Von Anke Richter
Was sie in das viertkleinste Land der Welt führt? "Iko", erklärt eine junge Japanerin dem Beamten an der Passkontrolle lächelnd. Sie schwitzt in der Hitze des Bretterverschlages. Iko? "Eco-Tourist", sie nickt. Drei Tage hat die Studentin, um Südseekultur mit Katastrophen-Flair zu erleben. 3800 Dollar hat sie für den Kurzausflug bezahlt: einmal im Leben nach Tuvalu, bevor es verschwunden ist.
Zweimal in der Woche landet ein Flugzeug aus Fidschi auf dem Atoll Funafuti, das wie eine Kette aus Smaragden im Ozean liegt. Reisende verirrten sich bis vor kurzem kaum hierher. Jetzt kommen immer mehr Fremde. Scharen von Forschern und Helfern nehmen ein Volk unter die Lupe, das es angeblich bald nicht mehr geben wird. Die Insulaner, die neben der Flughafenbaracke warten, würdigen die Besucher kaum eines Blickes. Zu viele haben sie in den letzten Jahren kommen und gehen sehen. Was den Rest der Welt plötzlich nach Tuvalu zieht, lässt vor Ort die meisten kalt: das Untergangsszenario durch den Anstieg des Meeresspiegels.
Die Japanerin und ihre Reisegruppe checken ins einzige Hotel der Insel ein. Hinter der Terrasse gammelt Müll zwischen den Steinen. Es stinkt nach Fäkalien. Im lauwarmen Wasser der Lagune liegen zerbrochene Flaschen und Blechdosen. Öko und Tourismus - nichts liegt diesem schwülen, trägen Ort auf den ersten Blick ferner.
5000 Menschen leben dicht an dicht auf den weniger als drei Quadratkilometern von Fogafale, der bewohnten Insel des Atolls Funafuti. Die restlichen 5000 Tuvaluaner verteilen sich auf die weiteren Atolle und Inseln, die nur per Schiff zu erreichen sind.
Beton statt Kokospalmen
Fast ein Drittel von Fogafale füllt die geteerte Landebahn aus. Kokospalmen wurden gefällt, um Platz für schlichte Betonhäuschen zu machen. Dazwischen drängen sich Wassertanks, Satellitenschüsseln und Schweinegehege. Nirgendwo ist man mehr als einen halben Kilometer vom Ufer entfernt.
Mit dem Flugzeug ist auch ein amerikanischer Wissenschaftler gelandet. Er ist schon zum dritten Mal hier. Fragebögen will er diesmal verteilen. Außerdem braucht er noch einen Fischer. "Und irgendwas mit Kultur. Alte Leute oder so." Die Climate-Change-Beauftragte von Tuvalu telefoniert und organisiert die Interviews. Es sind immer die gleichen Gestalten, die als Darsteller im Klimawandel-Drama dienen müssen. Denn wer in diesen Zeiten beruflich nach Tuvalu reist, hat stets ähnliche Anliegen: eine Studie, ein Interview, ein Projekt. Da niemand in Tuvalu direkte Not leidet, wirkt der Einsatz umso bemühter.
Die Japaner brechen zur ersten Besichtigung auf. "Erosion" heißt die Sehenswürdigkeit am Ufer. Je höher und stärker die Flut, desto entblößter sind hier die Wurzeln der Bäume. Wie gefällte Riesen liegen graue Palmen auf dem Korallenkies. Leichenberge, zum Gruseln. Winzige Digitalkameras glitzern in der Nachmittagssonne.
Nirgendwo hat Tuvalus Schicksal so viel Medienecho gefunden wie in Japan. Jedes Jahr im Februar, wenn die jährliche Springflut droht und Teile der Insel kurzfristig unter Wasser stehen, rückt pro Woche ein asiatisches Kamerateam an. "Sie filmen immer das Gleiche, sie stellen immer die gleichen Fragen", sagt Shozo Tsunashima, der für eine japanische NGO in Tuvalu arbeitete. "Doch der ganze Hype geht komplett an der Wirklichkeit vorbei."
Die erhoffte Katastrophen-Stimmung wird den Besuchern nicht geboten. Ob bei den Jugendlichen auf ihren klapperigen Mopeds, die amüsierte bis verlegene Blicke wechseln, oder den Frauen, die am Ufer Kleidung waschen und ratlos die Schultern zucken: Die Fragen nach der momentanen Stimmungslage will keiner mehr hören.
Religion gegen Flutangst
Daran ist nicht zuletzt die Religion schuld. Tuvalu ist zutiefst christlich. In der Bibel verspricht Gott Noah, keine weitere Flut auf die Erde zu senden. Vor allem bei den Älteren lässt der Glaube die Furcht vor einer Überschwemmung nicht zu. "Erst wenn ich nie mehr einen Regenbogen sehe", so hat es mal einer der alten Männer ausgedrückt, "werde ich mich gegen den Klimawandel wappnen." In ihrem kleinen Büro neben dem Internetcafé koordiniert Pasemeta Talaapa die Entwicklungshilfe der EU. "Niemand hier fühlt sich akut bedroht - das ist Unsinn. Wir wollen alle einfach nur ein normales Leben führen", sagt die resolute Dame.
Die aktuellen Probleme seien ganz andere: Alkohol, Diabetes, Gewalt. Umweltverschmutzung, Überbevölkerung. Korruption. Dass alle nur auf Almosen warten. "Wer geht denn noch fischen oder pflanzt etwas an?" Sie klingt resigniert. "Eine Dose zu öffnen ist leichter." Die Situation von Tuvalu in den Zeiten des Klimawandels, so beschrieb es ein Beobachter, sei die eines Krebspatienten im Endstadium, der sich um Aids sorge. Die "Coca-Kolonialisierung" hat auf die Lebensqualität der Tuvaluaner eine unmittelbar schädlichere Auswirkung als der CO2-Ausstoß. Doch davon hört man auf der internationalen Tribüne wenig.
Stattdessen wird der mediale Mitleidskreuzzug geführt. Die Propaganda-Maschine läuft. Vor vier Jahren behauptete der damalige Premierminister Tuvalus vor der Uno-Vollversammlung, die klimatische Bedrohung sei für sein Volk "eine langsame und heimtückische Form von Terrorismus". Einer seiner Vorgänger sprach vom "Genozid durch Umweltzerstörung".
Polemik ist die beste Waffe im Kampf um Aufmerksamkeit. "In 50 Jahren heimatlos" ist das Mantra, das Tuvalus Oberste stets herunterbeten - auch wenn diese Prophezeiung ernsthaften Schätzungen nach unhaltbar ist. Aber wer streitet schon mit Ertrinkenden um 100 oder 200 Jahre?
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Diese arme arme Klimasau wird seit über 20 Jahren durchs Dorf getrieben. Und sie rennt immer noch. Dass ihr schon in 10 Jahren die Puste ausgeht, ist eher unwahrscheinlich. mehr...
In einigen Jahrzehnten wird man das selbe Spektakel vor der eigenen Haustür erleben dürfen. Und das alles bei einem leckeren Grolsch und einer Frikandel speciaal. mehr...
wird eine andere Sau durchs Dorf getrieben, die Politiker finden einen anderen Grund, die Bevölkerung abzuzocken. Die CO2-Lüge hat auch keine längeren Beine als andere Lügen mehr...
- was sagt uns das? An der Tatsache dass es Klimawandel und Anstieg des Meeresspiegels gibt ändert das alles gar nichts. Auch wenn irgendwie dieser Eindruck zurückbleibt, diese Menschheitsproblem unter den überspitzen Details [...] mehr...
Eingedenk der Genese von Atollen eher eine "Nicht"-Meldung. Atolle bilden sich weil -entweder deren "Basement" mehr als 10-20 m unter den WSP absinkt und so das Aufwachsen einer Rifffauna ermöglicht [...] mehr...
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