Eishockey in Abu Dhabi: Im größten Kühlschrank der Emirate

Ausflug zum coolsten Ort der Emirate: Auch bei Außentemperaturen über 40 Grad Celsius flitzen in Abu Dhabi die Eishockeyspieler durchs Stadion. Erst vor drei Jahren hat Ali Kaddas al-Romaithi die Liga gegründet - doch Profispieler aus aller Welt machen die Matches hochspannend.

Abu Dhabi Scorpions: Zum Eishockeyspiel der Emiratis Fotos
Fabian v. Poser

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Ali Kaddas al-Romaithi sitzt in der Umkleidekabine, einem zwölf Quadratmeter großen Verschlag voller Helme, Brustpanzer und Schulterpolster, in dem es nach menschlichen Ausdünstungen riecht. Eben hat er seine weiße Dischdascha und das rote Kopftuch gegen seine Eishockeyausrüstung getauscht. Jetzt ist Kaddas von Kopf bis Fuß gepolstert, ein riesiger Skorpion ziert sein Trikot. Abu Dhabi Scorpions steht darauf. Der 36-Jährige ist Eishockeyspieler - und das in einem der heißesten Länder der Welt.

Kaddas nimmt seinen Schläger, fuchtelt damit in der Luft herum und sagt: "Sie sind jung und unerfahren, wir haben heute gute Chancen. Gegen Ende werden sie einbrechen." Er sagt es mit dem Selbstbewusstsein eines gestandenen Spielers. Eines Spielers, der die gegnerische Mannschaft kennt, ihre Stärken kennt, aber auch ihre Schwächen. Kaddas ist einer, der das Spiel liest, der es versteht.

Ali Kaddas ist so etwas wie eine Ikone in Abu Dhabi. Er hat das Eishockey bekannt gemacht im größten der Arabischen Emirate. Sein Team spielt in der EHL, der Emirates Hockey League - und Vorsitzender der Scorpions und der Gründer der Liga ist er selber. Man hat nicht unbedingt einen Standortvorteil, wenn man in Abu Dhabi das Eishockeyspielen lernt, denn die großen Eisarenen dieser Welt sind ein gehöriges Stück entfernt. Doch die Begeisterung für den Sport ist enorm - und sie wächst stetig.

Emiratis lieben es rasant

Die andere Welt beginnt direkt an Abu Dhabis riesiger al-Khaleej al-Arabi Street. Mit dem Auto sind es etwa 15 Minuten vom Zentrum in die Zayed Sports City. Zwischen zehnspurigen Highways und anonymen Hochhaustürmen fährt man eine unscheinbare Auffahrt herunter. Jetzt am Abend funkeln die Lichter hier wie in New York oder Las Vegas. Dann gelangt man auf einen Parkplatz, der so auch in den Vereinigten Staaten von Amerika, in Europa oder in Asiens Mega-Citys stehen könnte.

Und schließlich steht man vor einem riesigen Kühlschrank, beinahe so hoch wie eine Pyramide. Dort, wo im Sommer Temperaturen von 42 Grad und mehr ein Leben ohne Schweiß unmöglich machen, kühlen die Scheichs eine riesige Halle von der Größe eines Fußballfelds auf minus zwei Grad herunter. Über ihrem Eingang spannt sich ein roter Schriftzug: Abu Dhabi Ice Rink.

Ali Kaddas stülpt sich seine Schlittschuhe über, versichert sich, dass die Schuhbänder fest geschnürt sind, dann macht er sich auf den Weg durch die langen Gänge zur Eisfläche. Gibt es eine Erklärung dafür, warum Eishockey ausgerechnet in den Emiraten so populär ist? "Wir Emiratis lieben schnelle Sportarten. Formel 1, Speed-Boat-Fahren, Kunstfliegen, Eishockey. Das ist unseres."

Eishockey in den Emiraten - das hört sich an wie ein exotischer Sport. Doch seine Geschichte begann bereits vor mehr als 20 Jahren. Kaddas ist ein Mann der ersten Stunde. Sein Team entstand Anfang der neunziger Jahre. 1992 reiste der damals 16-Jährige nach Europa. Dort hatte er das erste Mal Kontakt mit dem Eishockey.

Einige Monate später, es war ein heißes Jahr, suchte er sich den kühlsten Platz im Emirat - den Abu Dhabi Ice Rink. Auf der Eisfläche sah er einige Piloten aus dem fernen Amerika mit dem Puck spielen und fragte, ob er mitspielen dürfe. Sie willigten ein. Kaddas war begeistert. Da kam ihm die Idee, seine eigene Eishockeymannschaft zu gründen.

Profis aus aller Welt

Für 1000 Dirham, damals etwa 200 Euro, kaufte er sich die erste Ausrüstung. Kurz darauf gründete er die erste Mannschaft, 2009 schließlich die Emirates Hockey League. Fünf Mannschaften gehören ihr heute an: zwei aus Abu Dhabi, zwei aus al-Ain und eine aus dem Nachbaremirat Dubai. Kaddas' Team landete bislang meist im Mittelfeld. "Doch das ist nicht wichtig", sagt der 36-Jährige, "viel wichtiger ist, dass wir Eishockey in den Emiraten populär machen."

Es hat etwas von einem Klassentreffen, wenn sich die Clubs der Emirate treffen. Der Gegner heute ist kein Geringerer als die Nationalmannschaft der Vereinigten Arabischen Emirate. Normal läuft auch Kaddas für sein Nationalteam auf, doch heute hat er sich für sein Vereinsteam entschieden. "Weil wir zu wenige Spieler waren", sagt er. "Die Nationalmannschaft ist immer ein guter Trainingspartner für uns."

In der Halle mit 1200 Sitzplätzen verlieren sich an diesem Abend vielleicht 50 Zuschauer. Einige Emiratis stehen in den weißen Dischdaschas auf den Tribünen. Dann pfeift der Schiedsrichter das Spiel an. Von Anfang an schenken sich beide Teams nichts. Es ist ein hartes Spiel. Und das Niveau ist gut. Kein Wunder, sind die Reihen der Scorpions doch voller Finnen, Kanadier und Amerikaner. Viele Spieler haben früher in höheren Ligen gespielt, manche sogar in der nordamerikanischen Hockeyliga NHL. Mit dabei ist zum Beispiel Mike Korey, Ex-Profi von den Edmonton Oilers.

Spannung im Finale

Auf dem Eis steht heute auch Günther Jahrmann, die Nummer 33, ein Deutscher. Viele Jahre hat Jahrmann beim SC Memmingen und beim EC Ulm gespielt. Seit August 2007 arbeitet er in den Emiraten. Es entwickelt sich ein spannendes, teilweise gutes Spiel. Die Scorpions gehen schnell mit drei zu eins in Führung. Es geht schneller, als von Kaddas erwartet. Auch Jahrmann, die 33, trifft. Nach dem zweiten Drittel steht es bereits vier zu eins für die Scorpions.

Noch einmal kehren die Mannschaften zurück in die Kabine. Noch einmal befiehlt Kaddas mit lauter Stimme: "Da spielen heute nur Kinder, die packen wir." Doch die Scorpions rutschen im letzten Drittel schwerfällig wie Dampfwalzen über das Eis. Das Finale ist an Dramatik kaum zu überbieten. Der Puck läuft an der Drittellinie hin und her. Mehrere Male schlägt die Scheibe knapp neben dem Kasten der Scorpions ein. Doch am Ende retten Kaddas und seine Mannen den Vorsprung über die Runden. Nach genau 60 Minuten beendet die Sirene das Spiel.

Etwas kalt ist es einem um die Nase nach beinahe zwei Stunden in Sommerklamotten am kältesten Ort Abu Dhabis. Doch das vergeht schnell. Denn wer aus dem Gefrierfach hinaus auf die Straße tritt, dem schlägt die heiße Luft Arabiens wie ein Brett ins Gesicht.

Fabian von Poser/srt/abl

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insgesamt 12 Beiträge
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    Seite 1    
1. Irsinn
cyn 04.09.2012
Das ist blanker Wahnsinn.
2.
thechamelion3@web.de 04.09.2012
Und demnaechst spielen Eskimos beach Volleyball.... tja,wir koennen Energiesparen wie wir wollen, wenn die Araber Eishallen und Skipisten in dieWueste bauen.
3. Exotischer Irrsinn
el burgués furioso 04.09.2012
"Eishockey in den Emiraten - das hört sich an wie ein exotischer Sport. " Ist es nicht, jeder zweite Araber spielt jetzt Eishockey! Oder?! Kein Wort über den ökologischen Irrsinn, dass mit dem Öl-Geld des deutschen Michels die eh schon heiße Wüste noch mehr aufgeheizt wird, damit ein verrückter Scheich EIshockey spielen kann. Geld spielt ja keine Rolle, da wird einfach mal das Barrel 2 Cent teurer und schon kann man die besten Profis engagieren. Macht ja nichts, wenn man einen riesigen Kühlschrank in die Wüste stellt, zum Ausgleich werden eben die Abgasgesetze im fernen Eutopia verschärft und schon stimmt die Ökobilanz wieder. Ist ja auch egal, in der Wüste gibt es ja keine Natur mehr, die man noch kaputt machen könnte. in 500 Jahren wird dann ein weiteres rätselhaftes Artefakt aus dem Sand gebuddelt und man wird sich fragen, zu was das vielleicht mal gut war.
4.
cs01 04.09.2012
Zitat von thechamelion3@web.detja,wir koennen Energiesparen wie wir wollen, wenn die Araber Eishallen und Skipisten in dieWueste bauen.
Sollte man in einer Wüste solche Hallen nicht prima mit Solarstrom kühlen können? Platz genug für Panels dürfte doch sein.
5.
thechamelion3@web.de 04.09.2012
Zitat von cs01Sollte man in einer Wüste solche Hallen nicht prima mit Solarstrom kühlen können? Platz genug für Panels dürfte doch sein.
Selbst dann duerfte der Wirkungsgrad bescheiden sein- und sie vergessen 2 Dinge ueber Solarstrom: Er ist teuer, jedenfalls teuerer als das Oel aus dem Boden zu verbrennen, und selbst dort scheint die Sonne nicht nachts...
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