Die Sechste ihres Namens: Die "MS Europa" kreuzt heute für Hapag Lloyd
Hamburg - Der Name "MS Europa" ist einer der traditionsreichsten und glanzvollsten der deutschen Kreuzfahrt-Szene. Bereits als sechstes Schiff unter diesem Namen befährt die aktuelle "Europa" die Weltmeere. Zudem wurde das Flaggschiff der Hapag-Lloyd-Passagierflotte seit 2001 dreimal in Folge vom renommierten "Berlitz Cruise Guide" als weltbestes Kreuzfahrtschiff ausgezeichnet - eine beispiellose Serie. Besonders erstaunlich ist sie, weil die "Europa" auf dem Weltmarkt der Luxuskreuzfahrten nur die vergleichsweise kleine Gruppe deutschsprachiger Passagiere bedient.
Andererseits gilt der Hamburger Albert Ballin, der die Hapag zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur größten Reederei der Welt machte, als Erfinder der Kreuzfahrt, der Seereise um des Vergnügens willen. Zuvor wurde Schifffahrt ausschließlich als Mittel zum Zweck angesehen: um Frachten oder Passagiere an von einem Ort zum anderen über das Wasser zu befördern. So war auch die erste "Europa", von 1891 bis 1894 im Dienst des Unternehmens, ein reines Auswandererschiff. Die Nachfolgerin wurde 1905 vom Norddeutschen Lloyd in Bremen als Frachter für den Mexiko-Dienst angekauft.
Weltbestes Kreuzfahrtschiff: Schwimmer können mit einem Glasdach vor Wetterwidrigkeiten geschützt werden
Die dritte "Europa", gebaut bei Blohm & Voss in Hamburg, war in jeder Hinsicht ein Vorzeigeexemplar. Der Ozeanriese mit rund 49 750 Bruttoregistertonnen bot Platz für 2242 Passagiere und knapp 1000 Mann Besatzung. Vier Schiffsschrauben ermöglichten eine Höchstgeschwindigkeit von 29 Knoten. Die Gesellschaftsräume der Ersten Klasse und die so genannten Staatskabinen boten jeden erdenklichen Luxus der damaligen Zeit. Die Gäste konnten sich in der Bibliothek oder im Kunstsalon die Zeit vertreiben, auf dem Promenadendeck oder im Rauchsalon, im Ballsaal oder der großen, dreischiffigen Halle.
Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1939 wurde die dritte "Europa" 1939 zum Wohnschiff der deutschen Kriegsmarine. 1945 von den USA beschlagnahmt, diente sie dann zunächst als Truppentransporter und fuhr später unter dem Namen "Liberté" für die französische Reederei CGT auf der Strecke Le Havre-New-York, bis sie schließlich 1962 abgewrackt wurde.
Erst im Jahr 1966 erweckte der Norddeutsche Lloyd die "Europa"-Tradition zu neuem Leben und schickte das vierte Schiff auf seine erste Reise, wieder als "Schnelldampfer" im Passagier-Liniendienst von Bremerhaven nach New York. Aber schon bald zeigte sich, dass auf der Strecke über den Nordatlantik den Passagierflugzeugen die Zukunft gehören sollte. 1971 wurde der Liniendienst eingestellt. Stattdessen setzte Hapag Lloyd, wie das Unternehmen nach der Fusion von Hapag und Norddeutschem Lloyd seit 1970 heißt, für die Zukunft der "Europa" ausschließlich auf Kreuzfahrten der Luxuskategorie Fünf-Sterne-plus.
Dabei sollte die Reederei in den folgenden 30 Jahren dem Trend in diesem Marktsegment folgen, die Gästezahlen zu verringern. Hatte die "Europa" Nummer vier bei etwa 21.500 Bruttoregistertonnen noch Platz für 843 Passagiere, so konnte ihre Nachfolgerin, die 1980 vom Stapel lief, nur noch 600 Gäste bei immerhin 33.819 Bruttoregistertonnen aufnehmen.
Nix mit Faulheit auf hoher See: Auf der "MS Europa" steht ein Wellnessbereich zur Verfügung
Zu jeder Kabine der "Europa" Nummer sechs gehört außerdem ein Computer. Er ermöglicht nicht nur die Verbindung per E-Mail mit dem Rest der Welt, sondern auch ein umfangreiches und selbst auswählbares Unterhaltungsprogramm aus Musik, Film und Fernsehen. Wer Einstiegshilfe in die Computer-Welt braucht, kann an Bord einen entsprechenden Kurs besuchen.
Ebenfalls neu ist der Wellness-Bereich. Dort können die Passagiere in der Sauna oder einem Japanischen Bad entspannen oder auf Fitnessgeräten trainieren. Unverändert erhalten geblieben ist dagegen ein Markenzeichen der "Europa"-Schiffe: der Swimmingpool-Bereich mit Glasdach, das je nach Wetterlage geöffnet oder geschlossen werden kann.
Von Susann Grünwald-Aschenbrenner, gms
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