Al-Bustan-Hotel in Oman Sakralbau für Superreiche

Riesen-Kronleuchter aus Bergkristall, 800 Tonnen Marmor: Das Sechs-Sterne-Hotel Al-Bustan Palace in Oman zählt zu den edelsten Unterkünften der Welt. Wer sich hier kein Zimmer leisten kann, darf auf einer geführten Tour reinschnuppern - wenn nicht die Angestellten streiken.

Von Stephan Orth

Stephan Orth

Der Eine-Million-Dollar-Brunnen plätschert, es duftet nach Weihrauch, drei junge Musikerinnen an Piano, Querflöte und Geige spielen Schubert: Wer die 28 Meter hohe Eingangshalle des Al-Bustan Palace betritt, soll sich nicht wie ein Hotelgast fühlen - sondern wie ein Sultan.

Für den nämlich, genauer gesagt für Omans Sultan Kabus Bin Said, wurde der Palast am Meer 1985 gebaut. Er diente als Veranstaltungsort für ein Treffen des Golf-Kooperationsrates. Doch bald merkte der heute 70-jährige Sultan wohl, dass er für seine Staatsgäste keine 190 Zimmer und 40 Suiten brauchte, deshalb nutzt er nun nur noch das oberste Stockwerk für den Eigenbedarf.

In die unteren acht Etagen des Al-Bustan dürfen Gäste auch ohne persönliche Einladung des Staatsoberhauptes nächtigen. Als "bestes Hotel im Mittleren Osten" preist ein Angestellter im weißen Dischdascha-Gewand, der sich als Herr Mashal vorstellt, das Haus an. Eine sehr selbstbewusste Ansage, schließlich sind die prächtigen Unterkünfte von Dubai und Abu Dhabi nur ein paar hundert Kilometer weg.

Auch Urlauber, die nicht mindestens 280 Euro für eine Übernachtung im Doppelzimmer ausgeben wollen, können für eine halbe Stunde reinschnuppern in die Welt der orientalischen Megareichen: Jeden Tag um halb fünf gibt es eine Führung durchs Haus, heute begleitet Herr Mashal eine Gruppe von 14 Neugierigen durch die Säle und Suiten.

Das mit dem Eine-Million-Dollar-Brunnen war übrigens etwas übertrieben: So viel kostete er im Komplettpaket mit den neun Kronleuchtern, die von der Decke der Empfangshalle hängen und in Österreich maßgefertigt wurden. Peanuts in einem Tempel, der aus 97 verschiedenen Steinsorten besteht, allein 800 Tonnen Marmor wurden hier verbaut.

Oman will keine Backpacker

Das Sultanat Oman entwickelt sich rasant zum beliebten Touristenziel vor allem für gut situierte Gäste. Man setzt nicht wie Dubai auf künstliche Superlative wie Golfplätze in der Wüste oder Rekord-Wolkenkratzer, sondern darauf, vorhandene Schönheit besonders hübsch zu präsentieren: die Wadis und Wüstencamps, die alten Forts und Märkte. Der Sultan und seine Fremdenverkehrs-Strategen sorgen mit strikten Bauauflagen dafür, dass kaum Strukturen für Backpacker und sonstige Sparfüchse entstehen. Denn die bringen dem Land finanziell wenig. Unter 40 Euro pro Person gibt es fast in ganz Oman keine Unterkunft, die meisten Gästezimmer sind deutlich teurer.

Zwei Hotels in der Hauptstadt Muscat spielen in der weltweiten Champions League des Luxus: das Al-Bustan und das Chedi, das einen Zen-Garten hat und wie ein Wüstenschloss aussieht. Damit hat es dem Al-Bustan zumindest in der äußeren Erscheinung etwas voraus, denn dessen achteckiger Riesenbau erinnert an ein sandfarbenes Beton-Ufo mit Pickelhaube und ist eher wuchtig als elegant.

Aber es zählen ja die inneren Werte, und bei dem Rundgang kann Mashal immer wieder die Kurzbesucher beeindrucken: etwa im Konzertsaal "Oman Auditorium" mit 628 Sitzplätzen, komplett in edlem Dunkelrot gehalten, "der Lieblingsfarbe seiner Majestät des Sultans", wie Mashal erklärt. Etwa 900 passen in den großen Bankettsaal "Majan Ballroom", der die Maße einer Turnhalle hat. Der Boden ist mit einem zentimeterdicken blauen Teppich mit Blumenornamenten ausgelegt, alle fünf Meter hängt darüber ein Lüster aus Bergkristall, insgesamt sind es 32. Wer hier das große Hochzeits-Package buchen will, muss eine Bedingung erfüllen: "Minimum: 200 guests".

Zuletzt zeigt Mashal noch die Präsidenten-Suite. "Hier hat schon Dick Cheney gewohnt", erzählt der Hotel-Mitarbeiter, 300 Quadratmeter hatte der damalige US-Vizepräsident zur Verfügung. Das Arbeitszimmer ist mit dunklem Holz vertäfelt, im Wohnzimmer dominieren Braun- und Beigetöne, schwer bohren sich die Füße der Sessel und Sofas in den tiefen Teppich.

Sehr ruhig und friedlich wirkt dieses Hotel am Meer mit seinem sakral anmutenden Innenhof. Doch jüngst schwappten die Proteste, die seit Anfang des Jahres die arabische Welt aufrütteln, auch auf das Al-Bustan über. Mitte März traten Mitarbeiter in den Streik. Sie protestierten gegen die Regierung des ansonsten enorm populären Sultans - ausgerechnet in seinem eigenen Palast.

Sie forderten mehr Geld und bessere Aufstiegschancen, einige ankommende Gäste wurden weggeschickt. Für sie dürfte das Riesenufo nicht wie ein Tempel des Luxus gewirkt haben, sondern wie eine abweisende Trutzburg.

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