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10.09.2009
 

Touristenpolizei in Thailand

Auf Rotlicht-Streife mit Hilfssheriff Krause

Von Thilo Thielke

Pattaya: Ordnungshüter im Rotlichtviertel
Fotos
Nick Nostitz / Agentur Focus

Eine Truppe ausländischer Feierabend-Cops sorgt im berüchtigten Rotlichtviertel von Pattaya für Ordnung. Sie haben es mit Betrügern, Taschendieben und Randalierern zu tun - doch seit die Zahl der Touristen massiv zurückgeht, ist ihr Job oft ziemlich öde.

Hilfssheriff Christian Krause hat wieder einmal alles im Griff. "Alles Roger", sagt er und blickt zufrieden um sich. Dann entdeckt er doch noch etwas: Eine zierliche Blumenverkäuferin hat mit ihrem Strauß roter Rosen den Bordstein verlassen. "Streng verboten", sagt Krause knapp und scheucht die Dame mit einer energischen Handbewegung zurück, niemand darf hier belästigt werden. Krause blickt sich um. Alles friedlich. Kaum Besoffene. Kein Krawall. Und die Mädchen stehen in Reih und Glied auf dem Bürgersteig - ganz wie es sein soll. "Na, das verspricht ja eine ruhige Nachtschicht zu werden", sagt Krause.

Das war nicht immer so. Früher ging es hier auch mal ganz schön rabiat zu, "drunter und drüber", erinnert sich Krause, 65, aber seit er und seine Kollegen abends auf Pattayas Flaniermeile, der berüchtigten "Walking Street" patrouillieren, ist es ruhiger geworden. Seit zehn Jahren also ungefähr; so lange gibt es diese Truppe in den schwarzen Uniformen, an denen bunte Polizeiabzeichen funkeln, nämlich schon.

"Ja, kann man so sagen", bestätigt Krause und schaut misstrauisch durch die Fensterscheibe des "Silver Star A GoGo", "seit wir von der Touristenpolizei hier sind, haben sich die Wogen geglättet". Im Silver Star tanzen zwei Schönheiten an der Stange, wie jede Nacht. Die Hocker vor den Nackttänzerinnen aber sind leer. Keiner, der den Damen einen Geldschein in den Bikini steckt. "Arme Mädchen", findet Krause.

Totentanz im Rotlichtviertel

Seit im Dezember der Flughafen von Bangkok durch Demonstranten lahmgelegt wurde, lahmt das Tourismusgeschäft im ganzen Land, auch in Pattaya. Früher kamen sechs Millionen Fremde pro Jahr allein hierher. Jetzt aber herrscht meistens gähnende Leere. "Die Besucherzahlen aus Russland, Deutschland und England sind um die Hälfte gesunken", schreibt das deutschsprachige "Pattaya-Blatt", "aus Südkorea kommen nur noch fünf Prozent, während chinesische Urlauber ihre Thailandreisen komplett storniert haben."

Ruhe und Ordnung ist ja gut und schön, dafür ist Krause schließlich zuständig. Aber so? "Nee", sagt Krause, "das ist ja ein Totentanz hier". Krause lebt seit 30 Jahren in Pattaya, er spricht fließend Thai. Er kennt das hier in- und auswendig. In Thailand will der Weltenbummler alt werden. Mit Anfang 20 hat er seine polnische Heimatstadt Zabrze, das einstige oberschlesische Hindenburg, verlassen und zog als Koch in der Welt herum. Jetzt hat er eben auch diesen merkwürdigen Zweitjob hier bei der Polizei.

Denn irgendwann hatten die thailändischen Ordnungshüter die Sache mit den vielen Fremden auf der sündigen Meile nicht mehr so richtig in den Griff bekommen. Die Besucher sprachen nicht thailändisch, die Thais sprachen nicht englisch oder deutsch oder schwedisch. Abend für Abend gab es Randale und ratlose Gesichter und Anzeigen, deren Abfassung wegen der Sprachbarrieren viel Zeit und Nerven kostete. Und dann kam einem genervten Polizisten im örtlichen Revier diese Idee mit den Ausländern. Die könnten sich doch nützlich machen. Oft ist es schließlich mangelnde Kommunikation, die den Frieden stört - ein Versuch war es jedenfalls wert.

Mit Feierabend-Cops gegen die Sprachbarriere

20 Mann ist die Truppe mittlerweile stark, es sind Deutsche darunter und ein Österreicher, Engländer, Italiener, Franzosen, auch Pakistaner, Inder und Chinesen. 16 Sprachen werden in der Freiwilligenformation mittlerweile gesprochen. Nur Pistolen dürfen die Feierabend-Cops nicht tragen, und sie bekommen kein Geld für ihren Einsatz - es sei denn, sie werden als Ordnertruppe bei einer Großveranstaltung engagiert.

Das mit der Pistole wurmt natürlich ein bisschen. Krause hat schließlich neben einer "Fallschirmspringerschulung bei der Thai-Navy" auch eine Ausbildung im Pistolenschießen gemacht, "aber dafür ist die Uniform mit den vielen Abzeichen klasse". Und auch die Kollegialität. Gerade kommen zwei Schweden vorbei. Krause klopft den beiden kumpelhaft auf die Schulter. "Der eine", raunt er, "war sogar mal richtiger Polizist." Der Muskelmann ist ein bisschen der Star der Abteilung, auch wenn seine James-Bond-Manieren manchen Kollegen etwas auf den Geist gehen.

Womit Krause so zu tun bekommt? "Es gibt Mädels, die schmieren schon mal gern K.o.-Tropfen auf ihre Brustwarzen. Da droht also Gefahr." Dann: "Die Taschendiebe in den dunklen Bars, der Schmu mit dem Wechselgeld und der Trick mit dem Bierpreis." Draußen am Eingang verkündet ein Plakat: "Ein Bier für 40 Bath". Gemeint ist eine Flasche, drinnen wird aber Gezapftes serviert, und das ist gleich doppelt so teuer. "Da kann man nicht viel machen", sagt Krause, "müssense halt die Schilder besser lesen."

Chinesen mögen Russinnen, Russen saufen

Ansonsten gilt für die ehrenamtlichen Cops "Null Toleranz bei Drogen und Pädophilen". Krause hat jetzt den arabischen Bezirk erreicht, wo es sich manche Muslims fern der Heimat mit Bier gut gehen lassen. "Mit den Arabern gibt es an und für sich keine Probleme", sagt Krause, "die sind hier eher Opfer als Täter: Mal wurden zwei von einem Haufen deutscher Ingenieure vermöbelt, und einmal hatte ein Barbetreiber ein Schild mit dem Spruch ,No arab, no pigs' draußen aufgehängt." Das musste sofort entfernt werden. Seitdem ist die Lage angespannt, aber ruhig.

Friedliche Koexistenz herrscht auch im angrenzenden Russenviertel. Vor dem "B 52" räkeln sich zwei kaukasische Schönheiten. "Die überwintern hier", weiß Krause, und erklärt die Vorlieben einzelner Besuchergruppen. "Die Chinesen und Koreaner wollen Russinnen, die Deutschen und Engländer stehen mehr auf die Einheimischen, und die Russen saufen. So gibt es wenig Probleme."

Es ist ein Uhr durch. Keine besonderen Zwischenfälle. Pattaya ist an diesem Abend weitaus besser als sein Ruf. Und Krause fühlt sich geschmeichelt. Dass es so ist, ist ein bisschen auch sein Verdienst. Und der der besseren Kommunikation.

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Last Exit ...

In die Südsee, Karibik oder an den Pazifik? Ans Kap der Guten Hoffnung oder nach Koh Lanta? In den Moloch von Bangkok oder Peking? Deutsche Auswanderer machen ihren Traum von einem neuen Leben wahr.

Was treibt sie um? Was wollen sie in der Ferne? Fragen, denen SPIEGEL-Korrespondent Thilo Thielke in seiner Kolumne "Last Exit ... " nachgeht.





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