Fern vom deutschen Alltag: Strand und Palmen bilden die Traumkulisse für die romantische Hochzeit
Port Louis - Devaragen Candassamy ist entspannt. Diese Hochzeit ist keine Herausforderung - im Gegensatz zu gestern: "Da wollte ein norwegisches Paar unbedingt auf einem Katamaran heiraten", erzählt er. "Aber die beiden waren dann so seekrank, dass wir in den Hafen zurückkehren mussten." Ein Ja-Wort in einem solchen Zustand komme nicht in Frage. Zurechnungsfähig sollten die Leute schon sein, denen er - Standesbeamter auf der Tropeninsel Mauritius im Indischen Ozean - zum Bund fürs Leben verhilft.
Traumhochzeit am Traumstrand: Das ist ein Erfolgsrezept, das zu einem Wirtschaftsfaktor der Insel mit 1,2 Millionen Einwohnern geworden ist. "Pro Jahr nehme ich mindestens 200 Trauungen von Ausländern vor. Früher waren es nur ein paar Dutzend", sagt Candassamy. Seine Kollegen an den Stränden mit den großen Hotels seien noch viel gefragter.
Ob Riff, ob Schiff: Ein Plätzchen zum Heiraten findet sich überall auf und um Mauritius
Viele Reiseveranstalter bieten Heiraten auf Mauritius inzwischen als Paket an. Je nach Umfang - vom Limousinenservice am Flughafen über Brautstrauß und Essen bei Kerzenlicht bis zu Hochzeitsfotos und bürokratischer Abwicklung - kostet das 500 bis 700 Euro pro Person - zusätzlich zu acht Tagen in einem guten Hotel, für die mindestens 1300 Euro pro Nase zu zahlen sind.
Ausländer, die auf der Insel heiraten wollen, brauchen je zwei Kopien ihrer internationalen Geburtsurkunde und ihres Reisepasses. Geschiedene oder Verwitwete benötigen zusätzlich eine englische oder französische Übersetzung des Scheidungsurteils oder der Sterbeurkunde durch einen vereidigten Übersetzer. Wer sich auf einen Reiseveranstalter verlässt, braucht die Papiere nur dort abzugeben.
Flittern am Sandstrand: Ist die Trauung erst vollbracht, dann kann entspannt werden
Mit der Erklärung geht es ins Gerichtsgebäude der Hauptstadt Port Louis. Vor den Türen der Gerichtssäle ballen sich Neugierige, aber die Helferin der Standesbeamten bahnt einen Weg in ein Zimmerchen, in dem ein Richter des Obersten Gerichtshofes sitzt. Vor dem schwören die Hochzeiter vor allem, dass sie keine Bürger von Mauritius sind. Denn für Einheimische ist das Heiraten wesentlich komplizierter: Mauritius hat Angst vor illegaler Einwanderung durch Scheinehen.
Schließlich landen die Brautleute bei Devaragen Candassamy oder einem seiner Kollegen. Dass jemand in seinem Büro in Grand Baie heiraten wollte, sei lange nicht vorgekommen, sagt Candassamy bedauernd.
Für die Hochzeit brauchen auch Touristen zwei Trauzeugen. Wer die nicht am Pool kennen gelernt hat, kann in allen Hotels gegen ein Trinkgeld zwei Angestellte "ausleihen". Wichtig ist am Tag nach der Hochzeit der Gang zum Büro des Premierministers: Dort gibt es die "Apostille", einen rechteckigen Stempel auf die Heiratsurkunde. Nur mit diesem wird die Hochzeit in Deutschland anerkannt.
Wem nach dem Eintauchen in die Heiratsbürokratie der Sinn nach Entspannung sieht, kann diese im Botanischen Garten von Pamplemousses suchen. Er gehört neben den atemberaubenden Sandstränden zu den Sehenswürdigkeiten der Insel, die ansonsten vor allem dank eines schon lange ausgestorbenen Riesenvogels, des Dodo, Bekanntheit erlangt hat.
Hindutempel: Auf Mauritius leben Hindus, Christen und Muslime
Neun Prozent der Mauritius-Touristen halten sich von den Hotels fern und erleben, dass die Insel entgegen dem allgemein verbreiteten Vorurteil durchaus preisgünstig sein kann. Wer erin großes Haus am Strand mietet, zahlt weniger als im Hotel. Im Preis für die zum Teil traumhaft schönen Häuser ist meist eine Haushälterin enthalten, die auch das Essen zubereitet. Und natürlich weiß sie auch, was bei einer Hochzeit zu kochen ist: Hummer etwa oder ein kreolisch-scharf gewürztes Hühnchen. Devaragen Candassamy kann davon nicht kosten: Er verabschiedet sich gleich nach den Unterschriften, weil er zur nächsten Hochzeit muss: zwei Franzosen unter der Palme eines Hotels.
Von Dieter Ebeling, gms
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