Fünf Monate einsame Insel: Robinson Crusoe light

2. Teil: Fidschianische Beule am Bein

Fidschi: Die Möglichkeit einer Insel
Fotos
Adrian Hoffmann

Gesellschaft leistet uns Herby, eine Babyschildkröte, die wir am Strand aufgelesen haben, als sie allein vor sich hinkrabbelte. Offenbar ein Nachzügler, die Geschwister hatten bereits das Korallenriff erreicht. Wir entschieden uns, die Schildkröte aufzupäppeln.

In einer 30 Liter fassenden Plastikwanne legen wir ihr einen Privatpool an, mit Algen und Korallen. Wir füttern sie mit winzigen Stückchen Fisch, die wir ihr mit einer Pinzette vors Maul halten. Ganz schön verfressen, so eine Babyschildkröte.

Nur einmal gerät unser Unternehmen in Gefahr: An meinem rechten Oberschenkel entzündet sich eine Wunde. Keine Ahnung, wie es dazu kam. Ein riesiger Eiterabszess, der irgendwann so schmerzt, dass ich mich kaum noch setzen kann. Meine Frau verpasst mir Antibiotika und sticht die Wunde auf. Ekelhaft. Zurück bleibt ein tiefer Krater, der zum Glück schnell abheilt. Fidschianische Beulen werden die Dinger genannt, erfahren wir später. Das soll es öfter geben.

Wenn wir das nicht in den Griff bekommen hätten, hätten wir ein Problem gehabt. Die Reise zu einem Krankenhaus dauert mindestens einen Tag. Ob sie dort qualifizierte Ärzte haben, ist fraglich. Wer sich für die einsame Insel entscheidet, muss eben ein gewisses Risiko eingehen.

Adios Meeresschildkröte

Unsere fünf Monate in der selbst gewählten Isolation ziehen so schnell vorbei wie die Wolken über die Palmen. Die Einsamkeit gefällt uns. Manchmal reagieren wir regelrecht paranoid in unserem Paradies. Bilden uns das Geräusch eines Motorboots ein. Springen auf, holen ein Fernglas und beobachten, wer denn kommen könnte. Niemand. Es ist nur das Rauschen der Wellen.

Was uns nach dieser Zeit bleibt, ist neben einem Gefühl der Sehnsucht eines des Glücks. In den letzten Tagen saugen wir noch mal jedes Detail in uns auf. Das Buschmesser, wie es in der Palme steckt. Die Hängematte, deren Schatten in der Abendsonne übers Gras fällt. Abends stehe ich auf der Sandbank und schaue zum Haus. Links das Meer, rechts das Meer. Ich sehe die Kerzen auf der Veranda leuchten, über mir den Sternenhimmel. Der Abschied ist voller Wehmut.

Vor allem fällt es uns schwer, die kleine Babyschildkröte ins weite Meer zu entlassen. Unser Futter hat ihr anscheinend gemundet: An dem Tag, an dem wir uns voneinander trennen, ist Herby doppelt so groß wie zu Beginn.

So ziemlich jeder prophezeit, dass uns die Rückkehr ins alte Leben schwer fallen wird. Ehrlich gesagt: Wir wissen es noch nicht. Es war ja keine Flucht vor irgendwas, das alte Leben war nie schlecht. Wir wollten auf einer Insel leben, weil wir das Bedürfnis nach einem Abenteuer hatten. Wir hoffen, dass wir ein wenig von unserer neuen Gelassenheit mit nach Deutschland nehmen können. Denn was der Mensch wirklich braucht, wissen wir jetzt: Wasser, Fisch, Sonne - und ein bisschen Fijitime.

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  • Datum: Dienstag 18.08.2009 | 06:22 Uhr
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