Abgesagte Verlosung Airbnb will doch keine Übernachtung auf Chinesischer Mauer anbieten

Eigentlich wollte Airbnb eine exklusive Übernachtung auf der Chinesischen Mauer verlosen. Doch nach kritischem Feedback sagte das Unternehmen den Wettbewerb ab.

Chinesische Mauer
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Chinesische Mauer


Es klang wie eines jener Airbnb-Inserate, auf die viele hoffen und die nur wenige ergattern: eine Nacht in einem der sieben Weltwunder - in einem der Türme der Chinesischen Mauer. Das Unternehmen wollte die Übernachtung eigentlich für vier Gäste verlosen und den oben offenen Turm extra mit Betten und Leuchten ausstatten. Doch nun hat Airbnb die Aktion abgesagt.

Hintergrund waren offenbar Befürchtungen von Kritikern, dass die Übernachtung auf dem Unesco-Denkmal der Mauer Schaden zufügen könnte. "Wir respektieren das Feedback, das wir bekommen haben, und haben uns daher dazu entschieden, davon abzusehen, den Wettbewerb weiter zu verfolgen", teilte Airbnb am Dienstag mit. Bei denjenigen, die bereits ihre Bewerbungen eingesendet haben, entschuldigte sich das Unternehmen.

Die Botschaft - neben der Werbung für die Plattform - sollte eigentlich das Gegenteil sein: Mit dem Event wollte Airbnb den nachhaltigen Tourismus in China fördern und auf die Bemühungen zum Erhalt des Monuments aufmerksam machen. "Es war uns eine Ehre, mit Historikern und Denkmalschützern in Peking zusammenzuarbeiten, um diese einmalige Erfahrung möglich zu machen", sagte Nathan Blecharczyk, Mitgründer und Vorsitzender von Airbnb China, laut der Pressemitteilung, die das Event angekündigt hatte.

Airbnb wollte die Turmübernachtung auf seiner Website anbieten. Interessierte sollten lediglich die abstrakte Frage beantworten, warum es wichtig sei, Barrieren zwischen Kulturen abzubauen und neue Verbindungen zu knüpfen. Die Gewinner der Verlosung sollten dann sogar aus ihren Heimatländern eingeflogen werden.

"Oh mein Gott. Vergiss es"

Die Idee ging nach hinten los: Auf der chinesischen Mikroblogging-Seite "Weibo" machten sich einige der Nutzer darüber lustig: "Bei den aktuellen Temperaturen in Peking, könntet ihr an Überhitzung sterben", schrieb ein User CNN zufolge. "Und die Moskitos, die überall dort sind. Oh mein Gott. Vergiss es." Doch es wurden auch Befürchtungen geäußert, die Übernachtung könnte dem historischen Denkmal schaden: "Es wird vermutlich Schaden an den alten Wänden zurücklassen", schrieb ein Nutzer.

Airbnb will dennoch seinen Markt in China ankurbeln: "Wir werden eng mit unseren Gastgebern und Gästen in China sowie den örtlichen Behörden zusammenarbeiten, um auf die Kultur und die Geschichte hinzuweisen, die China zu einem der dynamischsten Reiseziele der Welt macht", hieß es in dem Statement zur Absage.

In den letzten Jahren hat die Unterkunftsplattform ihr Angebot erheblich ausgeweitet. Airbnb löste sich vom ehemaligen Luftmatratzenimage und setzt zunehmend auf extravagante Luxusherbergen. Neben Unterkünften können mittlerweile auch Aktivitäten und Stadttouren gebucht werden.

Doch immer mehr Städte wehren sich gegen den Boom. Berlin, Paris oder Barcelona etwa beklagten schon vor Jahren die massenweise Umwidmung von Wohnungen in Ferienunterkünfte und machten den US-Konzern für stark steigende Mietpreise verantwortlich.

kry



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