Von Antje Blinda
Mehr hat Haiti ausländischen Touristen momentan nicht zu bieten. Die Branche liegt seit Jahrzehnten brach. Lange vorbei sind die Hochzeiten, in denen es Hunderttausende an die idyllischen Strände von Osthispaniola zog, darunter Prominente wie Mick Jagger, Jackie Onassis und Graham Greene. Vodoo-Rituale, die kreolische Küche und eine Unesco-Weltkulturerbestätte faszinierten die Besucher. Die Hauptstadt Port-au-Prince war damals eine der aufregendsten Städte des Kontinents.
Ende der Achtziger, nach einem Putsch gegen das Regime der Duvalier-Diktatoren "Papa Doc" François und "Baby Doc" Jean-Claude, stürzte die Karibikidylle in Anarchie und Bürgerkrieg. Urlaubs-Resorts blieben leer und verfielen. Armut, Bandenkriege, Entführungen und eine von Hurrikanen und Erdbeben zerstörte Infrastruktur schrecken Ausländer noch heute.
Ex-US-Präsident Bill Clinton brachte Haiti im April vergangenen Jahres zurück auf die Landkarte potentieller Touristenziele. Bei einem Besuch als Sondergesandter der Uno schwärmte er: "I love this place", gemeint war Cap-Haiitien, zweitgrößte Stadt des Landes an der Nordküste, "er ist wundervoll, ich sehe das Potential". Clinton regte den Bau eines Flughafens im Norden des Landes an, dort wo die meisten der kulturellen und historischen Sehenswürdigkeiten zu finden sind. Der Politiker ermutigte die Regierung, ihre Schätze wie Bauwerke und die Umwelt zu bewahren, und potentielle Investoren, sich in Haiti zu engagieren: "Das politische Risiko in Haiti ist geringer als es je zu meinen Lebzeiten war."
Kampf gegen Bandenkriminalität scheint erfolgreich
Nur wenig später konnte der Tourismusminister Patrick Delatour verkünden, dass ein 30-Millionen-Dollar-Abkommen mit Venezuela über den Bau eines internationalen Flughafens im Norden abgeschlossen sei. Die Regierung plante, Touristen in die Region fern der unruhigen Hauptstadt und ihrer berüchtigten Slums zu locken. Dabei scheint sich die politische Lage im Land zu stabilisieren. Die seit 2004 in Haiti stationierte Uno-Blauhelm-Truppe Minustah hat weniger mit Putsch und Bürgerkrieg zu tun als mit der Befriedung von Banden im gefährlichsten Slum der Karibik, in Cité Soleil, - und scheint in Zusammenarbeit mit der haitianischen Polizei erfolgreich.
Die Regierungen der USA, von Kanada und Deutschland haben ihre Reisewarnungen in den vergangenen Monaten leicht entschärfen können. "Die Sicherheitslage in Haiti hat sich angesichts deutlicher Fortschritte bei der Bekämpfung der Bandenkriminalität verbessert", schreibt das Auswärtige Amt auf seiner Webseite, "die Gewaltkriminalität in der Hauptstadt Port-au-Prince ist nicht höher als in anderen Metropolen dieser Welt."
Dennoch hält die deutsche Behörde ihre Warnung vor Reisen nach Haiti aufrecht, gewalttätige Ausschreitungen könnten derzeit nicht ausgeschlossen werden. Auch die Touristiker des Landes schöpfen noch keine großen Hoffnungen. Solange Haiti nicht stabiler und sicherer wird, sei das Gerede von Massentourismus nur Phantasie, sagt Camille Charlmers, frühere Regierungsberaterin, zur britischen Zeitung "The Guardian". "Wir haben einen fürchterlichen Ruf. Was wir trotzdem tun können, ist eine Nische von Öko- und Kulturtourismus zu etablieren."
Lebendige Kunstszene von Port-au-Prince
Haiti, das einst zusammen mit Kuba den Karibikurlaub erfunden hat, konnte Touristen, die sich trotz aller Warnungen in das Land wagen, bisher schon faszinieren. Den Strand Cormier Plage an der Nordküste empfiehlt etwa Lonely Planet in seiner aktuellen "Dominican Republic & Haiti"-Ausgabe: "Genießen Sie den goldenen Sand und die weißen Wellen des Atlantiks, während Sie feinste Meeresfrüchte zum Dinner essen." Eine lebendige Kunst- und Musikszene in Port-au-Prince, die Unesco-geschützte Zitadelle von Laferriere und den Sans-Souci-Palast in der Nähe von Cap-Haitien, den Nationalpark la Visite und die Hafenstadt Jacmel an der Südküste zählt der australische Verlag als Highlights auf und empfiehlt die Strände von Port Salut und der Insel Île-à-Vache mit dem "relaxten Charme des Südens".
Der Voodoo-Kult, dem geschätzt etwa drei Viertel der Haitianer anhängen, bestimmt die bunten Feste der Insel: Im November wird die Fet Gédé, das Festival der Toten, zu Mitternacht auf den Friedhöfen des Landes gefeiert, zur Pilgerfahrt Saut d'Eau versammeln sich die Voodoo-Pilger unter einem heiligen Wasserfall. Der größte und lauteste Karneval von Hispaniola findet alljährlich im Februar in der Hauptstadt statt und folgt dem Karneval von Jacmel im Januar und Februar.
Isolierte Kreuzfahrer auf Labadee
Von der mit viel Lebensfreude zelebrierten Kultur Haitis bekommen die Kreuzfahrer von Labadee nichts mit. Sie fühlen sich sicher beschützt an Stränden, die die US-Reederei Royal Caribbean (RC) unweit von Cap-Haitien gepachtet hat und an die sie bisher mit Tenderbooten übergesetzt wurden. Zwar verlassen die Passagiere ihre mit Zäunen abgeriegelte heile Urlaubswelt nicht, um etwa in umliegenden Restaurants zu essen oder gar in Hotels an Land zu übernachten und damit Geld im Land zu lassen. Aber ihr Aufenthalt bringt zumindest 300 einheimischen RC-Angestellten ein Einkommen, auch sind 200 fliegende Händler am Privatstrand zugelassen. Und der haitianische Staat erhält pro Gast sechs Dollar von der Reederei mit Sitz in Miami.
Royal Caribbean ist wohl das größte Touristikunternehmen, das in Haiti investiert: Der Ausbau des Labadee-Hafens für das im November getaufte größte Schiff der Welt, die "Oasis of the Seas", kostete die Reederei 55 Millionen Dollar. Ab Mai können die bis zu 6000 Passagiere des Megaschiffs direkt am Pier aussteigen. RC-Chef Richard Fain hofft, dass seine Kunden einst die Möglichkeit haben werden, die Zitadelle und Sans-Souci zu besuchen - wenn erst einmal eine Straße gebaut ist.
Das aber - und auch andere vorsichtige Tourismuspläne - scheint angesichts des schweren Erdbeben, das das Land getroffen hat und bei dem Tausende Tote vermutet werden, in weite Ferne gerückt zu sein.
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Auch der Nachbarstaat "DomRep" ist ehemalige Kolonie. Im Buch von Diamond "Kollaps - warum Gesellschaften überleben oder untergehen" wird Haiti/DomRep ein eigenes Kapitel gewidmet. Sehr lesenswert... mehr...
Sie meinen also, es ginge ihnen während der Unterdrückung und Ausbeutung besser? Sie sind mir ja ein Apologet des Kolonialismus, wie ich allenfalls noch in Belgien vermuten würde. Ist Ihnen schon mal der Gedanke gekommen, dass [...] mehr...
Es ist doch offensichtlich, dass es in den ehemaligen "Kolonien" (Haiti, Schwarzafrika) desaströs geworden ist, nachdem sich die Kolonialmächte zurückgezogen haben. Die hinterlassene Infrastruktur verkommt, es gibt [...] mehr...
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