Die karibische See plätschert sanft an den weißen Strand der Bahamas-Insel Castaway Cay, wo die Urlauber im Schutz der Sonnenschirme einen Tag fernab vom Tourismusrummel genießen. Die Idylle, die Walt Disney den Passagieren seiner Kreuzfahrtschiffe "Disney Magic" und "Disney Wonder" bietet, scheint perfekt - fast schon wundert man sich, dass das sonst mit greller und lauter Unterhaltung nicht zimperliche Unternehmen so behutsam mit seinen Kunden umgeht.
Doch wer hier die Seele baumeln lässt, hat sich in der Regel zuvor tagelang durch die Erlebniswelt des Disney-Imperiums gearbeitet. Bevor die Kreuzfahrtschiffe von Port Canaveral im US-Bundesstaat Florida aus zu drei- und viertägigen Seereisen auslaufen, stehen drei bis vier Tage Aufenthalt in "Disney World" bei Orlando auf dem Programm. Dort hat der Konzern mit der Maus auf einer Fläche von rund 120 Quadratkilometern unter anderem vier Freizeitparks, drei Wasser-Abenteuerparks, 27 Hotels sowie einen festen Bau für das Zirkus-Spektakel "Cirque du Soleil" errichtet.
Nach der Tour de force durch die amerikanische Unterhaltungslandschaft geht es mit einem der beiden Ozeanriesen erst einmal nach Nassau, der Hauptstadt der Bahamas. Sowohl "Disney Magic" als auch "Disney Wonder" bieten jeweils 875 Kabinen und können so bis zu 2400 Gäste pro Schiff beherbergen. Die Innenarchitektur der in Italien gebauten Disney-Dampfer ist gewöhnungsbedürftig: Während auf der "Magic" Art Deco à la Micky Maus vorherrscht, lehnt sich die Einrichtung der "Wonder" an den Jugendstil an.
Als Kundschaft hat Walt Disney vor allem Familien eingeplant - Kinder sind überall auf dem Schiff willkommen. Um den Eltern Stress zu ersparen, werden Sprösslinge unter drei Jahren auf Wunsch in einem Kinderhort betreut, wo den Kleinen notfalls auch die Windeln gewechselt werden. Für die Drei- bis Zwölfjährigen stehen Spielräume zur Verfügung, und auch die Teenager können unter sich bleiben.
Natürlich wird auf den Schiffen auch fürs Entertainment gesorgt - etwa durch ein Theater mit rund 1000 Plätzen, in dem Musicals und Shows aufgeführt werden. Darüber hinaus finden sich an Bord Kinos mit den neuesten Disney-Filmen, Bars, Sporteinrichtungen sowie vier Restaurants, von denen drei eher den Durchschnittsgästen vorbehalten sind. Wer es gern exklusiver hat, kann gegen Aufpreis im vierten Restaurant reservieren: Dort sind die Speisen auch für Gäste mit europäischem Geschmack bekömmlich - auf das Unterhaltungsangebot trifft das nicht immer zu.
Letzter Landgang vor der Rückkehr nach Port Canaveral ist stets Castaway Cay. Vor der 250 Hektar großen Bahamas-Insel, die Disney komplett gekauft hat, wurde eigens ein Tiefwasserhafen für die Kreuzfahrtschiffe ausgebaggert. An der Serenity Beach, dem "Strand der Gelassenheit", findet sich für jeden Urlauber-Typ ein Plätzchen: Strände für Ruhesuchende, Sportenthusiasten und Familien mit Kindern sind säuberlich voneinander getrennt und lassen sich kräfteschonend per Tram erreichen.
Bevor sie von Disney aufgekauft wurde, war die Insel unbewohnt - von einem Robinson Crusoe weiß man sehr zum Leidwesen der Marketingleute nichts. Immerhin liegt irgendwo im Dschungel eine Flugzeuglandepiste, und so wollen die Entertainer glaubhaft machen, dass einst Drogenschmuggler auf Castaway Cay ihre Fracht umschlugen. Soviel moderne Seeräuberromantik kann dem Konzern nur recht sein. Bislang sind erst rund fünf Prozent der Inselfläche "entwickelt" - es bleibt also noch genügend Platz, um auch hier eine Erlebniswelt à la Micky Maus aufzubauen.
Informationen:
Weitere Details zu den Disney-Kreuzfahrten gibt es unter Disney Cruise Line oder in Reisebüros.
Herbert Winkler
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