Panamakanal feiert Jubiläum Abkürzung durch den Regenwald

Einst galt der Durchstich quer durch Mittelamerika als achtes Weltwunder: In diesem Jahr feiert der Panamakanal sein hundertjähriges Jubiläum. Touristen können die volle Länge mit dem Zug abfahren - oder gemütlicher mit dem Boot, vorbei an Lianenwäldern und Sümpfen.

REUTERS

Dies ist kein Kanal wie wir ihn kennen. Der hier krümmt sich um Kurven, ist mal eng, mal weit wie ein Binnenmeer. Und birgt viel Exotik: Ein Alligator döst am Ufer, über das Deck des Ausflugsboots gaukelt ein blitzblauer, handtellergroßer Schmetterling. Das Schiff ist unterwegs von Gamboa zum Pazifik, Richtung Panama-Stadt. Viereinhalb Stunden Fahrt auf dem Panamakanal, der in diesem Jahr sein hundertjähriges Jubiläum feiert und die Lebensader des kleinen mittelamerikanischen Landes darstellt.

Im Donnergrollen des Ersten Weltkriegs eröffneten die USA am 15. August 1914 ihren Shortcut vom Pazifik zum Atlantik. Damals durchquerte der Dampfer "Ancón" den 80 Kilometer schmalen Isthmus und sparte sich die 15.000 Kilometer um Kap Hoorn. Mehr als eine Million Schiffe folgten und fuhren durch ein Stück extraterritoriale USA. Die Kanalzone, das waren acht Kilometer links, acht rechts, eisern bewacht von GIs. Seit 2000 ist der Stacheldraht weg und Panama eigener Herr im Haus.

Lotse Hérnan hat nur Augen für den Kurs. Es geht durchs Nadelöhr des Culebra Cut. Terrassen stützen den Durchstich durch die kontinentale Wasserscheide. "Shipping is pretty down", bedauert der Navigator mit Blick auf den spärlichen Gegenverkehr, "aber wir haben keine Bodenschätze, nur diesen geografischen Vorteil." Und selbst dieses Plus wird durch Wirtschaftskrise und Erderwärmung strapaziert.

Vergangenen Sommer umging erstmals ein chinesischer Superfrachter das Nadelöhr in Mittelamerika und pflügte durchs schmelzende Eis der Arktis. Aber der 52-jährige Hérnan ist Optimist: Mitte 2016, sagt er, werde man die neuen Schleusen und Zufahrten im XXL-Format fluten. Dann verdoppelt sich die Kapazität der Wasserstraße - für Giganten der Post-Panamax-Klasse mit mehr als dreifacher Ladung.

Kunterbuntes Museuem von Frank Gehry

Zwei Schleusen in Folge liften das kleine Schiff aus 26 Metern Scheitelhöhe hinab zum Pazifik. Hinter den Miraflores Locks steht ein Wald von Kränen im Bett des neuen Umgehungskanals. Die Kapazität der alten Schleuse ist ausgereizt: Nicht viel mehr als zwei Handbreit passen zwischen Betonkai und Bordwand des Tankers "Neapolis". Silberne "Muli"-Loks sichern mit Stahltrossen den minimalen Abstand. Hérnans Boot aber zieht bereits unterm Gitterbogen der Brücke der Amerikas hinaus zum Zielhafen. Entlang der unaufhaltsam wachsenden Skyline von Panama City.

Bauland ist knapp, das zeigt ein Blick vom Ancon-Hügel. Anders als im gleich großen München leben und arbeiten die 1,3 Millionen Bewohner in einem Wald himmelhoher Türme. Zu den Stoßzeiten steht der Verkehr. Entlastung soll der neue Fahrdamm im Meer rund um die Altstadt bringen. Bis zur Casco Viejo mit ihrem kolonialen Flair, den Restaurants und Reggaeton-Bars will man die Wasserfläche zu einem Park aufschütten. Die Kapitale wächst in den Pazifik hinein mit Expressways, Hotels und einem Terminal für Kreuzfahrtriesen.

Panama setzt verstärkt auf Tourismus. Das Land lockt mit karibischem Inselflair, mit Dschungelsafaris und Einbaumfahrten zu den Indios, mit Touren zu alten Forts und Flügen zum teuersten Kaffee der Welt. Wie alle boomenden Finanzmetropolen stylt Panama City die Schönen Künste zum Kulturhype. Unter den Galerien und Museen sticht jetzt schon Frank Gehrys Showcase der Biodiversität heraus. Die verwegene Farbschachtel des exzentrischen Stararchitekten soll demnächst eröffnet werden. Sie zelebriert Panama als Landbrücke allen Lebens.

In einer Stunde am Kanal entlang

Um einiges schneller als mit dem Ausflugsboot von Hérnan lassen sich die 80 Kilometer Kanallänge mit der Panama Canal Railway abfahren. Der rot-gelbe Zug mit gepolsterten Salon- und Aussichtswagen rattert in einer Stunde nonstop die ganze Wasserstraße entlang zum Atlantik zurück. An den offenen Plattformen sausen Lianenwälder und Sümpfe vorbei, Reiher fliegen auf, schwarze Geier kreisen.

Am Ziel in Colón röhren Diablos Rojos durch die Straßen, ausgemusterte US-Schulbusse, grellbunt bemalt. Ein schneeweißer Marmorchristus am Hafen segnet die "Roten Teufel" und die von ihnen gejagten Fußgänger. Die große Freihandelszone bietet viele Schnäppchen. Lohnender ist da ein Ausflug nach Portobelo, wo rostige Kanonen auf grauen Zinnen an den blutrünstigen Piraten Captain Morgan erinnern.

Vom Besucherzentrum bei Colón blickt man direkt auf die Gatun-Schleusen am neuen Atlantik-Tor. Die Fundamente, groß wie Wohnblöcke, sind für Rolltore mit dem Gewicht von jeweils 300 Elefanten gebaut. Über fünf Milliarden Dollar werden ausgegeben sein, wenn in der zweiten Hälfte 2016 das erste Schiff passiert. Feiern wird Panama aber schon am 15. August dieses Jahres zum 100-Jahr-Jubiläum. Mit Schiffsparaden und Feuerwerk, mit Staatsgästen und zahlenden Zaungästen.

Deren Dollars sind gut angelegt: Laut einer Gallup-Umfrage erwartet den Fremden in Panama das zufriedenste Volk der Welt. Die Deutschen rangieren auf Platz 47.

Gerhard Merk/srt/abl

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insgesamt 3 Beiträge
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peterfleischhauer 25.01.2014
1. Panama-City
ist stickig, laut und schmutzig, nicht zuletzt wegen der Diabolos Riojos. Die Sehenswürdigkeiten (Casco Viejo) habe ich an zwei Tagen besichtigt. Der Kontrast ist der ländliche Raum, wo ich auf eine wunderschöne Landschaft und entspannte Leute traf. Die Verkehrsanbindungen mit modernen Reisebussen, Inlandsflügen ist gut und günstig. Gute Wellen zum surfen findet man an beiden Ozeanen.
Pränki 25.01.2014
2. In 100 Sekunden durch den Panama Kanal!
Einfach mal durchfahren: http://youtu.be/-vr-RoMNjQ8
panameño 25.01.2014
3. Nicht ganz aktuell @peterfleischhauer
Die Diablos Rojos sind -jedenfalls in der City- Geschichte, sie wurden verboten und heute gibt es nur noch die neuen Metro-Busse. Ich lebe übrigens sehr gerne in Panama City, einer enorm vielseitigen und sympathischen Stadt. Und in zwei Jahren habe ich noch nicht alle Sehenswürdigkeiten entdeckt - allerdings bin ich auch kein Tourist mit Sight Seeing Guide unterm Arm.
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