Von Stephan Orth
Die Kuh mit den überlangen Hörnern und dem durchtrennten Hals blickt treuherzig auf den Betrachter. So, als wolle sie mitteilen, dass sie eigentlich nichts dagegen einzuwenden hat, verspeist zu werden. "Rosted Meat" - gebratenes Fleisch - preist der Schriftzug darüber in nicht ganz korrekter Rechtschreibung an, daneben ist ein Spieß zu sehen mit undefinierbaren roten Fleischbrocken.
Farbenfrohe Reklamemalereien wie diese, die an der Wand einer Snackbar im liberianischen Monrovia zu bewundern ist, zählen für Touristen zu den unvergesslichen Eindrücken einer Afrikareise. In deutlicher Bildsprache - und glücklicherweise nicht immer mit so makaberen Details - preisen Geschäftsinhaber und Dienstleistungsanbieter ihre Waren an. Die künstlerische Qualität reicht dabei von naiven Darstellungen bis zu echten Kunstwerken.
Oft werden dafür Absolventen von Kunsthochschulen beauftragt, manchmal greift aber auch ein Familienmitglied zu Farbe und Pinsel. Manche der Maler nehmen es mit der Perspektive oder mit realitätsgetreuen Farben nicht so genau, was den Bildern einen besonderen Charme verleiht.
Die Entwicklungshelferin Natascia Zullino war jahrelang für das Rote Kreuz in Afrika unterwegs. Auf ihren Reisen in Länder wie Togo, Sierra Leone, Benin, Liberia und Senegal hat die Deutsch-Italienerin Fotos von besonders originellen Werbemalereien gesammelt und zeigt sie jetzt in einem kleinformatigen Bildband.
Angebote im Comic-Stil
Da listen Ärzte mit detailreichen Darstellungen die Krankheiten auf, die sie behandeln können, von Durchfall über trockenen Husten bis zu Wahnsinn und Schlangenbissen. Reifenhändler buhlen mit unsauber gezeichneten Michelin-Männchen um Kundschaft. Friseursalons und Schneider, Restaurants und Reisebüros zeigen im Comic-Stil, was sie im Angebot haben. Der Bilderreichtum hat nicht nur ästhetische Gründe - in vielen Regionen ist Analphabetismus noch weit verbreitet.
Der Bildband zeigt den Einfallsreichtum von Menschen, die mit viel Improvisationstalent und in knalligen Farben ihre Produkte anpreisen. Ohne Models, Werbeagenturen und digital perfektionierte Foto-Scheinwelten. Das Ergebnis ist oft um Längen charmanter als die kühle Perfektion westlicher Kampagnen. So charmant, dass inzwischen Kunsthändler ausrangierte Werbetafeln für Hunderte US-Dollar verhökern.
Sollten die Urheber je an den Einnahmen beteiligt werden, dann wären für die Künstler Gewinnspannen möglich, von denen die in der Wirtschaftskrise schwächelnde westliche Werbeindustrie nur träumen kann. Vielleicht sollte die sich mal von den Low-Budget-Kreativen aus Afrika inspirieren lassen.
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ich finde solche bilder sehr interessant, besonderst weil diese in verbindung mit werbung stehen, und von menschen gemacht sind. aber nicht nur in diesen ländern, auch hier. hier gibt es auch vereinzelnt selbstgemalte [...] mehr...
Hallo, das Bild 5 wäre bei uns absolut nicht p. c. (politisch korrekt)! Warum? Ganz einfach, die Frauen arbeiten und der Mann sitzt (faul) am Tisch. Das muss in der Nähe einer Autobahn sein und das geht bekanntlich [...] mehr...
...und dem durchtrennten Hals wird wohl eine Ziege sein. Dafür spricht die senkrechte Stellung der Hörner am Kopf. Bei einer Kuh stehen die Hörner seitwärts, wie man auf der Werbetafel für Milch dann auch sehen kann. Sehr schöner [...] mehr...
Ich freu mich auch immer wieder über Afrikanische Werbetafeln.. meistens aber über die Texte: "Still no fotocopy... kills insects dead" (Werbung für Mückenspray) "We sterilize our utensils" (auf der Reklame [...] mehr...
Naja, in gewissen Abständen werden alle Illustrationsstile von der westlichen Werbung aufgegriffen, siehe das Kugelschreiber-Gekrakel in der aktuellen O2-Werbung. Dies betrifft auch Fotografie-Stile: siehe aktuelle [...] mehr...
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