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31.05.2010
 

USA per Wohnmobil

König der Schotterpiste

USA: Per Wohnmobil durch den Südwesten
Fotos
TMN

Surreale Felsformationen, Skulpturenparks aus rotem Stein: Der Südwesten der USA lockt mit seinen Naturwundern Touristen aus aller Welt an. Besonders reizvoll ist eine Rundtour per Wohnmobil - ungeübte Fahrer haben dabei allerdings mit den Tücken der Technik zu kämpfen.

Denver - Was für ein erster Tag! Am linken Schienbein prangt ein blauer Fleck von der automatisch ausfahrbaren Seitenstufe. Und der rechte Spiegel hat nur haarscharf eine Beinahe-Begegnung mit einem Stoppschild überlebt. So ein Wohnmobil ist ein heimlicher Kleinlaster: In den Kurven hat es die Aerodynamik einer Schrankwand und holt großspurig aus - wer zu spät am Lenkrad dreht, verpasst die Einfahrt zum Campingplatz meterweit.

Was bleibt also anderes übrig, als zurückzusetzen und dem breit grinsenden Fahrer im Gegenverkehr die Richtung mit hektischen Handzeichen anzuzeigen. "Good luck" winkt der seinerseits aus dem heruntergekurbeltem Autofenster heraus.

"RV" ist in den USA die Abkürzung für "Recreation Vehicle". Das heißt so viel wie "Erholungsfahrzeug" und meint das, was Deutsche als Wohnmobil bezeichnen. RV-Greenhorns sind allein schon wegen des dick aufgemalten Werbeschriftzugs ihrer Leihwagenfirma nicht zu übersehen. Das ist eine gute Sache, denn meist kriegt man einen Sympathiebonus.

Auf dem Caravanpark in Steamboat Springs, vier Autostunden von Denver in Colorado entfernt, bekommt man sogar Vortritt bei den begehrten "Pull-thru-sites" - den "Durchfahrtsplätzen", wo einem weiteres Rangieren erspart bleibt und man sich "vom Fahrzeug erholen" kann.

Gewöhnungsbedürftige Ferienwohnung auf Rädern

"Lass' es langsam angehen", rät Kevin Broom, der Sprecher des Wohnmobilhersteller-Verbandes RVIA. "So ein Camper ist dazu gebaut, nicht von Kraftfahrern, sondern von Leuten wie du und ich gefahren zu werden." Es sei aber gewöhnungsbedürftig, dass die rollende Ferienwohnung größer ist als normale Autos. Während der Einführung ins Fahrzeug sollte man darum auch bei Kleinigkeiten wie Höhenangaben und dem Abschaltknopf für das automatische Trittbrett gut aufpassen.

Im Südwesten bietet sich für eine Tour der "Grand Circle" an. Mit diesem Ausdruck wird eine Region in Arizona, New Mexico, Colorado, Utah und Nevada bezeichnet, in der viele Nationalparks zu finden sind, darunter Arches, Grand Canyon und Mesa Verde. Auch das Monument Valley im Land der Navajo-Indianer liegt hier, im wilden Herzen der USA, wo der Himmel weit, die Erde rot und fast jeder Canyon tief ist.

Sicher, es gibt hier auch immer wieder Motels am Straßenrand. Doch im Wohnmobil macht der Erlebnisurlaub selbst nachts keine Pause. In der Zivilisationskapsel ist man komfortabel mittendrin, wenn die Kojoten heulen, Salbeibüsche duften oder es Sternschnuppen vom Himmel regnet.

Das Städtchen Moab ist das Eingangstor zu einer geologischen Wunderwelt: dem Arches Nationalpark. "Delicate Arch", der "grazile Bogen", drängt sich in den Vordergrund. Der 16 Meter hohe, durch Erosion geformte Steinbogen prangt in Utah auf Briefmarken und Nummernschildern. Tatsächlich gibt es im Park mehr als 2000 katalogisierte natürliche Bögen, Felsentürme, Klippen, balancierende Steinbrocken und andere Gebilde. Wasser und Wind haben sie in Millionen von Jahren aus dem Sandstein gemeißelt. Viele sind an der 30 Kilometer langen Straße zum Devils-Garden-Campingplatz zu finden.

Wie überdimensionale Tortenstücke

Der Canyonlands Nationalpark wenige Meilen weiter südlich ist der größte in Utah und gleichzeitig der am schwersten zugängliche. Hier fließen der mächtige Colorado und der Green River zusammen. Wie ein riesiges blaues Ypsilon sieht das auf dem Faltplan aus. Die Flüsse zerschneiden das Colorado-Hochplateau in drei überdimensionale Tortenstücke. Brücken gibt es nicht. Die meisten Besucher bleiben auf der "Island in the Sky" ("Insel im Himmel"), dem Nordteil des Parks. Der flache, hohe Tafelberg ist so etwas wie eine Aussichtsplattform.

Trinkwasser und eine gute Chance auf einen freien Platz gibt es bei der "Squaw Flat Campsite" im "Needles"-Gebiet, einem natürlichen Skulpturenpark voller Stelen, Zinnen, Monolithen und Felsnadeln.

Das Natural Bridges National Monument ist ein Picknick-Halt auf der Etappe zum Lake Powell. Überschwemmungen unterspülten im Laufe von Jahrmillionen die dünneren Trennwände von Flussmäandern. Sie verschonten nur härteres Oberflächenmaterial und schufen so drei natürliche Steinbrücken mit Spannweiten bis 81 Meter.

Hite Marina liegt am einsamen nördlichen Ende des bei maximaler Stauhöhe 300 Kilometer langen Lake Powell. Das Städtchen Page an der Südspitze des 1963 gebauten Riesen-Reservoirs sowie Bullfrog Bay sind bekannt und gut besucht wegen ihrer Hausboothäfen. Hite Marina dagegen ist ein Geheimtipp für Angler, die voneinander oft erst abends Notiz nehmen, wenn am weitläufigen Ufer Treibholz-Lagerfeuer aufleuchten. Trotz aller Abgeschiedenheit unterhält der Nationalpark-Service hier sogar einen Campingladen mit Konserven und Ködern sowie eine Abwasser-Entsorgungsstation. Nach ein paar nervösen Versuchen - Gummihandschuhe nicht vergessen! - klappt das inzwischen wie das Anschließen eines Gartenschlauchs zu Hause.

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