100 Jahre Calgary Stampede Das größte Rodeo der Welt

Pilgerstätte der Cowboys: Einmal im Jahr treffen sich die besten Rodeoreiter aus Kanada und den USA in Calgary. Es locken immense Preisgelder und viel Ruhm - die Gefahren für Mensch und Tier werden ausgeblendet.

TMN

Cody reißt den rechten Arm hoch in die Luft, die linke Hand krampft sich um einen Strick, der um den Brustkorb eines Bullen geschlungen ist. Der über tausend Kilogramm schwere Koloss katapultiert den waghalsigen Reiter mit einem kräftigen Satz in die Höhe. Nur mit größter Mühe gelingt es ihm, die Balance zu halten und wieder auf dem Rücken des riesigen Muskelpakets zu landen.

Der acht Sekunden dauernde Ritt wird zur Ewigkeit und nur durch das ausgesetzte Preisgeld von 100.000 Dollar (rund 77.000 Euro) erträglich. Cody Whitney ist Bullenreiter, und das Bullenreiten ist die Königsdisziplin auf der Calgary Stampede, die alljährlich im Juli für zehn Tage 1,5 Millionen Zuschauer aus aller Welt in Albertas Metropole lockt. Es ist die größte Rodeo-Show der Welt. Insgesamt werden mehr als zwei Millionen Dollar als Preisgelder verteilt.

Cody hat diesmal Glück, er übersteht den Kampf zwischen menschlichem Willen und tierischer Kraft ohne Blessuren und springt nach den acht Sekunden unbeschadet vom Tierrücken in den Staub der Arena. Es geht nicht immer so glimpflich ab, etliche Knochenbrüche an Schulter, Knie und Kopf hat der junge Mann aus Oklahoma bereits ausheilen müssen. "Ich kann mir dennoch keinen anderen Beruf vorstellen", sagt der 30-Jährige. "Meine ganze Familie ist im Rodeo-Business." Seit seinem siebten Lebensjahr sitzt Cody auf dem Rücken von Pferden oder Bullen, seit zwölf Jahren ist er Profi. "Zweimal habe ich bedeutende Rodeos gewonnen, da vergisst man den Schmerz", sagt er.

Kritik der Tierschützer an der Veranstaltung

Im Indian Village auf dem Stampede-Gelände bereiten Stoney-Indianer am Lagerfeuer Knüppelbrot für die Besucher zu, wetteifern beim Tipi-Aufbau und beim Hoopdance (Reifentanz). Die Stampede ist mehr als eine gigantische Western-Show, sie ist Volksfest, Landwirtschaftsausstellung, Country-Musik-Festival, Rummel und Begegnungsstätte zwischen Stadtbürgern, Ranchern und Touristen. Doch vor allem ist sie ein Fest, auf dem sich die Calgarians selbst mit ihrer gelebten Geschichte in Szene setzen.

Keinen echten Calgarian hält es im Büro, wenn am Eröffnungstag der Stampede Tausende die Straßen der großen Parade säumen. Geschäfte, Restaurants und sogar Banken werden im Westernstyle ausstaffiert, bierselige Gelassenheit verdrängt die geschäftige Schnelllebigkeit des Alltags. Völlig Fremde grüßen sich mit "Howdy Partner" und stoßen mit einem kühlen Blonden auf die Tradition an, die Calgary zu dem machte, was es heute ist. Die Stampede entfesselt Träume vom freien, ungebundenen Leben, von unermesslichen Weiten und phantastisch pittoresken Landschaften, die nur wenige Kilometer vor den Toren der Stadt liegen.

Die "Greatest Outdoor Show on Earth" - wie die Calgary Stampede auch genannt wird - ist allerdings nicht unumstritten. Insbesondere Tierschützer kritisieren das Spektakel. Während der Veranstaltung sterben immer wieder zahlreiche Pferde aufgrund der Wettbewerbe.


Reiseinformationen Calgary Stampede

  • Jubiläum: Die 100. Calgary Stampede geht vom 6. bis 15. Juli 2012 über die Bühne. Alle großen Reiseveranstalter bieten dazu Reisepakete an.
  • Anreise: Von Frankfurt am Main gibt es Direktflüge nach Calgary. Man kann aber auch einen Gabelflug über Vancouver buchen.
  • Wohnwagenbuchung: Es empfiehlt sich, den Wohnwagen mindestens sechs Monate im Voraus im Reisebüro zu buchen.
  • Einreisebestimmungen: Die Einreise mit einem noch mindestens sechs Monate gültigen deutschen Reisepass ist unproblematisch.
  • Klima: Die Sommer in Calgary sind warm, können jedoch extreme Temperaturschwankungen aufweisen. Verantwortlich dafür ist der Chinook, ein Wind, der von den Rocky Mountains herunterweht.

dkr/Michael Juhran, dpa



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Montanabear 04.06.2012
1. Calgary
Zitat von sysopTMNPilgerstätte der Cowboys: Einmal im Jahr treffen sich die besten Rodeoreiter aus Kanada und den USA in Calgary. Es locken immense Preisgelder und viel Ruhm - die Gefahren für Mensch und Tier werden ausgeblendet. http://www.spiegel.de/reise/fernweh/0,1518,836817,00.html
Oh Mann ! Wenn ich das schon lese : "Die Gefahren fuer Mensch und Tier werden asugeblendet." Ueber die Gefahren zu wissen und es trotzdem versuchen - DAS genau ist der Grund fuer diese Rodeos. Man (und zunehmend auch Frau) stellt sich der Gefahr, man bezwingt sie, man kommt als Sieger hervor. Bei welchem Wettbewerb ist es anders ?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.