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11.12.2009
 

Fußball-WM-Stadt Nelspruit

Legenden am Lagerfeuer

Von Karl-Ludwig Günsche, Kapstadt

Nelspruit im Nordosten Südafrikas ist die kleinste Stadt unter den Fußball-WM-Austragungsorten. Doch das touristische Angebot ist riesig - inklusive der unterschiedlichsten Abenteuer-Touren im Kruger-Nationalpark und einem Besuch beim Häuptling im Shangaan-Dorf.


Die drei Frauen des Königs haben groß aufgekocht. Gebackenes Krokodil und Mopani-Würmer gibt es als Vorspeise. Dann kommen in eisernen Töpfen und selbst gebrannten Tongefäßen Spezialitäten wie glasierte Süßkartoffeln, wilder Spinat, frisches Maisbrot und der traditionelle Mieliepap auf den Tisch, ein Brei aus Maismehl. Immer wieder ermuntert Chief Israel Ngobeni seine Besucher, doch auch beim selbst gebrauten Bier kräftig zuzulangen. Das säuerliche Gebräu ist gewöhnungsbedürftig, aber erfrischend.

Chief Ngobeni gerät ins Erzählen. "Um das Land meiner Vorfahren für mein Volk zu sichern, musste ich in meiner Jugend hart kämpfen," sagt der 80-Jährige und zeigt wulstige Narben am linken Arm und am Bein vor. "Am Arm hat mich ein Pfeil getroffen, das Bein ist von einem Speer zerschmettert worden." Mit ungebeugter Würde trägt er traditionelle Stammestracht aus bunten Stoffen, Federn und Antilopenfellen. "An Feiertagen ziehe ich allerdings mein Leopardenfell an", erklärt er Besuchern stolz. "Den Leoparden habe ich natürlich selbst erlegt. Das ist bei uns so Sitte."

Chief Ngobeni lebt mit seinen drei Frauen und einigen seiner 36 Kinder im Shangaan Cultural Village, rund eine Autostunde von Nelspruit entfernt, mit 24.000 Einwohnern die kleinste der neun Austragungsstädte der Fußball-WM 2010. Es ist ein beschauliches Leben. Unter hohen Bäumen stehen die mit Ried gedeckten Rundhütten um einen großen Feuerplatz. Abends am Feuer erzählen die Shangaan sich wie seit Jahrhunderten Geschichten über das Leben, die Vorfahren, die Tiere und die Menschen.

Zwei bis drei Millionen Shagaans sollen noch in Südafrika leben. Um ihre Kultur für die kommenden Generationen zu bewahren, haben sie das Cultural Village errichtet. Obwohl sie Besuchern immer offen steht, ist die kleine Ansiedlung kein Museumsdorf, sondern Lebensmittelpunkt und Arbeitsplatz für den Häuptling und seinen kleinen Clan.

Immer wieder die Big Five

Das Shangana Cultural Village gehört zweifellos zu den Attraktionen rund um die Fußball-WM-Stadt Nelspruit, die selber kaum etwas zu bieten hat. Es ist eine typisch südafrikanische Provinzstadt. Tabak, Mangos, Papayas, Zitrusfrüchte, Bananen werden in der Gegend angebaut und von Nelspruit aus vermarktet. Es gibt nichts Spektakuläres in der Stadt, nichts, was haften bliebe. Sogar das neue Mbombela-Stadion liegt eher hingeduckt in der Landschaft - auf dem Weg von Nelspruit zum Kruger-Park. Mbombela ist auf siSwati, einer der elf offiziellen Landessprachen Südafrikas, "viele Leute zusammen auf engem Raum".

Die Tragpfeiler der Arena erinnern unweigerlich an Giraffenhälse und machen damit sofort klar, warum die unscheinbare Stadt am Crocodil River in den illustren Kreis der WM-Städte aufgenommen worden ist: Nelspruit ist nicht nur Hauptstadt der Provinz Mpumalanga, sondern vor allem Zentrum des "Big Five Country". Die erst 1905 gegründete Stadt ist das Einfallstor zum Kruger-Park und bietet wohl das größte und abwechslungsreichste touristische Angebot aller WM-Städte: Safaris für jeden Anspruch und jedes Portemonnaie.

Die Liste dessen, was sich im "Big Five Country" unternehmen lässt, ist schier unendlich: Abseilen an den Granitfelsen im Lowfeld, Wildwasserfahren auf den Savie-River, Ausritte durch den Busch, Höhlenwanderungen bei Kerzenschein, Heißballonfahrten und Drachenfliegen, mit dem Micro-Leichtflugzeug das Tal des Savie-River erkunden, extreme Mountainbike-Touren, Überlandfahrten in alten russischen Beiwagen-Motorrädern, Quad-Bike-Fahren, Golfen.

Und natürlich: Immer wieder die "Big Five" - Nashorn, Leopard, Kapbüffel, Elefant und Löwe - erkunden im Kruger-Park und den angrenzenden privaten Game Reserves, zu Fuß, auf dem Rücken von Elefanten, im offenen Safari-Wagen. Selbst für Blinde werden seit kurzem Touren im Kruger-Park organisiert, bei denen sie die Tier- und Pflanzenwelt unter fachkundiger Anleitung sinnlich erleben können.

Gerettet im Schimpansen-Paradies

Im Kruger-Park und in den Game Reserves wird alles getan, um vom Aussterben bedrohten Tieren ein Überleben in ihrer vertrauten Umwelt zu ermöglichen. Doch wer tiefer eindringen will in die gefährdete Beziehung zwischen Mensch und Natur, kann 15 Kilometer außerhalb von Nelspruit auf bestürzende Weise und hautnah erleben, was Menschen Tieren alles antun können und antun. Im "Chimp Eden" haben Mitarbeiter des Jane-Goodall-Instituts - benannt nach der berühmten britischen Verhaltensforscherin - misshandelte Schimpansen resozialisiert und von den schlimmen Traumata geheilt, die Menschen ihnen zugefügt haben.

Da ist zum Beispiel der 25 Jahre alte Charles, der bisher letzte Zugang im "Chimp Eden". Im Dezember 2008 wurde er aus einem südafrikanischen Zirkus gerettet. Der Besitzer hatte den Menschenaffen, nachdem er für die allabendlichen Kunststückchen in der Manege zu groß und gefährlich geworden war, jahrelang in einem stockdunklen Raum gefangen gehalten. Im "Chimp Eden" hat Charles sich überraschend schnell erholt. Für die jungen Schimpansen in seiner neuen Familie ist er inzwischen zu einer liebevollen Vaterfigur geworden.

Oder Nikki. Der heute elfjährige Schimpanse wurde in seinen ersten drei Lebensjahren von einem in Liberia lebenden Südafrikaner wie sein eigenes Kind gehalten. Sein Besitzer ließ ihn am ganzen Körper kahl rasieren. Nikki bekam einen Kinderhaarschnitt. Er musste Kleider und sogar eine goldene Uhr tragen, musste lernen, mit Messer und Gabel zu essen. Bei Reisen bekam Nikki - Geld macht anscheinend alles möglich - nicht nur seinen eigenen Sitzplatz in der Business-Klasse, sondern auch ein Hotelzimmer für sich allein.

1996 kam Nikki in den Johannesburger Zoo, bis er schließlich 2006 als erster Schimpanse im neu eröffneten Jane-Goodall-Institut in Nelspruit eine neue Heimat fand. Eugene Cussons, Leiter von "Chimp Eden", sagt: "Es ist unglaublich, was diese vom Aussterben bedrohten Tiere alles erleiden. Sie werden gejagt, eingesperrt, abgerichtet und gegessen, weil viele Afrikaner immer noch glauben, sie würden stark, wenn sie ein Schimpansenherz essen." Sogar in London werde illegal Schimpansenfleisch verkauft.

Star von "Animal Planet"

Cussons ist auch der Star der viel gesehenen Fernsehserie "Animal Planet - Escape to Chimp Eden", die im kommenden Jahr auch in Deutschland gesendet werden soll. Seit der Eröffnung des Schimpansen-Refugiums in Nelspruit vor drei Jahren hat er dort mit seinen Mitarbeitern 32 schwer traumatisierten Schimpansen ein neues Leben ermöglicht. Ein Netzwerk von Unterstützern hält weltweit, vor allem aber in Afrika Ausschau, um weitere bedrohte Schimpansen ausfindig zu machen und zu retten.

Im "Chimp Eden" werden sie wieder sozialisiert und leben auf dem 1000 Hektar großen Gelände ein glückliches Schimpansen-Leben. "Aber," sagt Cussons, "zuvor müssen sie uns Menschen vergeben können, was wir ihnen angetan haben."

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Fußball-WM in Südafrika

Klima

Die Fußball-WM vom 11. Juni bis 11. Juli 2010 fällt in den südafrikanischen Winter.
In Johannisburg und Pretoria ist es aufgrund der Höhenlage von knapp 1400 bis 1750 Metern im Winter (Juli und August) sonnig und trocken, im Schnitt um die 10 Grad, selten über 18 Grad, Nachtfrost.
Durban am Indischen Ozean hat subtropisches und damit auch im Juni warmes Klima, im Schnitt um die 17 Grad
In Kapstadt an der Tafelbucht des Atlantischen Ozeans herrschen im Schnitt Temperaturen um die 13 Grad, am Abend unter 10 Grad Celsius. Im Juni und Juli sind hier die Niederschlagsraten im Jahresverlauf am höchsten.

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