Von Angelika Franz
Da Wasser in Florida einfach überall ist, gibt es natürlich auch einen Themenpark, in dem sich alles nur um Meerjungfrauen dreht. Sie schwimmen in der Quelle des Weeki Wachee River, die zu einer verglasten Unterwasserbühne ausgebaut ist - und das schon seit fast 60 Jahren.
1946 kaufte Newton Perry, Ex-Ausbilder der Navy-Elitetaucher Seals, das Grundstück mit dem Wasserloch. Der vorbeiführende US-Highway 19 war damals noch eine staubige zweispurige Landstraße, die einzige asphaltierte weit und breit. In Weeki Wachee lebten weitaus mehr Alligatoren und Bären als Menschen. Zunächst räumte Perry auf und fischte kaputte Kühlschränke und Autos aus dem Quellbecken.
Dann überredete er ein paar hübsche Mädchen zur Karriere als Meerjungfrau. Er brachte ihnen das Tauchen ohne Sauerstofftank - nur mit Hilfe von Schläuchen, aus denen ein stetiger Sauerstoffstrom blubbert - bei und zeigte ihnen, wie man unter Wasser Ballett tanzen und Bananen essen kann.
Autos waren in jenen Tagen noch eine Rarität. Also stellten sich die Bikini-Mädchen an den Straßenrand und winkten jedem vorbeifahrenden Automobil freundlich zu. Hielt eines an, sprangen sie schnell ins Wasser und führten ihre Kunststücke vor. Die Attraktion sprach sich herum, bald wurde Weeki Wachee im ganzen Staat berühmt. Sogar Elvis Presley kam, um die Meerjungfrauen zu bewundern.
Zwar ist die Glasfront des Theaters seitdem größer geworden und die Sitzreihen fassen heute nicht mehr nur 18, sondern 500 Zuschauer. Doch sonst hat Weeki Wachee nichts von seinem Charme der Nachkriegszeit verloren. Manchmal verirrt sich immer noch ein freilaufender Alligator in die Quelle.
Nixe als Bürgermeisterin
Und sogar die alten Meerjungfrauen sind noch da. Zwischen den aktuellen Shows der jungen Schönheiten führen die "Mermaids of Yesteryear" noch immer ihre Kunststücke auf, frei nach dem Motto "Einmal Meerjungfrau - immer Meerjungfrau". Die älteste von ihnen hat bereits die Grenze zur neunten Lebensdekade überschritten - schwimmt aber noch wie ein junger Fisch.
Dass hübsche Bikini-Nixen durchaus auch Karrieren an Land haben können, beweist die ehemalige Meerjungfrau Robyn Anderson. Sie ist heute Bürgermeisterin der Stadt Weeki Wachee. Einwohnerzahl: zwölf.
Zwei Dinge wachsen im "Sunshine State" besonders gut: Orangen und Freizeitparks. Erstere wegen des heißen, feuchten Klimas. Und mit seinem sonnigen Gemüt und immer ein wenig abenteuerlustigem, verrücktem Charme ist Florida eben auch ein idealer Ort für die Unterhaltungsindustrie. Die Ideen von Marvin Rosenthal, Owen Godwin und Newton Perry fielen hier ebenso auf fruchtbaren Boden wie die Vision Walt Disneys vom "most magical place on Earth".
Und tatsächlich sorgt auch die Walt Disney Company für den Boden, der sie nährt. Was kaum jemand ahnt, der durch die Kunstwelt Disneyworlds spaziert: 25 Prozent der mehr als hundert Quadratkilometer des gesamten Geländes bleiben laut Selbstverpflichtung des Konzerns unberührte Natur. Damit auch die Alligatoren glücklich sind.
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autos in den USA eine Seltnheit waren ist wohl eher Ulbricht Propaganda, war doch die Massenmotoriesierung breits in den Zwanzigern recht hoch (besonders verglichen mit Deutschland) mehr...
Leider muss ich immer wieder, wenn ich mich mit einem Artikelthema ausnahmsweise auskenne, feststellen, dass die Autoren es anscheinend NICHT tun, denn die Beiträge strotzen dann immer von falschen Informationen. In diesem Fall [...] mehr...
Das Lamm Gottes würde ich gerne mit Preiselbeeren verspeisen. :-D mehr...
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