Raubvogel-Festival in China Die mit den Adlern reiten

Im Nordwesten Chinas lassen Adlerjäger eine 2000 Jahre alte Tradition aufleben. Der Fotograf Kevin Frayer hat die Reiter mit den Raubvögeln besucht - und faszinierende Fotos geschossen.

Getty Images

Dicke Fellmütze und grimmiger Blick: Die Adlerjäger von Xinjiang sind Menschen, denen man sofort ansieht, dass die raue Landschaft, in der sie leben, sie geprägt hat. Die Haut der chinesisch-kasachischen Männer ist von Wind und Wetter gegerbt und von der Sonne gebräunt. Stolz sitzen sie auf ihren Pferden und lassen den Blick über die Weite der eisigen Steppe in Chinas Nordwesten gleiten. Und stolz tragen sie ihre riesigen Adler auf der Hand. Einige gehen schon über 20 Jahre mit ihren Tieren auf die Jagd.

Die Bilder von Kevin Frayer dokumentieren diese Verbundenheit von Mensch und Tier eindrucksvoll. "Es war eine der seltenen Gelegenheiten, diese kasachischen Reiter mit ihren fantastischen Tieren und ihren einzigartigen Jagdfähigkeiten vor einer besonderen Landschaft zu fotografieren", sagt er. Der Kanadier ist für seine Arbeit an den Rand der Berge von Qinghe gereist.

Dort, in der autonomen Region Xinjiang an der Grenze Chinas zur Mongolei und zu Kasachstan, fand erst zum zweiten Mal das Adlerfestival statt. 49 Falkner haben dieses Jahr teilgenommen. Die Jagd mit den riesigen Vögeln auf Kaninchen, Füchse und Wildkatzen ist eine uralte Tradition unter den Kasachen der Region. Aber sie gerät bei den Jungen immer mehr in Vergessenheit.

"Die Männer wurden sehr wortkarg"

Deshalb soll es bei dem Festival auch darum gehen, diese alte Tradition zu bewahren. Dennoch gelang es Frayer kaum, etwas über die Geheimnisse der Adlerjagd herauszufinden. "Es hat mich sehr beeindruckt, wie gastfreundlich diese Menschen zu einem Fremden wie mir waren. Aber wenn es um das Jagdhandwerk ging, dann wurden die Männer sehr wortkarg - obwohl wir viel Buttertee zusammen getrunken haben. Die Kniffe werden nur von Generation zu Generation weitergebeben", sagt er.

Bevor ein Adler auf die Jagd gehen kann, braucht er mindestens mehrere Monate Training - sonst überläst er die Beute nicht seinem Herren. Gut geeignet sind vor allem weibliche Tiere - sie sind größer und auch aggressiver als die Männchen. Sitzen die Vögel mit einer Lederbinde über den Augen auf dem Arm des Jägers, wirken sie zahm. "Aber sobald die Binde verschwindet und die Tiere freie Sicht haben, kann es gefährlich werden", erklärt Frayer. Dann wird deutlich, dass die Tiere Raubvögel sind. Und was sie mit ihren beachtlichen Krallen anrichten können.

Längst sind die Kasachen der Region nicht mehr auf die Jagd angewiesen. Aber einige betreiben sie mit den Adlern heute als Sport. Bei dem Festival in China können sie ihre Fähigkeiten als Trainer zeigen - und das in der traditionellen Kleidung der Kasachen.

joe/beh



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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
Tafelkreide 18.02.2015
1. In meiner Gegend
kennt man das Ringtauchen mit tressierten Walfischen, was einmal jährlich in unserem Tiefwasserhafen stattfindet. Das Gute dabei ist, dass weniger Jagdbares ausgesetzt werden muss und auch die Fische haben ihren Spaß.
Waschlaff Duschmann 18.02.2015
2.
wie sowas in Vergessenheit geraten kann ist mir nicht ganz klar, das sollte doch eigenhändig eine ganze Tourismusindustrie ins Leben rufen
hermannheester 18.02.2015
3. Die Symbiose von Tier und Mensch
Sie funktioniert auch in China. Ob nun in de Mongolei, wo die Falknerei ebenfalls eine eigene Tradition hat oder eben in XinJianG. Immerhin gibt es auch die Kormoran Fischerei auf dem Mekong gar nicht so weit entfernt.... um nur einige Beispiele zu nennen.
SanchosPanza 18.02.2015
4. Traditionelle Jagd
Interessanter Artikel und schöne Fotos, vielen Dank dafür! Auch Wölfe werden dort übrigens mit den "golden eagles" oder Steinadlern gejagt. Die Klauen dieser Vögel sind stark genug, um ein Schädeldach dieser Caniden zu durchbohren.
bambus 18.02.2015
5. @#2, Tradition
hat wenig mit Tourismusindustrie zu tun. Die Menschen tun es , weil sie es seit Jahrhunderten getan haben und werden es nicht mehr tun, nur weil Andere Ihnen dabei zusehen wollen. So tötet man eine Tradition!
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