Skigebiet in Afghanistan Auf schwierigen Pisten

Ausgerechnet im kriegsgeplagten Afghanistan versucht ein Schweizer, den Skisport groß zu machen. Das Teilnehmerfeld beim Rennen in der Provinz Bamiyan ist jetzt schon international. Doch der Organisator hat einen noch größeren Traum.

Abgefahren: Die "Afghan Ski Challenge" im Koh-e-Baba-Gebirge
DPA

Abgefahren: Die "Afghan Ski Challenge" im Koh-e-Baba-Gebirge


Chapdhara - "Das ist das erste Mal, dass ich so viele Ausländer sehe", staunt Ali Nasari. Der afghanische Bauer steht mit seiner Großfamilie am schneebedeckten Hang und lacht: "Die Leute fallen dauernd in den Schnee. Es ist ziemlich lustig."

Über tausend Zuschauer sind zu einem außergewöhnlichen Event in die Provinz Bamiyan, 180 Kilometer westlich von Kabul gekommen: der "Afghan Ski Challenge". Hauptorganisator des Rennens ist der Schweizer Christoph Zürcher. 2010 reiste der 48-Jährige zum ersten Mal zu den schneebedeckten Bergen des Koh-e-Baba-Gebirges in Zentralafghanistan - und musste nicht lange überlegen: "Wenn ein Schweizer Schnee sieht, dauert es nicht lange und er denkt ans Skifahren", sagt er. Schon einige Monate später kehrte er zurück in das kriegsgeschundene Land und brachte 15 Paar Skier samt Stiefeln mit. Sein erstes Ziel: die Gründung einer kleinen Skischule.

Weil Training alleine auf Dauer nicht wirklich erfüllend ist, tat Zürcher den nächsten Schritt. "2011 organisierten wir das erste Rennen, an dem damals zehn Einheimische teilnahmen", sagt er. Seitdem sind gerade mal drei Jahre vergangen, in diesem Jahr haben sich immerhin 50 Teilnehmer zur Sause auf den in 3400 Meter Höhe gelegenen Hängen angemeldet. Sogar 20 Ausländer sind darunter.

Nächstes Ziel Olympia

Zwar sind die meisten Zuschauer Einheimische wie Bauer Ali Nasari, aber auch einige Touristen und ausländische Helfer aus Kabul verfolgen das Schneespektakel. "Unser Ziel ist die Förderung des Skisports und des Tourismus in der Region", erklärt Zürcher. "So ein Wettbewerb ist gut für Afghanistan", findet auch Sajeh Ali Schah Farhang. Er war einer der ersten Skilehrer, die Zürcher ausgebildet hat. In diesem Jahr hat Farhang sogar das Skirennen gewonnen. Solche Erfahrungen stimmen seinen Schweizer Mentor optimistisch: "Ich hoffe, dass wir zu den nächsten Olympischen Winterspielen in vier Jahren auch ein oder zwei Afghanen schicken werden."

Einen Trainingswilligen hat Zürcher mit Farhang bereits gefunden. Der konnte die jüngste Olympiade im russischen Sotschi zwar nicht mitverfolgen, weil er keinen Fernseher besitzt. Trotzdem träumt er davon, in vier Jahren selbst an den Start zu gehen. "Ich bin in den Bergen aufgewachsen. Mir liegt Skifahren im Blut", sagt Farhang.

Den zweiten Platz bei Skirennen in Bamiyan belegte Zürchers Landsmann Arnaud Cottet. Der Sportler ist nicht allein wegen der Abfahrt nach Afghanistan gekommen, sondern auch als eine Art Botschafter. "Wir wollen das hier mit unseren eigenen Augen sehen, nicht durch die Kamerabilder der Medien. Wir denken, dass es sicher genug ist für Touristen, in Bamiyan Skitouren zu unternehmen", sagt er.

Auch wenn das Auswärtige Amt dringend vor Reisen nach Afghanistan warnt, glaubt Zürcher fest an das Potential der Region - zumindest für abenteuerlustige Wintersportler: "Wir machen bereits viele Skitouristen neugierig. Wegen des 30 Jahre dauernden Krieges ist die Gegend hier völlig unberührt. Es gibt nicht viele Orte auf der Welt, die nicht schon längst für den Skisport erschlossen wären."

Subel Bhandari/dpa/leh

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