftig und groß. In der Bacchus-Taverne diskutieren Wirt Thomas Welte aus Villingen und Dr. Moisel aus Zittau, Arzt und engagiertes Mitglied im Swakopmunder Männergesangverein, warum es in Deutschland so stressig und hektisch ist. Beide sind recht stolz auf ihre neue Heimat. Namibia mit gemäßigtem Klima und frei von Naturkatastrophen gehört zu den politisch stabilsten Ländern in Afrika. "Aus Urlaubern werden Einwanderer", sagt der Wirt lächelnd zu einem Gast aus Berlin.

Wer der Isolation durch das Vertraute entfliehen und Bars und Kneipen erkunden will, in denen die Ärmeren trinken und palavern, muss an den Rand der Stadt in die Slums, am besten mit einem Führer wie Raymond Inichab. Der Chef von Hata Angu Cultural Tours spaziert mit Gästen aller Hautfarben und Nationen durch die Vorstadt Mondesa, besucht Kindergarten, Nama-Medizinmann, Hütten und Häuschen von Herero, Damara und Ovambo und auch eine schlichte Kneipe. Die Kommune bemüht sich um öffentliche Toiletten, Straßen und Schulen.

Die Touristenbesuche sind behutsam organisiert, unter Mitsprache der Bewohner. Raymond sagt: "Wer seinen Mund öffnet, auch von sich erzählt, der ist hier willkommen, kann auch problemlos fotografieren und filmen."

Berühmtes Kudu-Baby Kambi

Gut drei Autostunden sind es von hier nach Windhuk. Wer immer noch nicht genug von der Natur hat, übernachtet auf der "Gästefarm Elisenheim" mit Herbergszimmern und Campingplatz etwas außerhalb. Ein Kudu-Weibchen stolzierte früher durch die große Tür ins rustikale Restaurant mit Bar und stupste manchmal den einen oder anderen Gast vorsichtig an die Schulter.

"Wir hatten das Kudu-Baby mit der Flasche aufzogen", erzählt Ziehvater Andreas Werner. Als Kudu Kambi eigenen Nachwuchs bekam, machte das vor gut einem Jahr sogar im Internet bei Namibia-Fans Schlagzeilen. Andreas Werner und Ehefrau Christina sind in Namibia geboren. Sein Vater stammt aus Hamburg, sie hat preußisch-bayerische Wurzeln. Das Paar ist seit 1983 auf der Farm und hat sie für Gäste ausgebaut.

Blickfang sind riesige Eukalyptusbäume, die durch das Restaurantdach ragen. Steinböcke, Warzenschweine und Paviane begegnen "Elisenheim"-Gästen bei Spaziergängen und Farmfahrten, und meist auch Kudu-Antilopen. Kudu-Dame Kambi, die viele Jahre zwischen Farm, "Restaurantbesuch" und Ausflug in die Wildnis pendelte, ist unlängst leider gestorben.

Deutlich nobler geht es in der Innenstadt zu. Sehen und gesehen werden ist wichtig im "Nice" an der Mozartstraße, wo junge Aufsteiger und die jung gebliebene Elite des Landes an Sekt und Rotwein nippen oder ein Oryxsteak genießen. Zum modernen Restaurant mit Bar gehört auch eine Fachschule für feine Küche, in der junge Namibier ausgebildet werden.

"Das Land braucht mehr eigene Leute in gehobenen Positionen", sagt Stephan Brückner, dessen Großeltern aus Deutschland eingewandert sind. Dann zeigt der 43-jährige Manager, der auch in Berlin studiert hat, auf die vollen Plätze im Raum der Bar und meint: "Es gibt auch immer mehr Schwarze mit Geld. Das ist sehr gut für die Zukunft Namibias."

Bernd Kubisch, dpa

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